Der „Asymmetrie der Stille“ nachgespürt

von Redaktion

Fünf Künstler stellen zu einem Thema in der Galerie Markt Bruckmühl aus

Bruckmühl – „Die Asymmetrie der Stille“ lautet der Titel der neuen Ausstellung in der Galerie Markt Bruckmühl. Wir wissen, was „Asymmetrie“ ist, und auch „Stille“ vermögen wir zu definieren. Was aber ist die Asymmetrie der Stille? Hier werden zwei Begriffe aneinandergereiht, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen.

Fünf Künstler haben diese Vorgabe angenommen und versucht, sie künstlerisch umzusetzen. Es sind Tina Haase, langjährige Professorin an der Technischen Universität München, seit 2024 emeritiert, zusammen mit vier ihrer ehemaligen Assistenten: Elke Dreier, Florian Ecker, Ute Heim und Florian Lechner.

Alltagsgegenstände
als Ausgangsmaterial

Tina Haase benutzt Alltagsgegenstände, die bereits ein Leben hinter sich haben und denen sie mit Fantasie und Gestaltungsideen ein zweites einhaucht. Aus metallenen Blumenkörben baut Tina Haase eine freistehende Skulptur, die zwar leer und trist dasteht, aber sehr schnell die Vorstellung von üppig gefüllten Geranienkörben weckt. Vorstellungskraft ist gefragt und Fantasie. Auch Büromaterialien finden in Haases Arbeiten Verwendung. Heftstreifen, zu einem großflächigen Tableau zusammenmontiert, weisen mit ihren Clips in unterschiedliche Richtungen. Die ganze Tafel ist in gedämpftem Grün eingefärbt, zusätzlich setzen mit dunklerem Grün gemalte Elemente ihre Zeichen. Der Betrachter sinniert bei dieser Arbeit über das Woher und Wohin.

Mehrere große Acrylbilder von Tina Haase sind im Haus verteilt, ruhige Kompositionen, die das Thema „Stille“ im Geiste imaginieren. Der Ausruf einer Besucherin „Ist das zauberhaft!“ gilt einem Wandgebilde (Titel „Flaum“), das aus nichts anderem besteht als aus zerknitterten Bonbonpapierchen. Tina Haase hat diese Papierchen zu einem rund 30 Zentimeter Durchmesser betragenden Rondell zusammengefügt, das einen besonderen Platz für sich alleine im kleinen Kammerl bekommen hat. Das von der Seite einfallende Sonnenlicht spielt seine Rolle: Das durchscheinende Papier glitzert und funkelt und erhält den Status einer Preziose.

Ute Heims Arbeit „Take me Home to my Boots and Saddle“ ist eine Video-Installation mit der Dauer von 65 Minuten. Die Künstlerin hat einen Planwagen nach dem Muster der Wagen gebaut, die einst die leeren Landstriche Amerikas nach Westen durchquerten. So lässt sich auch der Titel des Westernsongs erklären. Aber bei genauerem Hinsehen und -hören verbirgt sich eine weitere Geschichte dahinter: Ute Heim hat ihre frühe Kindheit am Todesstreifen entlang der Grenze Thüringens verbracht, dort, wo damals zwar Vögel und Kleintiere in großer Zahl lebten, aber keine Menschen. Die Mahnungen der Großmutter im Ohr, den Landstreifen zur Zonengrenze nicht zu betreten, hat sie sich als Kind zwar nicht ängstlich, aber immer vorsichtig verhalten.

Ihre Reise verbindet zwei völlig unterschiedliche Ebenen zu einer: das Unterwegssein und den Gesang. Die gelernte Geigenbauerin singt die Winterreise von Schubert mit allen Strophen. Und dass sie zwischendurch dazu auf der Mundharmonika spielt, schlägt wiederum die Brücke zum Leben der Einwanderer in dem vielversprechenden Land Amerika.

Florian Ecker arrangiert unter dem Titel „Skulpturales Bild“ eine Vielzahl von flachen Platten aus Carrara-Marmor auf dem Fußboden. Sie haben die Form von überdimensionalen Puzzlesteinen und sind mit antik anmutender Farbe getönt. Ein kleiner Stapel, mit Abstand an der Seite liegend, impliziert, dass das Arrangement noch nicht fertig ist. Genau wie Ute Heim durchbricht Ecker die Stille: Bei ihm ist es ein Plattenspieler, dessen Arm über eine runde Marmorscheibe kratzt.

Elke Dreier thematisiert mit ihren Ballettstangen die Bewegung. Leicht gebogen „schlängeln“ sich die Stangen durch den Raum, der geradlinige Verlauf würde das Auge nicht reizen. So ist Bewegung umgesetzt, auch eine senkrecht angebrachte Stange nimmt ihren Weg. Die Anschnitte der Stangen zeigen deren aufwendige Herstellung: sehr dünne Sperrholzelemente, mehrfach übereinander gefügt und verleimt, absolut verzugsfrei. Absolut also für das geeignet, wofür sie gedacht sind: Halt zu geben im psychischen wie im physischen Sinn.

Florian Lechner hat die neueste Technik für seine Plastiken eingesetzt – die Nennung „Plastiken“ ist bewusst gewählt im Gegensatz zu Florian Eckers „Skulpturen“. Mit einem 3-D-Drucker erzeugt Lechner aus Plastikmasse Schicht um Schicht Würfel, die er in den Raum setzt. Eine Seite der Würfel ist metallisiert, sodass sich der umgebende Raum darin spiegelt. Die Objekte tragen Titel aus Ziffern und knappe Angaben zur Herstellungsweise. Und vielleicht finden wir in dieser miteinander konkurrierenden Verschiedenartigkeit aller Darstellungen eine Erklärung für die „Asymmetrie der Stille“.

Bis 16. März

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