Traunstein – Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und Buchpräsentationen, unterschiedlichste Konzerte und ein ansprechendes Kinderkulturangebot vom Kasperltheater bis zum Pappmaschee-Kurs: In Bergen und Siegsdorf geht der Sommer mit einem vielseitigen Angebot kultureller Höhepunkte in die Verlängerung.
„Kunst- und Kulturgenuss in Bergen und Siegsdorf“ nennt sich diese Idee, die heuer zum sechsten Mal im zweijährigen Turnus von den Touristen-Informationen Bergen und Siegsdorf veranstaltet wird. Das zweiwöchige Kulturprogramm läuft vom 14. bis 29. September.
Die Eröffnung des Kulturreigens fand mit einer Ausstellung des Siegsdorfer Künstlers Robert Dufter statt: Seine großformatigen Werke hängen unter dem Motto „Farbzeiten“ im Bergener Museum Maxhütte. Wo anno dazumal Schmiede eine Vielzahl von Geräten aus Eisen formten, wirkt neuzeitliche Kunst besonders intensiv. Verlangt doch beides, das „Malochen“ mit schwerem Gerät und das freie Kunstschaffen, dem Menschen immense Tat- und Schaffenskraft ab. Die zu unterschiedlichen Zeiten auf so gänzlich konträre Art von Menschenhand produzierten Werke gehen eine mehr als interessante Symbiose ein: Der industrielle Charme der Maxhütte steht Dufters Werken gut – und umgekehrt.
Als kreativer Farbforscher weiß Dufter um die Wirkung geometrischer Formen, die in seinen Werken, ganz variationsreich komponiert, Farbtöne auf vermittelnde oder verstärkende Weise zur Sinnesentfaltung bringen und somit seine Vorstellung von konkreter Kunst verwirklichen.
Während in der Anfangszeit seines Schaffens Streifen- und Rechtecke unterschiedlicher Breite und Höhe, die er zu gebundenen Bildgefügen zusammenführte, entstanden waren, kamen in den letzten Jahren andere geometrische Grundformen hinzu.
Die Proportionen der unterschiedlichen Breiten, Höhen und Längen der Streifen sind keineswegs dem Zufall überlassen. Vielmehr sind es mathematische Gesetzmäßigkeiten, strukturierte Phänomene der Geometrie, die Niederschlag in der Konzeption jedes einzelnen Bildes Robert Dufters finden.
In selbst für den Laien gut verständlicher Wortwahl, brachte Herbert Stahl (Vorsitzender des Traunsteiner Kunstvereins) in seiner Laudatio den zahleichen Vernissage-Besuchern nahe, was Dufter in seiner Kunst antreibt, wie er es umsetzt und wie tief die vorangegangene Auseinandersetzung mit Farb- und Formenwelten war, bis schließlich die beeindruckenden Werke fertiggestellt wurden.
Dufters wohl strukturierte Farbräusche im Bildformat entstehen aus einem selbst entwickelten Farbarchiv, das mittlerweile rund 450 Farbkarten im A6-Format zählt. In der Betrachtung seiner Werke wird deutlich, wie stark sich derart verbenachbarte Farben gegenseitig beeinflussen, verstärken oder verändern.
Es entstehen Spannungen, die mit emotionalen Impulsen – Assoziationen von Dramatik, Aggression, Stille oder Harmonie – einhergehen können. Die Verbindung von Emotionen mit Farben und Formen werden zu realen Bildwelten. Um es in der Sprache der Musik zu verdeutlichen: (Klang-)Farben lassen Unbewusstes spüren und entfesseln im Innersten verborgene, zutiefst menschliche Schwingungen – ein Tanz der Emotionen, lebensnah und bunt, voller Rhythmus und unerwarteter Wendungen.
Dufters spannendes (Un-) Gleichgewicht der Farben lädt zur Erkundung neuer (Lebens-)Farb-Beziehungen ein. Kirsten Benekam