„Die laute, lärmende nimmer müde Lustbarkeit des Gebirgsvolkes“

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Angaben zum Tanzen im Fasching um 1845 in der Ethnographie von Josef Friedrich Lentner

Im Jahr 1845 wurde Josef Friedrich Lentner (1814 bis 1852) vom damaligen Kronprinzen und späteren König Maximilian II. beauftragt, das Königreich Bayern zu bereisen und das Land und seine Bewohner, Sitten und Bräuche zu beschreiben. Lentner stammte aus einer bekannten Münchner Buchhändlerfamilie und gehörte zum Kreis um den Herzog Max (1808 bis 1888). Er war Dichter und Maler und seine Liebe gehörte den Alpen. Den Winter verbrachte er aufgrund einer Lungenkrankheit in Meran. Er starb schon im Alter von 38 Jahren.

Josef Friedrich Lentner reiste und arbeitete in den folgenden Jahren bis zu seinem Tod unermüdlich und konnte dem König schon 1849 fertige Beschreibungen von Ober- und Niederbayern vorlegen. Seine „Ethnographie“ gliederte Lentner in zwölf Sachbereiche, die er jeweils in Kleinregionen abhandelte. Intensiv war er wohl zwischen Starnberg und Berchtesgaden unterwegs – auch das Rosenheimer Land, das Inntal und den Chiemgau hat er umfänglich beschrieben.

Lentner machte umfassende und detailgetreue Angaben zu Landschaft, Bevölkerung, Haus und Einrichtung, Nahrung, Arbeit, Tracht, Industrie und Gemeinwesen. Musikalische Hinweise kommen vor in den Kapiteln „Häusliche Gebräuche und Feste“ (Taufe, Hochzeit, Spinnstuben) oder „Kirchliche Feste und Gebräuche“ (Jahreskreis, Kirchensinger, Wallfahrten, Heilige, Prozessionen, Sternsingen und Klöpfeln). Bei „Öffentliche Feste und Gebräuche“ geht es unter anderem um Kirchweih, Fasching, Sonnwend, Leonhardi, Tanz und Musik. Das weitverbreitete Singen und Zitherspiel kommt im Kapitel „Mundart, Sagen, Volksgesang“ zur Betrachtung.

Passend zum kommenden Faschingswochenende seien einige Angaben von Lentner zu den Faschingsbräuchen zitiert. Fast in allen Regionen im südlichen Oberbayern ist der Fasching eine Gelegenheit zum öffentlichen Tanzen. Lentner benennt vor allem die überlieferten Tanzformen wie den „Ländler“ oder den „Langaus“ – und er bedauert, dass diese von neuen Tänzen wie Schottisch und Polka verdrängt werden. Zu jeder Zeit gab und gibt es Neuerungen und Änderungen in der musikalischen Volkskultur und in den Bräuchen – damals und heute. Der Bogen von Brauch und Musik im Fasching spannt sich von den Schellenrührern zu den Faschingsfiguren wie der „Hoberngoas“ oder dem „Fastnachtsschimmel“. Musik erklingt von Streichbesetzungen und den Blasinstrumenten – oder von ganz kleinen „Banden“ oder Einzelmusikanten.

Im großen Kapitel „Zwischen Isar und Inn“ schreibt Lentner über die Talbewohner: „Jeder ansässige Bauer geht mit seinem Weibe am Fastnachtmontage zum Tanz. Bei den Tänzen dreht sich alles zugleich gedrängt durcheinander. Es werden Walzer und Langaus getanzt, selbst die modische Polka hat sich versuchsweise eingeschlichen. Es ist üblich, daß jeder Bube ein für allemal 24 bis 30 Kreuzer an die Musik bezahlt.“

In den Gebirgsgegenden hin zum Inn und der Mangfall zeigt sich laut Lentner bei den Fastnachttänzen „die laute, lärmende nimmer müde Lustbarkeit des Gebirgsvolkes. Landler und sogenannte bayerische Tänze werden ununterbrochen herabgestampft und dabei aus voller Lust gejauchzt, gepfiffen und dazwischen gesungen.“

So oder ähnlich geht es um 1850 auch in anderen Kleinregionen beim Tanz im Fasching zu. Andernorts darf offiziell nur sehr selten getanzt werden. Da flüchten sich die jungen Leute dann in die nichtöffentlichen „Winkltänze“ und andere Lustbarkeiten.

Am Samerberg stellt Lentner fest: „Die Fastnacht geht still vorüber, selten ist ein öffentlicher Tanz, doch in dem ein oder dem anderen Haus spielt ein Bube für die tanzlustige Nachbarschaft die Zither und etliche lustige Gesellen und Mädchen erscheinen in sehr anspruchslosen Masken.“ Über das Tanzen an Fastnacht im Chiemgau mit Marquartstein, Bergen, Wössen und Schleching heißt es: „Man tanzt einfache Ländler die eine halbe Stunde lang dauern, wobei alles zugleich, wie auf einer Scheibe sich dreht.“ernst schusser

Volksmusikalischer Fasching

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