Bewegende Orgelwerke von Bach bis Alain

von Redaktion

Aaron Voderholzer spielt bei Priener Orgelkonzerte zur Mittagszeit in der Kirche Mariä Himmelfahrt

Prien – Mit einem Programm quer durch vier Jahrhunderte begeisterte Aaron Voderholzer an der Woehl-Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Mag einer einwenden, dass die voll besetzte Kirche der Tatsache geschuldet war, dass der Organist Lokalmatador ist. Aber die Tatsache, dass der Einladung, sich eine halbe Stunde am Samstagmittag Orgelmusik hinzugeben und innezuhalten, so viele Gäste aus nah und mehr noch aus fern folgten, ist Beweis genug, dass eine solche Orgelstunde eine bereichernde Zeit ist.

Und Aaron Voderholzer zog an der Woehl-Orgel im wahrsten Sinne alle Register. 50 Stück sind es, drei Manuale und ein Pedal, dazu ein symphonisches Windsystem mit acht Bälgen, mechanischer Spiel-, elektrischer Registertraktur sowie mechanischen Koppeln. Majestätisch, prächtig erscholl von oben herab die Sinfonia „Wir danken dir“, BWV 29, von Johann Sebastian Bach, arrangiert von Harald Feller. Einer der Lehrer des 24 Jahre jungen Organisten übrigens, der derzeit im Master Orgel, im Bachelor katholische Kirchenmusik und zudem Humanmedizin studiert.

Die Sinfonia bot Voderholzer mit schlanker, geschmeidiger, wunderbar atmender Phrasierungskunst dar, pralle Trompetenklänge (der Orgel) inklusive. Ganz anders, zart und fein besaitet dann das Adagio für Flötenuhr von Ludwig van Beethoven. Das in F-Dur stehende Werk hatte Beethoven für die Flötenuhr komponiert, eine mechanische Orgel im Wiener Kunstkabinett des Grafen Deym, deren Pfeifen flötenartig klangen.

Vortrefflich nach Flöten klingend, präzise wie eine Uhrwerk – was für eine Preziose für eine große Kirchenorgel. Ganz anders dann die „Litanies“ von Jean Alain (1911 bis 1940): flehend, inniglich und doch klassisch anmutend. Ein Thema von Achtel- und Viertelnoten, das in immer neuen Variationen wiederholt wird, das sich in mächtiger Verbreiterung im Pedal steigert, immer mehr Fahrt aufnimmt und mit einem gewagten Schlussakkord beinahe abrupt endet. Perfekt den repetitiven Charakter mancher Litanei nachahmend. Was für eine Wucht.

Passend dazu das nachfolgende Stück von Maurice Durufle (1902 bis 1986). Der komponierte nämlich zu Alains Gedenken ein „Prélude et fugue sur le nom d’A.L.A.I.N.“ op. 7. Darin verwendet er zum einen eine musikalische Transskription des Namens „ALAIN“, mit den Tönen A-D-A-A-F – prägendes Motiv für das Prélude, in das Durufle auch Themen aus den „Litanies“ von Alain eingewoben hat, und Kopf des ersten Themas der Doppelfuge. Ein tiefberührendes Werk, wie aus einem fernen Raum erklingt hier eine Melodie, choralartig dann eine andere Melodie, die sich steigert, Hoffnung und positive Stimmung verbreitet.

Orgelklänge, die mit wuchtigen, aber nicht massiven oder gar vordergründigen Basstönen enden und die der Mittagsmusik nach dem Zwölf-Uhr-Läuten am Samstag wahrlich zur Ehre gereichen.

Nicht umsonst wird die Orgel als die Königin der Instrumente bezeichnet. Man kann Ihrer Majestät noch einmal lauschen: Morgen, Samstag, um 12 Uhr wird Laurent Wehrsdorf an der Woehl-Orgel in Prien aufspielen.

Innehalten mit Orgelmusik: Im dritten Jahr bietet Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl an vier Samstag-Mittagen Orgelkonzerte an, jedes Mal ein anderer Organist und jedes Mal ein anderes Programm. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Priener Kirchenmusik sind erbeten. Elisabeth Kirchner

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