Gesammelte Augenblicke

von Redaktion

Arbeiten von Quint Buchholz in der Galerie Villa Maria in Bad Aibling zu sehen

Bad Aibling – Betrachtet man die Werke von Quint Buchholz, die derzeit zum sechsten Mal innerhalb von 30 Jahren in der Villa Maria zu sehen sind, kommt dem Besucher ein Wort in den Sinn, das wieder neu im Sprachgebrauch aufgetaucht ist: „achtsam“. Ursprünglich bedeutete es so viel wie vorsichtig, umsichtig mit anderen und sich selbst umzugehen. Auch, sich Zeit und Freiheit zu nehmen, liegt in seinem Bedeutungsfeld. Seit Neuestem aber hat sich der Sprachgebrauch erweitert: Auch „die Gegenwart als Geschenk und Möglichkeit ansehen“, kann dieses schlichte Wort bedeuten. Und hier erfolgt die Berührung mit Buchholz‘ Arbeiten. Menschen oder Tiere auf seinen Acrylbildern und feinen Druckeditionen tun genau dies: die Gegenwart als Geschenk ansehen und als Möglichkeit, etwas Ungewöhnliches zu schaffen. Und sie tun ihr Ding mit Gelassenheit und Konzentration. So fliegt mitten in einem Schwarm von Krähen eine schwarze Gestalt in Mantel und Hut mit ausgestreckten Armen und Beinen, einer Krähe gleich, nur viel größer. Man kann ihr Gesicht nicht erkennen, aber die Haltung verrät genau das: die Gegenwart als Geschenk zu nehmen, um etwas Ungewöhnliches zu tun. Genauso die „Mondlichtfischer“, die nachts das auf dem Wasser reflektierende Mondlicht mit ihren ausgeworfenen Netzen einzufangen versuchen. Die Helligkeit hängt bereits in den Maschen des Netzes fest. In der „Nachtmusik“ steht aufrecht eine große Gestalt mit Mantel und Hut und spielt alleine auf ihrer Geige. Nur die Mondsichel an ihrem Mantel leistet ihr Gesellschaft. Dann gibt es da noch das Bild mit dem riesigen Hemd an einer Wand, und in dem Hemd befindet sich ein Fenster. Durch das Fenster sieht man ins Innere einer Wohnung, am unteren Bildrand sitzt, wie so oft auf Buchholz‘ Bildern, ein Vogel. Überhaupt sind in vielen seiner Werke Tiere zu entdecken: Katze, Tauben und Tiger, Krähen, Gans und Krähe, oft in nachdenklicher Pose. Sie alle sind wiederkehrende Motive, und man kann – je nach persönlicher Einstellung – die Bilder von Buchholz mit ernsten Überlegungen begleiten. Aber meistens regen sie zum Schmunzeln an. Der Besucher staunt und rätselt, nimmt den Dialog mit den Bildern auf. Auch zum sechsten Mal ist die Ausstellung gut besucht, denn die Werke – in gedämpften Farben und mit feinem Strich gezeichnet – üben eine magische Wirkung aus. Buchholz studierte Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität sowie Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Um die 50 Bücher hat er illustriert, zu einigen seiner Illustrationen auch eine eigene Geschichte verfasst, so wie das Buch „Der Sammler der Augenblicke“. Ute Bößwetter

Bis 15. Dezember

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