Triple Dip begeistertmit experimentellem Jazz

von Redaktion

Amerikanisch-schweizerisches Trio zu Gast am Roseneck

Prien – Posaune, Flügel und Schlagzeug, eine ungewöhnliche Kombi. Aber nicht, wenn drei so renommierte Musiker wie der Schweizer Posaunist Samuel Blaser, Pianist Russ Lossing und Schlagzeug-Veteran Billy Mintz aufeinandertreffen. Das Trio nennt sich Triple Dip. Und Triple Dip, wortwörtlich übersetzt dreifaches Eintauchen, ließ wahrlich einsinken in die Welt des experimentellen Jazz, in der das Trio melodische, farbenfrohe und kontrastreiche Musik entwickelte.

„Wir haben uns vorher abgestimmt, jeder hat seinen Part auswendig gelernt“, hatte Blaser eingangs im Salon 21 gesagt. Man konnte das eben Gehörte kaum glauben, so wunderbar klappte vom ersten Ton an das Zusammenspiel des am Vortag erst aus den USA eingeschwebten Trios. Triple Dip glänzte mit Melodien, die mit dem Reichtum, aber auch der Gegensätzlichkeit der drei so unterschiedlichen Instrumente spielten. Mit Melodien, die nicht eingänglich wirkten und doch eindrücklich nachwirkten.

Virtuos, wie das Trio es schaffte, mit seiner Improvisationskunst den mechanischen und den gedanklichen Prozess miteinander in Einklang zu bringen. Beeindruckend auch, wie traumwandlerisch sicher sich die drei Instrumentalisten verstanden. Bei zwei verjazzten lyrischen Stücken durfte das Publikum ein wahres Klangbad genießen, das restliche Programm war eher ungestümer, freier, experimenteller – und doch stets harmonisch und kompromissbereit im Zusammenspiel.

Samuel Blaser spielte im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner Posaune: Mal nahm er sich klanglich zurück, gab nur den Begleiter, dann glänzte er solistisch oder im Zusammenspiel. Mal mit anmutigen Melodiebögen, verziert mit Läufen oder kleinen Figuren, mal mit Klangfetzen und Einwürfen. Russ Lossing überzeugte am Flügel: Hier rasanteste Klangkaskaden, dort perlende, beinahe nonchalant hingeworfene Läufe, da schimmerte Klassik durch, dann wieder reinster Blues. Schlagzeuger Billy Mintz gab ungerührt und in sich versunken den Rhythmus vor, mit Sticks, mit dem Schlagzeugbesen. Da leuchtete das Becken auf, da hörte man das Tomtom.

Schade, dass das Konzert nicht komplett ausverkauft war. Denn allein schon das Ambiente ist bemerkenswert. Der ehemalige Stadel, rund um einen Flügel zum großzügigen Wohnraum mit viel Kunst an den Wänden ausgebaut, wird von den privaten Gastgebern vom Wohnzimmer zum Konzertsaal umgebaut.

Wer sich auf Free Jazz einlassen will, dem seien die kommenden Konzerte empfohlen. Am 8. März steht „Mein einziger Freund“ mit Michael Jaeger (Tenorsaxofon), Gerry Hemingway (Schlagzeug und Vocals) und Vincent Membrez (Klavier und Synthesizer) auf dem Programm. Am 26. April wird das Full Tree Quintett aufspielen. Und am 31. Mai gastiert das Sirius String Quartet im Stadel am Roseneck in Prien. Elisabeth Kirchner

Artikel 7 von 8