Hyperrealistische Stadtlandschaften

von Redaktion

Interview Der Maler Gerhard Prokop ist neuer Kulturpreisträger der Stadt Rosenheim

Rosenheim – Der Maler Gerhard Prokop ist mit dem Kulturpreis der Stadt Rosenheim ausgezeichnet worden. Gerhard Prokop, Jahrgang 1951, stammt aus einer Rosenheimer Künstlerfamilie. Sein Vater Karl Prokop war Maler und Grafiker, sein Bruder Walther ist Komponist.

Der Kulturpreisträger arbeitete nach dem Gymnasium zunächst als Fotograf in einer Werbeagentur, ab den 1970er-Jahren experimentierte er stilistisch und kam über das Thema Stillleben zum Fotorealismus. Seit 2006 gestaltete Prokop „hyperrealistische“ Stadtlandschaften. Auf der Basis von Fotos und Skizzen versucht er, die Motive anders darzustellen als gewohnt, damit man das Motiv mit anderen Augen sehen kann. Es sind Ansichten ohne Menschen, Temporäres wie Autos oder Passanten lässt Prokop dabei weg, Blickwinkel und Perspektiven können durch mathematische Berechnungen ungewöhnlich ausfallen.

Werter Herr Prokop, Sie sind der aktuelle Kulturpreisträger der Stadt Rosenheim. Was bedeutet die Ehrung für Sie und Ihre Biografie als Kunstschaffender?

Als jungem Maler wurde mir 1976 ja bereits der Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim verliehen. Und jetzt diesen renommierten Kulturpreis meiner Heimatstadt überreicht zu bekommen, ist eine Ehre und Würdigung meiner Arbeit, die mich natürlich riesig freut. Einen unmittelbaren Einfluss auf mein weiteres Schaffen wird dieser Preis aber sicherlich nicht haben. Ob sich dadurch weitere Türen öffnen, darüber mache ich mir keine Gedanken. Als Realist ist der Blick in die Kristallkugel nicht mein Ding.

Sie sind als Maler „Hyperrealist“. Könnten Sie dies kurz beschreiben?

Der Hyperrealismus ist eine weitere Entwicklung des Fotorealismus und wird oft als Übersteigerung der Wirklichkeit oder überschärfte Realität bezeichnet. Durch die Kombination mehrerer Fotos, digitale Bildbearbeitung und Gestaltung werden meine gemalten Stadtlandschaften intensiver und auch authentischer als jedes beliebige Foto vom Motiv.

Welche Motive bevorzugen Sie und wo finden Sie diese?

Dafür habe ich leider kein Patentrezept. Gängige Postkartenmotive kommen jedenfalls für mich nicht in Frage. Bei meinen Stadtlandschaften, an denen ich seit 2006 arbeite, bin ich immer auf der Suche nach Ausnahmesituationen im Alltäglichen. Zum Beispiel durch Kontrast von Elementen, die nichts miteinander zu tun haben. Durch ungewöhnliche Blickwinkel und Perspektiven versuche ich, selbst bekannte Motive anders darzustellen als gewohnt, damit man sie mit neuen Augen sehen kann. Alle temporären Zufälligkeiten, wie Passanten oder Autos lasse ich weg. Meine Bilder zeigen nicht den flüchtigen Augenblick, sondern stehen für einen viel größeren Zeitraum. Solche Motive sind nicht beliebig leicht zu finden, deshalb verreise ich immer wieder mal.

Manche meiner Gemälde haben durch Abriss außerdem schon historischen Charakter, wie beispielsweise das Capitol-Kino oder der Kleppersteg in Rosenheim. Meine Bildserie zum abrissgefährdeten Gelände des Betriebswagenwerks auf der Südseite des Rosenheimer Bahnhofs ist ein dringender visueller Appell zum Erhalt dieser Industriedenkmäler und einer sinnvollen Neunutzung.

Zuletzt waren Sie in Palermo. Haben Sie sich auch von dort Arbeit mitgebracht?

Im Juni war ich elf Tage in Palermo zum Fotografieren. Das war kein Urlaub, sondern richtig viel Arbeit. Die Vitalität und das kulturelle Erbe dieser Stadt hat mich schier überwältigt. Ich war weite Strecken zu Fuß unterwegs, um auch in kleinen Gassen kein Motiv zu übersehen. Mitgebracht habe ich weit über 1000 Fotos. Nach strenger Auswahl und Montage werden es ein Dutzend Gemälde. Fünf davon sind bereits fertig.

Sie sind auch im Team des Kunstvereins aktiv. Welche Tätigkeit kommt auf Sie zu?

Derzeit bin ich Jurymitglied im Kunstverein Rosenheim. Das ist eine schwierige und verantwortungsvolle Arbeit. Vor Kurzem haben wir die Mitgliederausstellung juriert. Die Jahresausstellung „Kunst Aktuell“ in der Städtischen Galerie Rosenheim hat aber noch höhere Ansprüche. Das ist immerhin die bedeutendste jährliche Kunstschau aktueller Positionen zwischen München und Salzburg.

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