„Luminosa“ erhellt die Dunkelheit

von Redaktion

Frauenensemble beglückt das Publikum in der Rosenheimer Pfarrkirche St. Nikolaus

Rosenheim – Niemand wusste, was einen erwartet in der nur von Kerzen erhellten Kirche St. Nikolaus beim Auftritt des rein weiblichen Gesangsensembles mit dem Namen „Luminosa“. Und niemand ahnte, dass es ein so zauberhaftes Konzert werden würde, dass dem Rezensenten die Superlative auszugehen drohte.

Höchstes
Gesangsglück

Überaus klare Stimmen ohne jede Trübung, lockerer Stimmansatz, fast wie beim Ski-Slalom: kurzer Druck und dann losgelassen, wohlkalkulierter und technisch perfekter Kopfstimmenklang, flaumenleichte zarte und klingende Pianissimi, glasklare und transparente Akkorde mit streng gegenhaltenden dissonanten Tönen in den Septakkorden, feinstes langgezogenes Legato, federnder Swing in den amerikanisch-englischen Songs, reinste Intonation auch in den Unisono-Stellen – und dann noch ein bescheiden sympathisches Auftreten, das sofort die Stimmung in der Kirche verzauberte: rund 60 Minuten höchstes Gesangsglück, wie es der Rezensent noch nie erlebt hat.

Eigentlich sind es sechs junge Sängerinnen aus Deutschland, Frankreich und Italien, hier waren es krankheitshalber nur fünf. Das Ensemble besteht seit 2023 und hat schon mehrere Preise eingeheimst, ist aber immer noch ein Geheimtipp. Umso dankbarer darf man Christopher Ryser, dem Kirchenmusiker von St. Nikolaus, sein, dass er diese fabelhaften Sängerinnen für seine „Abendmusik“-Reihe engagiert hatte.

„A merry little Christmas“ hieß das Programm am Sonntag nach Dreikönig, dem offiziellen Ende der Weihnachtszeit. Einen „Weihnachtszeit-Ausklang“ wollte „Luminosa“ bieten, sagte eine der Sängerinnen anfangs. Die Weihnachtszeit nicht aus, sondern weiterklingen lassen forderte die Gemeindereferentin Hannelore Maurer in ihren impulsgebenden Worten.

Das Programm war eine schöne Mischung aus klassischer alter und neuer Chormusik, traditionellen Weihnachtsliedern und Christmas-Songs. Nach jedem Stück wartete man gespannt auf neues Gesangsglück, der Zwischenapplaus nach den Programmblöcken kam spontan.

„O du stille Zeit“ mit der Melodie von Cesar Bresgen und dem Satz von Simon Wawer eröffnete den Gesangs-Reigen, „Es werd scho glei dumpa“ erklang so tonschön wie klangrein, so schlicht wie kunstvoll, genauso wie „Es ist ein Ros entsprungen“. Die darauffolgende „Stille Nacht“ war einfach tränenblind schön. „Hebe deine Augen auf“ aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy hört man im Konzertsaal nie so schön wie hier.

Swingende Leichtigkeit und großartige Barbershop-Kunst und die Kunst, aus in sich verschiedenen Stimmen eine Einheit zu formen, die mehr ist als die bloße Summe der Stimmen, zeigten die Sängerinnen in den englischen Songs: im Konzert-Titelsong wie in dem traditionellen englischen Weihnachtslied „Here we come a Caroling“:

Besonders beglückend waren die modernen Chorstücke: Bei „O Sapientia“ von Tadeja Vulc gingen die Sängerinnen zuerst hinter den Altar und ließen aus Hauchen und Händereiben strahlende Klänge erwachsen, die sich ausbreiteten, weil die Sängerinnen im Vorwärtsschreiten auseinanderstrebten, später kam noch rhythmisches Füßestampfen dazu und alles endete wieder im Hauche: großartig!

Reine Töne im
gotischen Gewölbe

In „Ave verum“ von Francis Poulenc stiegen die reinen Töne hoch hinauf ins gotische Gewölbe und klangen lange in höchster Reinheit nach. Feinste Ton-Schwingungen, die auch die Seelen der Zuhörer in Schwingungen versetzte, prägten „Dormi Jesu“ von Ivo Antognini. Jauchzend und ekstatisch jubelnd kam das „Hosanna“ von Knut Nystedt, Die extrem hallige Akustik der Nikolauskirche bettete die Töne wie auf Daunen.

Der langanhaltende Applaus im Stehen der zahlreichen Zuhörer forderte zwei gern gegebene Zugaben: einen ariosen Jodler und die einfach herzwärmend-innigen Wiederholung von „Zünd a Liacht für di an“ von Lorenz Maierhofer. „Luminosa“ erhellte an diesem besonderen Abend die winterliche Dunkelheit – bitte wieder und wieder wiederkommen!

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