Wasserburg – Eine ganz besondere Reise durch 200 Jahre Musikgeschichte hatte das Kammerkonzert für zwei Klavierstimmen bei „Klassik im Krippnerhaus“ zu bieten. Yume Hanusch und Stefan Unterhuber präsentierten Kompositionen aus Barock, Romantik und Moderne.
Musikstücke „a quattro mani“, also zumeist Klaviermusik für vier Hände, entstanden im späten 18. Jahrhundert. Ihr Ursprung findet sich im häuslichen Musizieren und in der musikalischen Bildung. Komponisten wie Mozart und Schubert schrieben bedeutende Werke für diese Besetzung.
Gemeinsam mit seiner Schwester Nannerl trat Wolfgang Amadeus Mozart bereits als Achtjähriger öffentlich am Klavier auf. Er und seine Schwester waren die ersten, die in Europa Klavier zu vier Händen spielten. Mozart komponierte auch die ersten Stücke dafür. Mit seinem „Andante mit fünf Variationen“ eröffneten Hanusch und Unterhuber dann ein herausragendes Konzert.
War der Auftakt noch eher ruhig, nahm das Tempo mit den Spanischen Tänzen von Moritz Moszkowski (1854 bis 1925) deutlich Fahrt auf. Der deutsche Komponist war der bekannteste Vertreter der heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Salonmusik Es folgten berührende und stimmungsvolle Kompositionen von Franz Liszt, Francis Poulenc und Felix Mendelssohn Bartholdy. Liebeslieder, Musette-Walzer und Fantasien wurden ausdrucksstark und zugleich mit spielerischer Leichtigkeit und Präzision vorgetragen. Das galt für die vierhändig vorgetragenen Stücke ebenso wie für die Duette mit zwei Klavieren.
Franz Schubert kompononierte in seinem letzten Lebensjahr, schwer von Krankheit gezeichnet, die „Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen“. Schuberts tiefgründiges Stück mit vier, ineinander übergehenden Sätzen vereint Sehnsuchtsmotive und dramatische Kontraste zu einem Werk voll lyrischer Schönheit, leidenschaftlich und melancholisch. Frédéric Chopins Scherzo No. 1 war an Dramatik kaum zu überbieten. Wilde, stürmische Passagen und abrupte Dynamikwechsel erzeugten eine düstere Stimmung, die sich dann aber kontrastreich im Mittelteil entspannte und zu einem energiegeladenen Abschluss führte.
„Scaramouche“ von Darius Milhaud (1892 bis 1974) wurde dann als letztes Stück des Abends angekündigt. Die Konzertsuite für zwei Klaviere ist dem Scaramouche gewidmet. Er vertritt in der Commedia dell’arte die Figur des neapolitanischen Abenteurers und Aufschneiders. Die spritzige und farbenfrohe Suite mit ihren jazzigen und folkloristischen Elementen stand folgerichtig musikalisch für jene spielerische Heiterkeit, die das literarische Vorbild auszeichnet.
Zu einem Klavier-Duo-Konzert passte ebenso das Moderatoren-Duo hervorragend. Dr. Peter Hanusch und Rafael Hanusch führten treffsicher und mit unaufgeregter Heiterkeit durch den Abend. Vater und Sohn stellten abwechselnd die Komponisten und ihre Werke vor. Beide richteten den Blick hinter die Kulissen der Stücke in die Zeit und Lebenswelt ihrer Komponisten und sorgten für so manch spannendes Aha-Erlebnis.
Mit Mozarts „Türkischer Marsch“ als Zugabe schloss sich der Kreis, ein Stück, bei dem die Tasten nur so flogen. Doch Yume Hanusch und Stefan Unterhuber lösten auch diese Aufgabe souverän, vierhändig und mit Bravour. Wolfgang Janeczk