Wohliges zwischenmenschliches Feuer entfacht

von Redaktion

Das Schnaitseer Trio „Anheizholz“ begeistert mit Bairisch-Folk im Hilgerhof

Pittenhart – Statt eisigem Wind flackerte beim Kulturverein Hilgerhof ein behagliches zwischenmenschliches Feuerchen. Das wurde von einem Trio aus Schnaitsee angefacht: „Anheizholz“ macht Bairisch-Folk in Eigenkompositionen – eine Melange aus Folk, Pop und klassischer Musik. Aus den bayerischen Wurzeln, die aus allen Stücken herauszuhören sind, sprießen die musikalischen Einflüsse Irlands, Schottlands und Norwegens – eine spannende Melange, die in nicht alltäglicher Instrumentierung zündet: Thomas Beer an der Gitarre, Charlotte Lang am Cello und Christine Beer an den unterschiedlichsten Flöten, Perkussion und Tastenglockenspiel haben ihren ganz eigenen Ton gefunden.

Der Bandname passt hervorragend zu dem, was man hört und fühlt: In ausgedehnten, spannenden Intros, werden instrumental Themen angestimmt. Sie sind sozusagen das Zündholz für den Gesang. Texte und Kompositionen stammen aus der Feder von Thomas Beer – seine gut ausgebildete Stimme und sein virtuoses Gitarrenspiel trägt durch die Stücke. Flöten-, Tastenglockenspiel, Cello sowie die angenehm zurückhaltende mehrstimmige Begleitung der beiden Musikerinnen liefern den Schmelz. Die bairischen Texte untermauern mit starken Refrains das eigentlich Gemeinte: „Hätt‘ i“ erzählt mit wenigen Worten und viel musikgemachter Emotion vom Umstand, den wohl jeder kennt: Von rückwärts gerichteten Zweifeln, die das bereits Geschehene durch etwaiges anderes Handeln hätte anders beeinflussen können. Der Knoten geht in kraftvoller Melodik auf, die am Ende den Zuhörer befreit im Rhythmus der Wiederholungen mitschwingen lässt.

In ähnlichem Stil kommt auch das Stück „Wanderer“ mehr als gut an: Die variationsreichen Eindrücke der erwanderten Natur sind in wunderschönen Flöten- und Gitarren- und Cellospielen nachempfunden und laden ein, im selben Rhythmus mitzuwandern. Nur wer ausgeht, kann heimkehren und zuvor die Sehnsucht nach Gewohntem und gewohnten Menschen spüren – auch diese zutiefst menschlichen Gefühle transportiert „Anheizholz“ in einigen Stücken: „Wias Wasser“.

Zwischen die musikalischen Beiträge streut Christine Beer humorvolle Überleitungen. Launige Anmerkungen gab es unter anderem zu einem Lied für die viel geliebte Großmutter oder die Sage der versunkenen Stadt am Grunde des Chiemsees, deren Kirchturmglocke, wenn man aufmerksam lauscht, so heißt es, noch heute zu hören ist.

Der harmonische Zusammenklang der drei Stimmen und das virtuose Instrumentalspiel des Trios gaukeln die Utopie einer harmonischen Welt vor, der man sich gerne hingibt. Diese wird auch im Stück „Mitanand versöhnt“ beschrieben: „Alle Probleme der Menschheit sind gelöst“, heißt es da und sogar der innere Schweinehund erfährt in „I mog ned“ wohlwollende Empathie.

Wer vor dem Konzert schlechte Laune hatte, war am Ende auf Sonnenschein im tiefsten Winter umgepolt. Ein „Abschiedslied“ musste schon sein. Eines der Art, die man nicht so schnell vergisst, traurig und trotzdem hoffnungsvoll anmutend: „Loss jetzt los“. Mit dem „Star of Rosenheim“ entließ das Trio sein Publikum in die jetzt gefühlt nicht mehr ganz so kalte Winternacht.Kirsten Benekam

Artikel 3 von 8