Kaum war der Artikel über ausgewählte Namen unserer Bäche und Flüsse in dieser Zeitung vor zwei Wochen erschienen, kam die Bestätigung für unsere Beobachtung, wonach es hier interessante, europaweite Namensübereinstimmungen gebe.
Der Vergleichspunkt für eine aufmerksame Leserin aus Österreich war der Name der Glonn, die im südlichen Teil von Bad Aibling in die Mangfall mündet. Den Namen der Glonn haben wir von keltisch „glan“ in der Bedeutung „rein, klar, glänzend“ beschrieben. Die Salzburger Leserin brachte – völlig zu Recht – die dortige „Glan“ und den Salzburger Stadtteil „Maxglan“ ins Spiel.
Tatsächlich sind Glan und Glonn identische Begriffe. Albrecht Greule zeigt in seinem Opus „Deutsches Gewässernamenbuch“ (2013), dass der Glonn in Urkunden des 8. Jahrhunderts der Name „Clana“, in etwas späteren Urkunden als „Glana“ geschrieben, zugrunde liegt. Dies gilt laut Greule für die Glonn im Dachauer Land genauso wie für „unsere“ Glonn. Das o in der bairischen Namensform beruhe, so Greule, auf „der mundartlichen Rundung des /a/ > (zu) /o/“. Landwirt Josef Plöckl aus dem Dachauer Land bestätigt, dass die dort befindliche Glonn ebenso wie die Aiblinger Glonn als „Gloo“ ausgesprochen wird, und zwar mit langem und stark nasaliertem o – damit da ja keine Missverständnisse aufkommen!
Abgesehen von der bairischen o-Aussprache ist die wohl seit gut 2000 Jahren vorhandene a-Lautung der „Glan“ nicht nur im Raum Salzburg erhalten geblieben, sondern auch in vielen anderen Teilen Europas. In Salzburg und in Kärnten fließt „die Glan“, in Norddeutschland „der Glan“ als Nebenfluss der Nahe. Weiterhin ist der Name „Glan“ im „Glanebach“, einem Nebenfluss der Hunte bei Osnabrück erhalten, ebenso in den Ardennen („Glanis“), in Frankreich („Glane“ als Nebenfluss der Vienne), in Irland mit „Glan“ als Quellenname im nordirischen Tyrone) und in Spanien mit dem antiken Flussnamen „Glanis“. Die letztgenannten Beispiele sind dem Buch „Unsere ältesten Flußnamen“ (1964) von Hans Krahe entnommen. Auch Krahe geht von einem keltischen Adjektiv „glan“ im Sinne von „hell, rein“ aus, aber zugleich mit der dritten Bedeutung „lauter“. Damit ist hier aber nicht die Lautstärke der Wasserfälle eines Baches gemeint, sondern seine Wasserqualität, also Reinheit, Klarheit, Sauberkeit. Ein „Lauterbach“ mit der germanischen Wortherkunft entspricht vollkommen der Glan, Glane, Glon, Glonn mit keltischer Etymologie.
Glan, Glonn und Lauterbach lassen sich dem Bachnamen-Typus „Wasserqualität“ zuordnen. Dazu gehört auch ein Moosbach; auch dieser trägt seine Qualitäten – moorig, sumpfig, moosig – im Namen.
Andere Namenskategorien sind etwa die Farbe des Gewässers, wie es beispielsweise ein Goldbach (goldgelblich) und eine Rott (rötlich-kupferhaltig) anzeigen. Laut Albrecht Greule könnte bei einem Goldbach auch „eine „alte Goldwäscherei“ für Bachgold, Seifengold, vorgelegen haben. Oftmals wurden die Namen der Bäche auf dort angrenzende Siedlungen übertragen, was etwa die Ortsnamen Glonn, Lauterbach und Rott bestätigen. Armin Höfer