Bad Aibling – Ein reichhaltiges künstlerisches Schaffen kennzeichnet das Leben des in Ellmosen bei Bad Aibling und auf der kroatischen Insel Losinj lebenden Malers Peter Tomschiczek, der am heutigen 16. Januar seinen 85. Geburtstag feiert.
Vielfacher
Preisträger
Tomschiczek erhielt viele internationale, nationale und regionale Auszeichnungen wie den Förderpreis des Kunstpreises der Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer (1978), den Seerosenpreis der Stadt München (1986) und die Kulturpreise von Bad Aibling und Rosenheim (2000). Im Jahr 2002 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Er stellte auf der Art Basel aus, auf der Art Cologne, in London und Kairo und im Münchner Haus der Kunst sowie in Rosenheim und Umgebung, zuletzt in der Villa Maria in Bad Aibling im Frühling 2024. „Großformatige Energie“ hatte Ute Bößwetter ihre Ausstellungsbesprechung überschrieben.
Tomschiczek absolvierte zunächst in Stuttgart eine Ausbildung zum Siebdrucker, besuchte dann in Würzburg die Kunst- und Handwerkerschule und studierte von 1958 bis 1963 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Fritz Griebel und Johannes Itten. Mit 35 Jahren konnte er von seiner Malerei leben. Seit über 60 Jahren arbeitet Tomschiczek freischaffend, unter anderem als Gastdozent für Kurse in Bad Reichenhall und in Kolbermoor.
Über die Arbeitsweise Peter Tomschiczeks konnten sich interessierte Gäste beim Kunstverein Rosenheim informieren, wo sein Sohn Boris seinen Dokumentarfilm „Das unbewachte Atelier“ aus dem Jahr 2009 zeigte. In der Doku offenbart der Maler auf der Insel Losinj seine Sicht auf das Leben und die Malerei. Die intensive und archaische Wahrnehmung von Natur spielt darin eine zentrale Rolle, unter anderem reiste Tomschiczek nach Westafrika auf der Suche nach interessanten Motiven, Farben und Formen. Der Maler streift über die karge Insel, findet in der Natur Objekte der Inspiration wie Hinterlassenschaften von Tieren und integriert sie manchmal in seine oft großformatigen Bilder. „Malerei ist meine Art, das Leben zu verstehen. Das mache ich nur für mich“, erklärt er.
Erde, Sand und Federn sind Bestandteile seiner Malerei, wichtig ist für ihn die Oberflächenstruktur seiner Bilder. Er malt in Mischtechnik auf Leinwand, Kleinformatiges auch auf Papier und erzielt Licht- und Schatteneffekte in seinen bevorzugt in Erd- und Naturfarben gehaltenen Werken.
Daneben hat Tomschiczek auch viele Grafiken geschaffen: Lithografien, Radierungen und Zeichnungen, er illustrierte auch Kinderbücher. „Mir ging es immer darum, Qualität zu machen, im Bild selber“, sagt er über sich selbst. Er ist selten mit sich zufrieden, versucht sich ständig weiterzuentwickeln, auch durch die Auseinandersetzung mit großen Malern wie Van Gogh oder Cezanne und konstatiert: „Malerei ist eine schwere Arbeit.“ Das Bild selber mache die Arbeit und entwickle sich. So könne er beispielsweise mit einem kroatischen Motiv beginnen, welches im Laufe des gedanklichen Prozesses und durch Übermalen nach und nach „afrikanisch“ werde.
Mit dem 2003 verstorbenen Lyriker Rainer Malkowski verband ihn eine inspirierende Freundschaft: „Tomschiczeks Abstraktion bedeutet keine Loslösung von der Natur. Sie ist Verwandlung und Verdichtung“, schrieb der Dichter einmal über den Künstler.
„Ungewöhnliche Strahlungsintensität“
In Malkowskis Text „Dank an einen Maler“ heißt es weiter: „Ich empfinde seine Bilder als Energieträger von ungewöhnlicher Strahlungsintensität. Es scheint, als sei die Körperdynamik des Künstlers, der beim Malen ständig in Bewegung ist, ganz in sie eingegangen. Diese Eigentümlichkeit erfährt man vor allem, wenn man mit den Bildern lebt. Sie geben Kraft, ohne dass ihre Aufladung mit Energie sich verringert. Erklären lässt sich das nicht. Aber gerade dies, die Wahrnehmung eines Geheimnisses, das in einem Bild steckt, heißt vielleicht, es verstehen.“ Tomschiczeks Arbeiten sind in wichtigen staatlichen Sammlungen vertreten. Seine Werke hängen in der Bayerischen Staatskanzlei, im Landtag und in zahlreichen Wirtschaftsunternehmen.