Neubeuern – An diesem Konzertabend konnten gleich zwei Jubiläen gefeiert werden. Einmal wurde genau vor 100 Jahren die Schule Schloss Neubeuern gegründet, zum anderen besuchte Thomas Mann, dessen 150. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, als junger Mann den kleinen oberbayerischen Ort. „Die Gegend“, schrieb der angehende Schriftsteller an einen Freund, „ ist stellenweise außerordentlich schön, aber die Zustände im Allgemeinen reichlich primitiv.“ Ob er auch das Schloss besichtigt hat, ist nicht bekannt. Veronika Eberle (Violine), Julia Hagen (Violoncello) und Herbert Schuch (Klavier) verzauberten das Publikum im ausverkauften Saal des Schlosses mit Klaviertrios von Schubert und Brahms.
Erster Programmpunkt war Schuberts Klaviertrio in B-Dur op. 99, das im Todesjahr Beethovens entstanden ist. Das Allegro moderato spielten die drei Musiker energiegeladen und ausdrucksstark. Zu Herzen ging die triolendurchsetzte Melodie mit eingeschobenen Kadenztakten und träumerischen Lyrismen. Nach akkordischer Klavierbegleitung und sanften Pizzicati des Cellos sang die Violine hell und leise ein zum Mitsummen animierendes Thema.
Fein nuanciert brachte das Trio das zwischen Leidenschaftlichkeit und Freundlichkeit schwankende Andante un pocco mosso zum Erklingen, in dem Julia Hagen ihrem Cello Passagen von Ernst und Anmut entlockte. Heiterkeit strahlte das folgende Scherzo aus, dessen Trio mit seinem Streichergesang den Charakter eines Walzers besitzt. Mit großer Dynamik und hervorragend aufeinander abgestimmt spielte das Trio den charmanten Finalsatz.
Im H-Dur Trio op. 8 von Brahms berührte im Allegro con brio das lyrische Thema, das in seiner Farbigkeit und schwärmerischen Emphase an Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ erinnerte. Mit großer Klangsinnlichkeit führten Eberle, Hagen und Schuch das Scherzo auf, in dem erneut eine betörend schöne Melodie gefangen nahm. Ergreifend anzuhören war das feierlich getragene Wechselspiel zwischen Streichern und Klavier im Adagio, das alle drei mit traumwandlerischer Einfühlung interpretierten.
Im Finale, das pathetische Passagen und ein in engen Intervallen kreisendes Thema kennzeichnete, bannten der sonore Klang des Cellos und der perlende Ton des Klaviers. Der Satz endete mit einer Apotheose des Hauptthemas in Moll. Für den stürmischen Beifall des Publikums bedankte sich das Trio mit dem langsamen Satz aus dem 1. Klaviertrio von Mendelssohn. Georg Füchtner