Kiefersfelden – Seit fast 30 Jahren ist das Clemente Trio – Peter Clemente (Violine), Konstantin Pfiz (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier) – erfolgreich in der Welt der Kammermusik unterwegs. Ihr nächstes Konzert mit Mozart, Brahms und Mendelssohn findet am kommenden Montag in Kiefersfelden im Saal der Dynafit Speed Factory statt. Im Interview erzählt Peter Clemente über die langjährige Zusammenarbeit des Trios und seine besondere Beziehung zur Region.
Das Clemente Trio besteht bereits seit 1996, mit Ihnen an der Violine, Paul Rivinius am Klavier und in den ersten acht Jahren mit Ihrem Zwillingsbruder Carl am Cello. Seitdem spielt Konstantin Pfiz am Cello. Was ist das Geheimnis, dass Ihr Klaviertrio seit nunmehr fast 30 Jahren besteht?
Musikalisch muss es natürlich stimmen, das ist ganz klar. Aber dass wir schon so lange zusammen spielen, liegt sicher daran, dass wir uns einfach hervorragend verstehen, sehr gut befreundet sind und uns freuen, uns zu treffen. Wir kennen uns ja schon aus der Zeit, im Europäischen Jugendorchester gespielt haben. Damals spielte der Paul Rivinius auch Horn und war als Solohornist dabei. Diesen Geist aus dieser besonderen Zeit haben wir noch immer in unserem Trio. Obwohl wir drei unterschiedliche Typen sind, haben wir meist eine leichtlebige Zeit, was nicht heißt, dass wir nicht auch sehr seriös und ernsthaft zusammen arbeiten und hohe Ansprüche an unser Spiel haben. Wir spielten Tourneen in Europa, Nordamerika, Thailand, Vietnam, Australien, Japan und hatten, ausgewählt von der European Concert Hall Organisation, Konzerte in der Kölner Philharmonie, der Alten Oper Frankfurt, dem Konserthus Stockholm, im Concertgebouw Amsterdam, im Musikverein Wien, der Concert Hall Athen und der Carnegie Hall in New York. Diese ganzen, auch teilweise sehr anstrengenden Konzerte, Reisen und Abenteuer über die vielen Jahre gemeinsam zu meistern, dafür muss man sich einfach mögen.
Einer der nächsten Auftritte ist in Kiefersfelden. Gibt es eine besondere Beziehung zu dieser Region im oberen Inntal?
Ja, nicht nur eine besondere Beziehung, sondern auch eine ganz große Liebe! Im Haus meiner Großeltern in Oberaudorf verbrachte ich seit meiner Kindheit so viel Zeit, habe da viele Freunde und durfte mit neun Jahren eine Messe von Mozart mitspielen, wofür mir der bekannte Oberaudorfer Kirchenmusiker Hans Berger extra die zweite Geigenstimme vereinfachte. Für mich war das damals ein großes Erlebnis, für das ich dem Hans sehr danke. Es folgten viele Messen in Oberaudorf und mit dem „Ensemble Hans Berger“ viele Konzerte und Aufnahmen. Ein Höhepunkt war vor paar Jahren, unter seiner Leitung, ein Konzert im Petersdom in Rom. Auch mit seinem Sohn, dem Johannes am Cembalo oder an der Orgel, konzertiere ich seit Jahren. Mit meiner anderen Leidenschaft, dem Flügelhorn, war ich öfter bei der Oberaudorfer Blasmusik dabei. Mei, mit Oberaudorf verbindet mich so viel. Auch die Leidenschaft fürs Berggehen wurde mir in Oberaudorf in die Wiege gelegt. Meine Mutter, ihre Brüder und meine Großeltern waren begeisterte Bergsteiger. Meine Großeltern Kubanek und mein Großonkel Otto Leixl machten Erstklettereien im Wilden Kaiser, wie die Westverschneidung am Predigtstuhl, den Otto-Leixl Kamin, oder die Kubanek/Spindler-Führe.
Wie schaffen Sie es, Ihr Publikum seit vielen Jahren mit klassischen Kompositionen zu begeistern?
Wir haben da keinen Plan. Bei aller Freundschaft und guten Zeit, haben wir einen großen musikalischen Anspruch an uns. Individuell und als Trio durften wir bei tollen Lehrern studieren, aber vor allem die Vorbereitung auf Wettbewerbe schweißte uns musikalisch zusammen. Diese Zeit war nicht immer leicht und harmonisch. Künstlerische Arbeit besteht ja weitestgehend aus Kritik. Man möchte den anderen aufmerksam machen, die eine oder andere Stelle doch anders zu spielen, oder technisch, das eine oder andere zu verbessern. Mei, dafür muss man sich einfach mögen, respektieren und Vertrauen haben.
Wie haben Sie das Programm zusammengestellt?
Die Kompositionen von Mozart, Brahms und Mendelssohn, die wir kommenden Montag in Kiefersfelden spielen, sind einfach zeitlos schön, gehen unter die Haut und machen was mit einem. Dabei hat jede seine eigene emotionale Sprache und da der Mensch seit jeher eigentlich gleich empfindet, ist diese Sprache aktuell. Wir drei empfinden ziemlich gleich und arbeiten daran, immer noch sensibler, die jeweilige Musik zu spüren und handwerklich ohne Abstriche rüberzubringen. Wenn das dann noch selbstvergessen gelingt, springt der Funke meist auch auf das Publikum über. Wir freuen uns sehr auf das Konzert!
Interview: Volkhard Steffenhagen