„Unsere Zuschauer verlassen das Kino als glücklichere Menschen“

von Redaktion

Der Bernauer Filmemacher Detlev Neufert will mit dem „Better World“-Festival die Welt besser machen

Bernau/München – Die kühne Frage, ob Filme die Welt verbessern können, stellt sich der Bernauer Filmemacher Detlev Neufert schon lange nicht mehr. Er will einfach nur zeigen, dass es geht. Das beweist er heuer am Sonntag, 20. Oktober, zum fünften Mal im Münchner Kino „Museum Lichtspiele“. Als private Initiative 2019 in Murnau gegründet zeigt sein mutiges Festival-Event „Better World“ 25 Filme aus 16 Ländern, quer durch die Genres, wobei Themen und Spieldauer bunt gemischt sind. Einzige Vorgabe bei der Einreichung der Filme: ein erkennbarer Impuls für eine bessere Welt, und sei er noch so fantastisch oder skurril. Dass die Welt solche Impulse nötig hat, zeigt die Tatsache, dass diesmal kein Film aus dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan und Marokko dabei war. Dort haben Zensoren das Festival entdeckt, die ihre Welt als optimal ansehen und wer in Filmen etwas anderes behauptet, wird gesperrt.

Ist die Zensur künftig
eine Gefahr für die
Vielfalt des Festivals?

Nicht unbedingt, Zensoren können ja auch einmal blind sein. Und die Filmemacher in den von Zensur geplagten Ländern wissen, wie man Botschaften geschickt versteckt. Für mich ist schon lange klar: die Intelligenz, die Kreativität und die Beharrlichkeit sind eindeutig auf der Seite meiner Freunde der Filmemacher zu Hause.

Gibt es diesmal
dafür ein Beispiel?

Als ersten Film zeigen wir den Kurzfilm des jungen Filmemachers Zirui Wang aus China, der Titel: Die Entwicklung der Utopie. Gezeigt wird, wie der einzige gute Lehrer einer Mittelschule vom Kollegium gemobbt wird und die Schüler für ihn einen Streik anzetteln wollen. Als es ernst wird, springen alle in der Klasse ab, bis auf einen. Seine Single-Demo à la Greta vor der Schule bringt ihn ins Gefängnis, was die Mitschüler dann doch zu echtem Widerstand bewegt. Ein mutiger Film und dabei unterhaltsam. Wie gesagt, Zensoren können auch mal blind sein.

Sicher gibt es außer der Zensur auch noch Positives aus der Welt der
Filme und Festivals zu
berichten?

Das gibt es zum Glück, und es betrifft sogar direkt unser Festival. Nicht nur die Zensoren haben uns entdeckt, sondern auch viele für die Kultur Verantwortliche.

Wir haben Anfragen für die Übernahme des Festivals aktuell aus Brasilien, Thailand, Japan, Laos und Vietnam. Im kommenden Jahr gibt es uns also mehrfach parallel, dafür müssen wir nur die Festplatte mit dem gesamten Ablauf und allen Filmen und Trailern an unsere künftigen Partner weiterreichen.

Wie kommen die Filme zu Ihnen und zur Jury?

Das ist heute technisch problemlos möglich über die internationale Plattform Filmfreeway. Bei den dort registrierten Festivals kann jeder Regisseur seinen Film einstellen, wir wählen dort nach Ablauf der Frist aus und laden unsere Favoriten zur Teilnahme ein. Unsere Gebühr dafür ist mit 25 Euro äußerst freundlich, zu den Abzockern, die es unter den Festivals leider auch gibt, zählen wir uns nicht. Und wenn Filmemacher finanziell klamm sind, das soll ja vorkommen, dann erlassen wir die Gebühr auch schon mal.

Klingt nach einem
kleinen Beitrag für
eine bessere Welt.

Jetzt wo Sie es sagen – aber ganz im Ernst: Den wirklich wichtigen Beitrag leisten natürlich unsere Regisseure! Sie nehmen in ihren Filmen das Thema richtig ernst, was sie bieten, entsteht aus Leidenschaft und Liebe zur Wahrheit, das werden die Zuschauer merken. Was nicht heißt, dass bei unserer Auswahl die Unterhaltung zu kurz gekommen ist!

Wieder ist München der Festivalort, warum?

Vor allem wegen des Kinopublikums, das es nur dort gibt. Aber genauso wegen des einmaligen Kinos von Matthias Stolz! Auch wenn München eine Kinostadt ist, diese Museum Lichtspiele sind immer noch der Ort, wo unser Motto am leichtesten Wirklichkeit wird: Unsere Zuschauer verlassen das Kino als glücklichere Menschen! Klaus Bovers

Kino-Sonntag

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