Au/Gars – Ein Neujahrskonzert war angekündigt, ein Fest für die Sinne wurde es: ein Ohren- und Augenschmaus in der barocken Klosterkirche von Au am Inn und, wenn man so will, ein Gesamtkunstwerk. Es vereinte die barocke Architektur-Vision vom vorweggenommenen himmlischen Paradies und Paradestücke der Barockmusik, perfekt dargeboten in einem fast bis auf den letzten Platz besetzten nachhallfreien Kirchenraum. Hinzu kam noch, dass das kundige Publikum den Solisten auf der Empore per Video in Echtzeit auf großer Leinwand quasi „über die Schulter“ schauen konnte.
Im Rahmen einer losen Folge von Konzerten des Förderkreises der Auer Mathis-Orgel hatte Martin Kebinger ausgewiesene Experten der Trompete und der Orgel gewonnen: Guido Segers, Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und Professor an der Musikhochschule Leipzig, sowie Johannes Berger, Organist und Kustos der Kufsteiner Heldenorgel sowie Leiter und Cembalist des Barockorchesters Concerto in München. Sie warteten auf mit einer ausgewogenen Auswahl an vorwiegend barocken, aber auch modernen Werken. In Bachs Präludium und Fuge in a-Moll, seinem Konzert in D-Dur nach Vivaldi und in seiner Hirtenmusik aus dem Weihnachtsoratorium kamen die wunderbaren Klangqualitäten der Mathis-Orgel besonders zur Geltung, in Stücken wie dem bekannten Prelude au dem „Te Deum“ von Charpentier, dem „Gloria in Excelsis Deo“ von Händel brillierten auch die Blechblasinstrumente: Piccolo-, C- und Es-Trompete sowie das Flügelhorn, die Segers in teils warmen, teils kristallklaren Klängen bespielte. Auch in den modernen Stücken für Trompete und Orgel – Delerues Cantate und Pasinis Cantabile – überzeugten die beiden Solisten durch feinfühlige Abstimmung der Instrumente, sodass Letztere ihre jeweilige Eigenart überzeugend ausspielen konnten.
Das Publikum zeigte sich angetan von dem gelungenen Mix aus klassisch-barocker Festlichkeit sowie sehr harmonisch-liedhaften Melodien aus der neueren Zeit. Einen Höhepunkt bildete der moderne Klassiker, die Toccata von Charles-Maria Widor, an der Berger einmal mehr die Klangfülle der Mathis-Orgel demonstrieren konnte.
Am Ende dieses, das Publikum in Hochstimmung versetzenden Konzerts war es dann auch keineswegs verwunderlich, dass die beiden Solisten gleich zwei Zugaben gewährten: John Stanleys barockes Allegro moderato und das spätromantische Andante von Oskar Frederik Lindberg.Bruno Münch