Aschau – Robert Stuffer, Gründer und Kontrabassist des Kammerorchesters Sinfonia Aschau, hat es einmal wieder geschafft. Mit dem vom ihm ausgewählten, zumeist barockem Programm verzauberten das Ensemble, allen voran Sopranistin Roswitha Schmelzl und Annalisa Pappano an der Gambe, das zahlreich erschienene Publikum in der Pfarrkirche Darstellung des Herrn.
Passend zum Kirchenpatrozinium erklang als Ouvertüre der Choral „Mit Fried und Freud fahr ich dahin“ von Dietrich Buxtehude. Ein melancholischer Titel, fürwahr, der aber das Loblied des greisen Simeon, der Jesus im Tempel taufte, widerspiegelte und hier wunderbar getragen an der großen Orgel von Kirchenmusikerin Christine Klinger „gesungen“ wurde. Formschön dann die Partita Nr 6 in B-Dur aus der „Musikalischen Ergötzung“ mit Bernhard Lorenz und Rupert Schäffer (Violinen), Götz van der Bey (Violoncello) und Barbara Sommer am Orgelcontinuo (Barbara Sommer), auch wenn ein bisschen weniger Bravheit gut getan hätte.
Elegant agierten die vier Musiker als Begleitung der Sopranistin, die als Griselda mit der Arie „Per la gloria d‘ adoravi“ aus der gleichnamigen Oper von Giovanni Bononcini mit reinem, warmem Timbre aufhorchen ließ. Nicht minder berührend die Kantate „O Maria“ aus den „Sacri musicali affetti“ op. 5 von Barbara Strozzi, bei der Schmelzl und Rupert Schäffer (Tenor) mit einem am Wortausdruck orientierten intensiven Klang Maria huldigten.
Ausflüge in die Welt der Klassik – Ludwig van Beethovens Allegro Comodo, statt Holzbläser hier mit Geige (Bernhard Lorenz) und Cello (Götz van der Bey) sowie das allegro vivo in G-Dur von Ignaz Lachner mit den vier Geigern Bernhard Lorenz, Renate Birner, Magdalena Baumgart und Rupert Schäffer – sowie ein Ausflug in die Re-Renaissance mit zwei Sätzen aus der Capriol-Suite von Peter Warlock für Streicher (hier tanzte wahrlich das ganze Kammerorchester) nahmen dem Konzertprogramm die barocke Schwere.
Im zweiten Teil stand das heterogene Zusammenspiel der Musiker, begleitet von Christine Klinger an der kleinen Orgel, im Mittelpunkt. Bei der Ouvertüre mit Suite in D-Dur von Georg Philipp Telemann forderte Annalisa Pappano an der Gambe mit Kantabilität und Ausdrucksstärke intensive Zuwendung im kammermusikalischen Spiel von ihren Mitspielern ein. Wunderschön, wie elegant sich Gambe und Orchester bei der Sarabande ausnahmen, und großartig, wie sich bei der beschwingten Bourrée die Licht- und Schatteneffekte von Solo und Tutti herauskristallisierten. Beim „Dixit Dominos Domino meo“ aus dem Psalm 110 von Buxtehude zelebrierte Roswitha Schmelzl Bibelwort und geistliche Poesie mit entwaffnender Natürlichkeit und verlieh zusammen mit Gambe und Orchester dem Lied ein hohes Maß an Intimität.
Zum krönenden Abschluss gab es Verstärkung: Zwei Klarinetten traten hinzu. Der Finalsatz „Let the heav’ns rejoice“ aus den Chandos Anthem Nr 4 von Georg Friedrich Händel strahlte Freude und Jubel aus. Das Tempo hätte zwar noch knackiger sein dürfen. Andererseits: Wer statt Chorstimmen nur auf Sopran und Tenor und auf wohlfeines Tempo setzt, dem ist wohl weniger ein voller, berauschender Klang wichtig als die Aussage des Psalms. Bewusst die harmonische Vielfalt der Konzertierenden genießen – ein wahrlich festliches Konzert.