Bad Aibling – Gleich nachdem das Berlin Piano Trio den kleinen Kursaal betreten hatte, ging Geiger Krzysztof Polonek noch einmal zurück zur offenen Tür, die er beherzt schloss, da sonst die kalte bayerische Winterluft hineinströmen würde.
Musikalischer
Frühlingshauch
Einen fröhlichen Frühlingshauch mitten im Winter dufte das Publikum dann mit dem Klaviertrio in C-Dur von Joseph Haydn erleben. Zum Auftakt der Reihe „Klassik!“ Bad Aibling spielte das Berlin Piano Trio, dem auch die Cellistin Katarzyna Polonek und Pianist Nikolaus Resa angehören, neben Haydn Maurice Ravels a-Moll Klaviertrio und nach der Pause das erste Klaviertrio op. 99 in B-Dur von Franz Schubert.
Das C-Dur Klaviertrio von Haydn stand am Beginn des Konzertes. Heiter und frisch erklang das figurenreiche, lebhafte Allegro, das alle Gedanken an eine trübe Winterstimmung vertrieb. Das Berlin Piano Trio interpretierte die melodische Gesanglichkeit des Satzes mit spürbarer Freude. Hell und zart sang die Geige im Andante mit seinem dramatischen a-Moll Mittelteil. Die rasanten Läufe von Violine und Klavier zündeten im abschließenden Presto ein funkensprühendes Feuerwerk.
Exotischen Zauber verströmte das a-Moll Klaviertrio von Maurice Ravel. Im ersten Satz Modéré nahmen träumerisch anmutende, zu schweben scheinende Passagen gefangen. Rhythmische Raffinesse kennzeichneten den zweiten Satz Pantoum, in dem das Berlin Piano Trio zugleich hohe technische Perfektion und ein feines Gespür für Nuancen demonstrierte.
In der Passacaglia begann das Klavier behutsam mit dunklen Akkorden, die das Cello ernst und getragen übernahm. Mal gläsern flirrend, dann mit wuchtiger Dramatik ertönte das Finale, dessen zwei Themen zunächst vom Klavier vielfältig verarbeitet und schließlich von allen Instrumenten gemeinsam dargeboten wurden.
Wunderbare Lyrismen und eine kantable Melodik besaß das Klaviertrio in B-Dur op. 99 von Franz Schubert. Das Werk hat zwar einen beträchtlichen Umfang, das Berlin Piano Trio spielte aber derart klangsinnlich und freudig bewegt, dass die Zeit wie im Nu verflog. Die triolendurchsetzte Melodie des ersten Satzes stimmten zunächst die beiden Streicher an, die dem Klavier gegenübergestellt sind. Den Satz prägten sanfte Pizzicati des Cellos, Triolen und Punktierungen.
Zwischen Leidenschaft
und Freundlichkeit
Leise wiegende Rhythmen und eine innige Melodik schufen im Andante un poco moso ein zwischen Freundlichkeit und Leidenschaft schwankendes Stimmungsbild. Heiter und verspielt erklang das folgende Scherzo mit dem rhythmischen Trio. An wienerische Tanzmelodien erinnerte das abschließende Rondo, dessen Farbigkeit und Ausdrucksvielfalt vom Berlin Piano Trio hinreißend zu Gehör gebracht wurde.
Als Zugabe nach dem anhaltenden Beifall des Publikums spielte das Berlin Piano Trio noch einen fetzigen jüdischen Tango von Boris Bernstein.