Sachrang – „Tief berührend, berückend, ergreifend“: Die vielen Zuhörer beim Abschlusskonzert des Meisterkurses Gesang fanden noch viele weitere Begriffe, um ihre Bewunderung für die vier jungen Sopranistinnen auszudrücken, die ihre Liedkunst im Saal des Gasthaus Post in Sachrang darboten.
Professorin Juliane Banse, Opernsängerin, Lied- und Konzertsängerin und Professorin am Mozarteum Salzburg sowie an der Königlichen Universität Madrid, hatte mit fünf Meisterschülerinnen aus Europa (die einzige Mezzosopranistin unter den Meisterschülerinnen erkrankte leider am Tag der Aufführung) ein großes, anspruchsvolles und kurzweiliges Programm erarbeitet, das von Bachschen Kantaten über Oper und Operette bis hin zu einem für Sopran Solo vertonte Gedicht des kürzlich verstorbenen Aribert Reimann reichte. Stilsicher und souverän durch alle Epochen, ausdrucksstark und farbenreich begleitet von Henri Bonamy, Pianist und Dirigent, Künstlerischer Leiter des Philharmonischen Orchesters Isartal, Lehrbeauftragter für Klavierbegleitung an der Hochschule für Musik und Theater.
Und so viel schon vorweg: Alle Meisterschülerinnen glänzten mit Eindringlichkeit und Empfindungskraft, je nach Stück mit ruhigem Ernst und Ausdruckstiefe oder mit sichtlichem Vergnügen und Leidenschaft, Textverständlichkeit und Stimmführung.
Paula Günther überzeugte mit der Arie „Jauchzet Gott in allen Landen“ von J.S. Bach (1685 bis 1750): Das war wahrer Jubel, wonnig, beinahe überschwänglich (einige hohe Töne gerieten eingangs gar zu hoch), mit betörend schöner Stimmfarbe, faszinierender Geschmeidigkeit und mit perfekter Koloratur. Nicht minder ergreifend gab sie später die Giuditta (aus der gleichnamigen Operette von Franz Lehar (1870 bis 1948).
Leicht mag „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ klingen, doch Günthers Ausdruckskraft und ihr klarer Sopran machten deutlich, dass Operette mehr ist als nur leichte Muse. Lorea Lopez Ederra gestaltete farbenreich und sauber artikulierend das von Clara Schumann (1819 bis 1896) vertonte Heine-Gedicht „Ich stand in dunklen Träumen“. Berührend auch, wie sie ein Lied aus den Cantares von Joaquin Turina (1882 bis 1949) interpretierte. Und nicht minder ergreifend, wie sie später die verliebte Contessa bei „porgi amor“ aus „Le nozze di Figaro“ von W.A. Mozart (1756 bis 1791) gab. Sofiya Kulay begeisterte das Publikum mit der Arie der Deidamia aus der gleichnamigen Händelschen (1685 bis 1759) Oper.
Bewegend, wie sie von „conforto“ (Trost) sang, eindrücklich, wie sie grausam-hart und eindrücklich das finale „crudel“ ausklingen ließ. Auch ohne Sprachkenntnisse konnte man Sofiya Kulay ihre Rolle als Natalka aus „Natalka Poltavka“ von Mykolo Lyssenko (1842 bis 1912) abnehmen: selbstbewusst, lachend.
Mitreißend, wie die Sängerinnen ihre jeweiligen Rollen interpretierten, wahrlich ein Feuerwerk an Charakteren. Die Meisterklasse-Dozentin hatte ihren Meisterschülerinnen viel vermittelt, was Leidenschaft, Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke angehen. Das bewies auch Sarah Kuppinger, die ohne Klavierbegleitung „Kluge Sterne“ von Aribert Reimann (1936 bis 2024) aus „Ollea: Vier Gedichte von Heinrich Heine“ sang. Großartig, wie sie den teils bitteren Worten Nachdruck verlieh, und bewundernswert, wie leicht sie Oktav- und größere Intervall-Sprünge meisterte und ihre Zuhörer mit zu den Sternen nahm. Zum Abschluss sang Sarah Kuppinger die Partie der Adele: „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ aus „Die Fledermaus“ von J. Strauß (1825 bis 1899). Bis hinauf in die höchsten Höhen klang ihre Stimme klar, die Koloraturen gelangen technisch nahezu perfekt, dabei aber herrlich lebhaft und strahlend. Dazu noch die Darstellung – mal im Sitzen, mal im Liegen – was für ein Vergnügen. Schade, dass das Konzert nicht länger ging. Gern hätte man noch weiter gelauscht. Als Devise hatte Dozentin Prof. Juliane Banse eingangs ausgegeben: „Genießt es. Macht Musik.“ Das gelang aufs Vortrefflichste. Bitte mehr davon! Elisabeth Kirchner