Bruckmühl – Ausverkauft und voll besetzt war die Bruckmühler Kulturmühle, als Michael Altinger, musikalisch begleitet von Andreas „Andi“ Rother, zu seinem neuen Bühnenprogramm „Die letzte Tasse Testosteron“ ansetzte. Während Rother bereits bei seinen Instrumenten Platz genommen hatte, trat schattenhaft, umhüllt von Bühnennebel, Cowboy Altinger energisch ins Rampenlicht.
Um Männlichkeit sollte es gehen oder um die Frage: Wann ist ein Mann ein Mann? Am Testosteron hängt, zum Testosteron drängt die Welt, oder? Zu Hause in „Strunzenöd“, der oft zitierten geheimnisvollen Bühnenheimat von Michael Altinger, hatte man ihn losgeschickt mit dem Auftrag, die „letzte Tasse Testosteron“ zu finden – oder er werde enterbt. Das darf natürlich nicht passieren, das ist er seinen berühmten Vorfahren schuldig, alle im „großen Buch der Strunzenöder“ festgehalten: „Adam Altinger, der Urvater“, „Christopher Altinger, der Entdecker Indiens“ oder die „Kräuterheilige Hildegard von Altinger“.
Aber die Gegenwart ist schwierig genug; Personalmangel sogar in Strunzenöd, keine einheimische Kneipe, und die Nachbarn werden auch immer böser und nehmen überhand. Da hilft nur eins: „Ich kümmere mich um die Getränke“.
Zu den Höhepunkten im Programm des in Wasserburg beheimateten und inzwischen mit zahlreichen Preisen dekorierten Kabarettisten Altinger gehören die verschiedenen Parodien, unter anderem von US-Präsident Trump: „Trump zu Söder: I make you great again, give me Bavaria, and ich make you great – als König von Grönland.“
Auch die Rockstar-Parodien sind hinreißend, und ein Schelm, wer dabei an Bochum denkt. Wie gesagt: Wann ist ein Mann ein Mann? Und „Udo Jürgens hatte mehr Groupies als die Rolling Stones zusammen“.
Nach der Pause, mit umsichtiger und aufmerksamer Bewirtung durch das THW, ging es zurück in die 80er-Jahre zu „Schulterpolster und Achselhaar“, weiter mit einer Kreuzfahrt-Parodie immer näher zur letzten Tasse: „Die Tasse will getrunken werden“. Da möchte der geplagte Künstler eher gleich in den Vorruhestand abbiegen – aber Pensionsschock und Altersdepression sind auch nicht zu unterschätzen, also ran an die Tasse, die letzte Tasse Testosteron.
Rechtzeitig zum Ende der Veranstaltung erreicht Michael Altinger dann diese letzten Tasse Testosteron – und trinkt sie rasch aus. Das Erbe ist also gesichert. Und die Wirkung? Da gehen die Meinungen auseinander, das muss wohl jeder für sich entscheiden. Das Publikum in der Kulturmühle in Bruckmühl entscheid eindeutig zugunsten von Michael Altinger und dankte mit kräftigem Schlussapplaus für einen gelungenen Kabarettabend, hoch unterhaltsam und nachdenklich zugleich.
Cornelia Ahrens