Bewegende Klage des Friedens

von Redaktion

„La Banda Vecchia“ spielt eindrucksvolles Konzert zum Jahresausklang in Sachrang

Sachrang – „La Banda Vecchia“, im Herzen jung gebliebene, erfahrene, renommierte Musiker, präsentierte sich erstmalig in der Sachranger Pfarrkirche. Musikmachen sei eine Leidenschaft, die nicht mit dem Erreichen des Pensionsalters ende, hatte Oboist Professor Hansjörg Schellenberger, Dirigent unter anderem beim Okayama Philharmonic Orchestra und später bei den Berliner Symphonikern, vorab verkündet. Ein Versprechen, das „La Banda Vecchia“ mit musikalischem Feingefühl, großartigem dynamischem Ausdruck, frischen Tempi und herrlich ausgeführten Verzierungen beim Konzert zum Jahresausklang hielt.

Auch die Tradition, ein sinniger Wechsel von Musik und ausgewählten Texten, wurde beibehalten: Heuer mit „Querela Pacis“ (Die Klage des Friedens), einer Schrift von Erasmus von Rotterdam. Da nahm es nicht Wunder, dass die kleine barocke Kirche bis hinauf zur Orgelempore voll besetzt war. Das Bläserquintett – neben Schellenberger waren das Andras Adorjan, ehemaliger Solo-Flötist im BR-Symphonieorchester, Norbert Täubl, ehemaliger Solo-Klarinettist der Wiener Philharmoniker, Stefan de Leval Jezierski, ehemaliger hoher Hornist der Berliner Philharmoniker, und Tonia Solle, die kurzfristig einsprang – glänzte mit Werken von Franz Danzi, Antonin Reicha, Wolfgang Amadeus Mozart und Claude Debussy.

Das viersätzige Quintett in g-Moll op 56/2 von Danzi erinnerte an Mozart und prunkte doch mit virtuosen Seitensätzen voller kontrapunktischer Feinheiten, raffinierten Akzentverschiebungen und sehr flott gespieltem Finale. Das Adagio und Andante pour le cor anglais von Reicha setzte mit dem Englischhorn und seinem warmen, weichen und etwas dunklen Klang den frühromantischen Miniaturen quasi das Tüpfelchen aufs i. Dazu gab es noch zwei Werke aus der Feder Mozarts in klassischer Quintettbesetzung. Das liebliche Andante für kleine Orgel, KV 616 (Instrumentation von Schellenberger), geriet zu einer porzellanhaften Miniatur von Papageno und der Zauberflöte. Und das Adagio und Allegro für eine Orgelwalze, KV 594, war expressive Plastizität in perfektem Miteinander.

Höhepunkt des Konzerts war Debussys „Petite Suite für Quintett“. Gut artikuliert, rhythmisch präzise, kraftvoll und farbenreich. Bei „En bateau (im Boot)“ vermeinte man, Wellenschlag zu hören. Galante höfische Vergangenheit zeigte sich mit marschähnlichen „Cortège“ (Gefolge) und „Menuett“, und walzerartig wiegte sich das Ensemble beim „Ballet“. Sogkraft in musikantisch plastischer Vollendung.

Sprecher Peter Weiß rezitierte aus der „Klage des Friedens“ von 1517, der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller und aus „Deutschland – ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine. Eindrücklich, wie er das Ideal einer Gesellschaft gleichberechtigter Menschen beschwor und das Satirische bei Heine nicht ausließ: „Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser; ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“

Umso deutlicher dann der Appell zum Frieden. „Es ist jetzt schon so weit gekommen, dass man den Krieg allgemein für eine annehmbare Sache hält (…) Der Krieg wird aus dem Krieg erzeugt, aus einem Scheinkrieg entsteht ein offener, aus einem winzigen der gewaltigste (…) und es wird vollends klar werden, ein wie großer Wahnsinn es sei, mit so viel Tumult, so viel Strapazen, so einem großen Kostenaufwand, unter höchster Gefahr und so vielen Verlusten Krieg zu veranstalten, obwohl um ein viel Geringeres die Eintracht erkauft werden könnte.“ Von Rotterdams Schrift ist aufrüttelnd, unbequem, zeitlos. Umso tröstlicher wirkte da die Musik. Chapeau und begeisterter Applaus.

Artikel 8 von 8