Im Bann der vier Jahreszeiten

von Redaktion

Das Streicherensemble „Strings in Motion“ brilliert im Kursaal von Bad Aibling

Bad Aibling – Leise und meditativ schweben durch den Kursaal von Bad Aibling Melodien aus Chorälen für Streichorchester des österreichischen Komponisten Werner Pirchner. Das junge Ensemble „Strings in Motion“ der Euregio Streicherakademie steht in zwei Reihen beidseitig neben dem Publikum und spielt „Moll und Dur – ein Stück Natur?“, bevor es seine Plätze auf der Bühne einnimmt.

„In Tönen webt
das Leben sich fort“

Mit Virtuosität, Spielfreude und Leidenschaft führte das Ensemble unter dem Motto „In Tönen webt das Leben sich fort“ Kompositionen von Werner Pirchner, Carl Philip Emanuel Bach und Mendelssohn auf. Nach der Pause durfte das Publikum bei Vivaldi, Max Richter und Astor Piazzolla die vier Jahreszeiten in stilistisch völlig unterschiedlichen Perspektiven erleben.

Carl Philip Emanuel Bachs dreisätzige „Streichersinfonie“ in G-Dur besticht durch außergewöhnlichen Ausdrucksreichtum. Beschwingt interpretierte das Ensemble das Allegro di molto, als etwas bewegungslos angekündigt entfaltete sich sanft und ernst das Poco adagio, hell und fröhlich sangen die Violinen im abschließenden Presto. Mendelssohns Konzert für Violine und Streicher in d-Moll muss mit genau solcher Hingabe und Ekstase gespielt werden, wie es den jungen Musikern gelang.

Hinreißend war die Solovioline von Giorgos Banos, der das Orchester mit einer unglaublichen Dynamik antrieb. Nichts zu wünschen übrig ließ das Zusammenspiel des Orchesters. Das Allegro erklang konzentriert und kraftvoll, eine wiegende Melodik mit zartem Vibrato der Solovioline prägte das Andante. Im abschließenden Allegro faszinierte die Kadenz der Violine, die Banos meisterlich beherrschte.

Selten hat man Vivaldi frischer, unverbrauchter und spritziger gehört wie in der Interpretation durch „Strings in motion“. Im Concerto in f-Moll, dem „Winter“ erzeugten die Streicher eine frostklirrende Atmosphäre. Zu Herzen gingen die schmeichelnden Violinfiguren zu den Pizzicato-Regentropfen der Streicher. Packend war der Finalsatz, in dem Solist Stylianos Mastrogiannis die Hörer mit seinem technisch brillanten Spiel bannte. Einen bewegenden Kontrast dazu bot der dreiteilige „Spring“ des britischen Komponisten Max Richter. Seine an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ angelehnte Komposition erinnerte ein wenig an Filmmusik. Solist Yik Liang Soo verzauberte das Publikum mit virtuoser Eleganz und Perfektion. Erst ganz leise, dann allmählich immer stärker anschwellend durchfluteten den Saal helle, samtene Klänge.

Oft schienen sich die Themen und Motive zu wiederholen, die Streicher schufen ein heiteres Stimmungsbild, mit dem man einen strahlenden Sonnenaufgang und fröhliches Vogelgezwitscher assoziierte.

Ein farbiges Kaleidoskop in Tempo und musikalischen Details bildete Vivaldis Concerto in g-Moll „Sommer“. Diesmal betörten das Streicherensemble und Solist Denis Vasylynets die Hörer mit lautmalerischen Witterungsunbilden der heißen Jahreszeit. Traurig war das Klagelied der Violine, mit elementarer Urgewalt brachen im Presto Blitz, Donner und Sturm herein.

Musikalische
Kontraste

Astor Piazzollas „Herbst in Buenos Aires“, in dem noch einmal Solist Denis Vasylynets auftrat, nahm gefangen durch ein wundervolles Cello-Solo, schwelgerische Streicher und einen dumpfen Kontrabass-Takt. Übergänge von wütender Erregtheit kontrastierten zu Passagen voller Ruhe und Abschied.

Als Zugabe nach dem begeisterten Beifall spielte das Ensemble noch einmal den dritten Satz der Streichersinfonie von Carl Philip Emanuel Bach und zwei Teile aus Max Richters „Spring“.

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