Jenbach oder Gachbach? Ausgewählte Namen unserer Bäche und Flüsse

von Redaktion

In einem Punkt ist sich die Gemeinschaft der Experten einig: Gewässernamen sind die ältesten im Bereich der Namenkunde. Manche Forscher halten einige dieser uralten Namen sogar für Relikte aus der Zeit, bevor die Indogermanen aus dem Osten nach Mittel- und Westeuropa einwanderten und dort sesshaft wurden. Das heißt, solche Namen seien schon über 5000 Jahre alt.

So wurden europaweite Namensübereinstimmungen festgestellt, etwa im Falle der Donau und des russischen Don oder im Falle der Isar und der französischen Isère oder im Falle des spanischen Ebro und des Ibar, der durch Montenegro, den Kosovo und Serbien fließt.

Jüngere Gewässernamen, die erst viel später von den Kelten, Römern, Romanen und Germanen oder erst in letzter Zeit benannt wurden, sind etwa der Hawaii-See bei Flintsbach oder all jene Bach-Namen, die auf -ach und -bach enden.

Den aktuellen Forschungsstand liefert der Sammelband „Deutsches Gewässernamenbuch“ aus dem Jahre 2013 von Professor Albrecht Greule. Aus der Epoche der Kelten, die 15 v. Chr. von der Zeit der Römer abgelöst wurde, stammen die Namen des Inn, der Prien, der Glonn und der Alz. Der bairische Î – langes, nasaliertes i – bedeutete im Keltischen als Enos „Wasser“. Die Prien wird in der erschlossenen Ur-Form „Brigenna“ als das „vom Berg fließende Gewässer (von keltisch „brig“= Berg)“ gedeutet. Der Glonn liegt keltisch glana mit der Bedeutung „rein, klar glänzend“ zugrunde. Bei der Alz steht bei Albrecht Greule die Deutung von keltisch alta = „Sumpf, Schlamm“ im Vordergrund, da die Alz, so Greule, teilweise durch sumpfiges Gelände fließe.

Althochdeutsche Namensteile, sogenannte Bestimmungswörter, tragen die mit den althochdeutschen Grundwörtern „Ach(e) und Bach“ verknüpften Bach-Namen. Eine Moosach ist ein Wasser(lauf), fließendes Gewässer, das in moosiger Gegend fließt.

Strittig sind die Bedeutungen vom Jenbach und vom Feilnbach. Der letztere Name (via Ortsname etwa 980 als „Fûlinpah“ überliefert) bezeichnet laut Greule „sehr langsam fließende, stagnierende Gewässer, häufig mit Sumpfbildung“.

Wird hier nur das sumpfige Moorwasser angesprochen oder die langsame Fließgeschwindigkeit? Oder beides zugleich? Beim Namen des Jenbachs legt sich Greule dagegen fest, und zwar ebenfalls anhand des gleichnamigen Ortsnamens: „am Bach gelegene Siedlung eines Mannes namens Uono“. Damit wäre der Bach nach einem seiner Anwohner benannt. Wäre da nicht der Schriftsteller Arthur Achleitner, der 1902 schrieb: „Jenbach (am Wendelstein), im Volksmund Jebach, Jähbach, jäh, gach, Sturzwasser“. Die Realprobe spräche sehr stark für die Erklärung vom „Gachbach“. Erst in den letzten paar Jahrzehnten wurden Baumaßnahmen gegen Felsstürze, Rutschungen, Hanginstabilitäten getroffen. Aber sprachlich würde die Erklärung vom Herrn Uono, Genitiv Uonin, daher Uonin-bach, später: Uenen-bach, Üen-bach, Ien-bach – heutzutage Ea/n/boch gesprochen – halt besser passen. „Jäh“ is hoid koa boarisch Wort ned!

Armin Höfer

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