Viel Licht und viel Liebe durch die Sonne

von Redaktion

Barockmusik mit dem Ensemble „Horolog“ in der Rosenheimer Hedwigskirche

Rosenheim – Es war ein kleines, feines und leises Konzert, das die Zuhörer in der Hedwigskirche vom Ensemble „Horolog“ geboten bekommen hatten. Und es war ein gut durchdachtes Konzert: Thema war „Der lieben Sonne Licht und Pracht“, wie ein Lied aus Schemellis Gesangbuch von Johann Sebastian Bach betitelt war, also die Sonne und ihre leben- und liebesspendende Wirkung auf die Natur, die Blumen und auf die Menschen. Die Lieder und Arien aus dem Barock gingen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.

„Horolog“ bestand hier aus drei Musikern: Veronika Burger sang mit leicht angesetzter, sich mühelos entfaltender und nie forcierendem Stimme, bei der nur die Konsonanten fehlten – wo doch klingende Konsonanten nicht nur den Gesang gliedern, sondern auch als Trampolin für klingende Vokale fungieren. Dafür rezitierte sie jeweils dankenswerterweise die deutsche Übersetzung der italienischen Lieder. Tilla Seymann spielte die Gamben verschiedener Größe mit ganz reiner Stimmgebung, Christoph Eglhuber mehrere Lauten verschiedener Größe und Form, von glatt bis bauchig.

Beide Instrumentalisten gliederten mit reinen Instrumentalstücken das Programm: In einer ausgedehnten Canzonetta mit feinen Echowirkungen von Girolamo Frescobaldi sang die Gambistin geradezu auf ihrer Gambe, vom Lautenisten sanft-akkordreich umhüllt, ein anonymes Stück klang einfach zauberhaft, einmal spielte Eglhuber allein: sorgfältig, sinnend und wohllautend die Sarabande aus Bachs Cello-Suite Nr. 6.

Neben zwei Liedern aus Schmelleis Gesangbuch gab’s zwei der „Deutschen Arien“ von Georg Friedrich Händel: „Süßer Blumen Ambraflocken“ mit aufjubelndem Schlussgesang und „Meine Seele hört im Sehen“ mit noch ausbaufähigem Jauchzen. „Con le stelle“ gefiel mit einem schwingenden, sich aber ständig wandelnden Dreiertakt, schmerzreich wurde der Sängerin Stimme in der Rosen-Arie „Se la fresca rosa e bella“ von Nicola Antonio Porpora und sehr bewegungsfreudig in der Arie „Non ha ‚l ciel“ von Giulio Caccini, die die Augen-Lichter besingt.

Selig innig endete das Konzert mit der „Evening Hymn“ von Henry Purcell, die dann doch langem Halleluja-Jubel ausklang. RAINER W. JANKA

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