„Die Pinzgauer wollten wallfahrten geh …“

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Geistliche und weltliche Lieder zum Thema „Wallfahrt“

Ein wesentliches Merkmal der Volksfrömmigkeit im ganzen süddeutschen, katholisch geprägten Sprachraum sind die Wallfahrten. Und wie immer bei wichtigen kulturellen Erscheinungen gibt es auch hier mehrere Standpunkte der Betrachtung der Wallfahrt früher. Das eine sind die Gebete und Gesänge auf dem Weg und bei der Ankunft am Wallfahrtsziel.

Das andere sind die menschlichen Begebenheiten unterwegs, die das „Wallfahrten gehen“ für die Leute interessant machten: Das Verlassen der engen dörflichen Umgebung, der gemeinsame Weg, das Zusammenkommen mit anderen und die Anbahnung von Bekanntschaften, Freundschaften oder gar Heiraten. Und wie bei allen wichtigen Bräuchen gibt es über das Wallfahrten auch lustige oder persiflierende Texte und Lieder.

Eines dieser Lieder geht über die „Pinzgauer“, die das Privileg hatten, den Abschluss ihrer Wallfahrt mit Blasmusik im Salzburger Dom zu feiern. Das Lied ist um 1800 schon bekannt – und geht wohl auch auf die Vertreibung und den Auszug der evangelisch-gläubigen Menschen aus ihrer Heimat, dem zum katholischen Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Pinzgau zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurück.

In der Sammlung „Salzburger Volkslieder“ von Vinzenz Maria Süss (1860) ist es mit Melodie und 18 Strophen enthalten. Dort heißt es: „Von diesem alten Spaß-Liede finden sich weit verbreitet unzählige Varianten. Viele davon wurden sogar im Auslande mit beliebigen Zusätzen, die oft die größte Unkenntniß vom Lande beweisen, fabrizirt und gedruckt.“

Neu belebt wurde das Lied von der „Pinzgauer Wallfahrt“ zum einen durch Kurt Becher (1914 bis 1996) vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, der auf eine studentische Singform zurückgriff, wie wir sie auch in einer Liederhandschrift um 1830 aus Bergen bei Neuburg/Donau gefunden haben. Wastl Fanderl (1915 bis 1991) hingegen bediente sich der Melodie und einiger Strophen aus der Sammlung von Süß und machte das Lied in dieser Form in der oberbayerischen Volksliedpflege über Singstunden und seine Singwochen bekannt. Wir geben hier einige Strophen in Auswahl wieder:

2. De Pinzgara gengan um den Dom herum, …d’Fahnenstang is brocha, jetz gengans mitn Trumm, …Ung’schickt des sans ja, des woaßt ja von eh, …

7. Heilige Maria, jungfräuliche Zierd, …mach, daß koa Bua uns koa Dirndl verführt, …verliabte Katzn sans ja, des woaßt ja von eh, …

8. Heiliger St. Leonhard, der ‚s Viech alls kuriert, …mach, daß uns heua koa Rindl net krepiert! …D’Ochsn san teua, des woaßt ja von eh, …

9. Heiliger St. Florian, du Wassakübimo, …vaschon unsre Häusa, zünd andere o! …‘s Feua, des fürcht ma, des woaßt ja von eh …

10. De Pinzgara gengan aus dem Dom heraus, …sie laffn glei eini ins nachste Wirtshaus! …Da trinkans auf de Gsundheit, des woaßt ja von eh …

Zahlreich sind hingegen die Lieder, die den religiösen Bereich der Wallfahrt betreffen: Lieder zum Aufbruch, über Heilige, Bitten und Dank – bis hin zu einem guten Lebensende und die Aufnahme nach dem Tod in den Himmel.

Beim Singen hat früher das Konzept Vorsänger und Volk gegriffen: Wallfahrtssänger mit oft kräftiger Stimme haben die Strophentexte auf einfache Melodien vorausgesungen, das „Volk“, also die Wallfahrer, haben die Verse oder Zeilen wiederholt oder in den Refrain eingestimmt. Gemeinsames Singen war ein wesentliches Element der Wallfahrt.

Bei mehrtägigen Wallfahrten etwa zu den großen Marien-Wallfahrtsorten wie Altötting, aber teils auch Tuntenhausen und Birkenstein, gab es früher bestimmte Lieder zu bestimmten Gelegenheiten: Zum Aufbruch am Morgen, zum Vorbeigehen an bestimmten Orten, Kapellen oder Wegkreuzen, beim Einzug in die Kirche oder zum Abschied. Die Wallfahrer aus Pamhagen hinter dem Neusiedler See haben auf ihrer mehrtägigen Wallfahrt nach Mariazell ein Morgenlied angestimmt, das über die Sammlung Riedl und Karl Horak (1908 bis 1992) auch in Oberbayern bekannt wurde. Der Anfang der vielen Strophen ist prägnant und passt auch auf viele andere Gelegenheiten im Leben:

„Im Namen Jesu will ich aufstehen,im Namen Jesu fang ich an zu gehen.Gelobt sei Jesu Christ,der in mein‘ Herzen ist,gelobt sei Jesu in Ewigkeit.“

Das vielschichtige Thema „Wallfahrt – Wallfahrer – Wallfahrtslieder“ wird bei einem Abend mit viel praktischem Singen am 11. Februar um 19 Uhr in Bruckmühl beleuchtet.ernst schusser

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