Rosenheim – Der Künstler, Typograf und Weltbürger Josua Reichert, dem die gerade zu Ende gegangene Ausstellung in der städtischen Galerie gewidmet war, befasste sich in seinem reichhaltigen Schaffen mit Weltliteratur aus allen Kulturkreisen. Einen besonderen Rang in seinem Werk nahm der Islam ein, insbesondere der Sufismus, der sich in der Poesie von Hafis und Rumi ausdrückt. Reichert gestaltete Lyrikbände wie „Ich sprach zur Nacht“, erschienen im Verlag Eremitenpresse.
Auf die Lyrik Rumis stieß der Mediziner und hiesige Musiker Dr. Hans Eberle bei einem Aufenthalt in Manhattan und war fasziniert. Anlässlich der Ausstellung in der Galerie inszenierte er vor Ort mit seiner Band „Roverandom“, einem Gesangsensemble und Sprecher eine experimentelle Klanginstallation. Im Hintergrund gab es jedoch nicht die Hochhäuser und Straßenschluchten Manhattans zu sehen, sondern ein Video mit einem Überflug über eine grüne Landschaft – vermutlich Irland – mit einem mäandernden Flusslauf und vielen Schafen. Der Garten Eden ? Das Paradies ? Jedenfalls wirkten die Bilder archaisch und beruhigend zu den Klängen des kleinen Orchesters, die in sieben Einheiten in je sieben Minuten präsentiert wurden. Ergänzend spielte Eberle „Sounds“ ein, die vorher in einem Studio erzeugt wurden. Rein instrumental geriet der Auftakt, die Streicherinnen erzeugten einen folkigen Anflug von Irland, zu Passage zwei setzte das Gesangsensemble ein mit einem hektischen „Stimmengewirr“ und folgendem Bemühen um Ruhe und Harmonie. Mit Klangschalen und Kuhglocken, tanzbarer Rhythmik und dem nun harmonischen Chor ging es weiter, um mit knalliger Percussion folkloristisch im Stile des mit Roverandom verbandelten „Mittelmeer-Orchestras“ voranzutreiben.
Sehr eindringlich gerieten die vom Chor eingeleiteten Lyrik-Passagen, zunächst originalsprachlich und dann in deutscher Übersetzung vorgetragen. Aus den Zeilen Rumis – bekannt auch durch Goethes „west-östlichen Diwan“ – wurde eine weltumspannende Poesie deutlich, die auch Josua Reichert inspiriert hat. Die Klanginstallation lud dazu ein, Musik einmal anders als in Form von Stücken oder Songs zu erleben.Andreas Friedrich