Bunt und crazy auf dem Weg zum Ruhm

von Redaktion

Die Nachwuchstalente der Akademie Immling feierten mit Musical „Fame“ Premiere

Immling – Talent ist nicht alles im Showbusiness. Der Weg nach oben ist fast immer ein steiniger. Doch die Verlockung, dem inneren Lodern nach Selbstverwirklichung nachzukommen, ist enorm. Zwischen Selbstzweifel und Selbstüberschätzung, Optimierungszwang und Missgunst, von Intrigen ganz zu schweigen, stellt sich das ein oder andere aufgehende Sternchen auf seinem Weg zum Ruhm gar selbst ein Bein. Kennt man aus der Klatschpresse – oder aus dem Musical „Fame“.

Kinofilm
als Vorlage

Die Vorlage für das Musical lieferte der Kinofilm von Alan Parker 1980, der damals die Musicalwelle in Deutschland auslöste. Die jungen Talente der Akademie Immling haben Glück, denn auf dem grünen Hügel im Chiemgau weht ein anderer Wind. In der Premiere „Fame“ – der Weg zum Ruhm“ rockte ein gut 20-köpfiges Ensemble, singend, tanzend und schauspielend die Bude. Den energievollen Drive aus dem Graben lieferte unter der musikalischen Leitung von Konstantin Siebert ein ebenso gut geprobtes Jugendorchester der Akademie Immling.

Der Immlinger Nachwuchs hat offenbar genau das beherzigt, was an der High School of Performing Arts in New York gepredigt wird: Harte Arbeit sei der Weg zum Erfolg. Wer mit falschen Illusionen an die Sache herangeht, dem wird das eitle Köpfchen zurechtgerückt.

Beim Immling-Festival pulsierte die große Bühne regelrecht. Eine knisternde Premierenspannung versprühte Funken bis in die letzte Reihe des Festspielhauses. In der Kulisse erzeugten wahre Farb- und Lichtexplosionen (Maximilian Ulrich) Kino-Feeling und die detailverliebten Kostüme (Lilli Hartmann) im flippigen Stil der 80er-Jahre spiegeln die jeweiligen Charaktere der angehenden Absolventen wider. „Fame“: bunt und crazy.

Die riesigen Lettern „F“ „A“ „M“ „E“ – begeh-, besteig- und, je nach Notwendigkeit, auch leicht umstellbar, waren Teil des Bühnenbildes von Verena von Kerssenbrock, die auch Regie führte. Eine gelungene Idee, die mit wenig Mitteln große Wirkung erzielte. Die reduzierten Mittel des Theaters machen mit wunderbarem Spiel und dem exklusiven Live-Erlebnis locker wett, was Kino kann.

Da marschierte ein(e) jede(r) mit seinem eigenen Spleen daher – und regelte so den Unterhaltungswert hoch: Die eine (Fiona Kent) fühlte sich zu dick, futterte aber unentwegt aus ihrer Tupperbox, ein anderer begrapschte, weil er seinen Testosteronspiegel nicht im Griff hat, die ausgesprochen sexy Mitstudentin, wieder ein anderer verwurschtelte eine für ihn stinklangweilige Ballett-Choreo in Rock- oder Hip-Hop-Moves. Und dann wäre da noch der smart-verträumte Schwärmer Nick (Lukas Gahabka), der für Shakespeare brennt und mit Texten Magie machen will – sehr berührend sein Song „I Want To Make Magic“. Die zuständigen Lehrerinnen gaben sich geduldig, wenn auch der ein oder andere theatrale Eklat unvermeidbar war: „Beinahe gut genug, um mit dem Üben anzufangen“, mahnte Musiklehrerin Mrs. Sheinkopf (Laura Ziegler). Tanzlehrerin Miss Bell (Annika Öttinger) setzte auf die Kraft innerer Bilder, Schauspiellehrerin Miss Myers (Uschi Zobelt) war der „Prozess wichtiger als das Ergebnis“.

Wenn die Liebe
ins Spiel kommt

Alle zusammen wollten sie die Kids voranbringen, so auch die Schulleiterin Mrs. Sherman (Elisabeth Sedlmayr), der sie als Familienersatz dienen. Dramen spielen sich vor allem dann ab, wenn Liebe ins Spiel kam und man, mangels Reife, nicht damit umzugehen wusste. Das waren die stärksten Bühnenmomente, sowohl im verblüffend gekonnten stimmlichen Ausdruck als auch in den umwerfenden Tanzszenen (Choreografie: Judith Seibert von der Bayerischen Staatsoper). Die aufwühlenden Stimmungsschwankungen werdender Stars – sie waren glaubhaft nachempfunden.

Harte Arbeit? Wirkte hier gar nicht so. Denn die wilde Truppe lieferte lockerflockig ab. Der Lohn? Riesenapplaus und noch mehr Vergnügen, für sie selbst und jene, die sich gerne mitnehmen lassen in die quietschbunte Zeit der 80er-Jahre.

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