Prien – Die Empfehlung von Organisator Dr. Reinhold Schneider passte vorzüglich: „Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie!“ Und was Philipp Stauber (Gitarre), Christian Elsässer (Klavier und Keyboard), Henning Sieverts (Bass) und Matthias Gmelin (Schlagzeug) servierten, war wahrlich besondere Kost. Stauber, dessen Konzertreihe „Stauber & Friends“ seit zehn Jahren Zuhörer von nah und fern begeistert, hatte dieses Mal die Menükarte mit dem bezeichnenden Titel „You and the Night and the Music“ überschrieben.
Seine namhaften und kongenialen Musiker-Freunde Sieverts und Gmelin waren ja schon des Öfteren dabei. Der neue im Bunde, Elsässer, (der mittlerweile in Bad Endorf lebende) Pianist, Dozent, Komponist und Dirigent, arbeitet regelmäßig mit den renommiertesten Klangkörpern der internationalen Szene wie dem Metropole Orchestra (drei Grammys), dem Scottish National Jazz Orchestra, allen deutschen Rundfunk-BigBands (WDR, HR, NDR und SWR) sowie dem Münchner Rundfunkorchester zusammen. Dessen „Christian Elsässer Jazz Orchestra“ (wurde kürzlich mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet) setzte dem Konzert – um im Bild zu bleiben – das Sahnehäubchen auf. Verjazzte Klassiker wie „Recorda Me“ von Joe Henderson, „You and the Night and the Music“ von Arthur Schwartz, „My Romance“ von Richard Rodgers oder die „Yabird Suite“ von Charly Parker erklangen, mal zum Träumen, elegant dahinfließend, mal zum Mitwippen, schwungvoll und energiegeladen. Mit genügend Raum für ebenbürtig punktgenau unterlegte Soli-Einlagen, die diesen Nummern vollends die Tiefendimension verliehen. Da brauchte es nicht einmal Worte.
Nach der Pause spielte zuerst das Trio Elsässer, Sieverts und Gmelin auf. Bei „Tell me a Bedtime Story“ von Herbie Hancock und „Up jumped Spring“ von Freddie Hubbard zelebrierte Elsässer seine ganz persönliche Interpretationstechnik: perlende Läufe, tänzerische Melodien, arythmischer und doch eingängiger Melos, wunderbar umspielt von Schlagzeug und Kontrabass. Einen Exkurs in die politische Realität unternahm Philipp Stauber dann zusammen mit Henning Sieverts; die eindrücklich-gefühlvolle Interpretation von „I love her“ von den Beatles (in dieser Version beinahe schöner als das Original!) widmeten die Musiker der Demokratie, eine Botschaft, die sich beim Gospel „This little Light of mine“ von Harry Dixon Loes fortsetzte. Denn die Botschaft dieses Stücks griff später auch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der späten 50er- und 60er-Jahre auf. Später gab es noch „Dolphin Dance“ von Herbie Hancock, der viel Raum für Atmosphäre und dynamische Momente ließ. Swing pur bot das Quartett mit seiner Interpretation des George Gershwin-Songs „Our Love is here to stay.“ Zum Finale präsentierten die vier Freunde „Four on six“ von Wes Montgomery. Ein Stück, dessen einprägsame Melodie man sofort wieder erkennt, gespickt mit dampfwalzenartigem Groove, bestechenden Hard-Bop-Jazz-Elementen und schwindelerregender Gitarren-Akrobatik. Philipp Stauber hatte in seiner Anmoderation erwähnt, dass bei dem Stück auch das Motiv von „Summer Time“ von George Gershwin durchschimmert. Und tatsächlich, bei all der Energiegeladenheit klang auch an der Gitarre das Spirituelle des Gerswin-Klassikers durch. Ein Genuss fürwahr. Der fromme Gedanke an den Politikbetrieb, von Impressario Schneider eingangs formuliert: „Alle sollen an einem Strang ziehen“, beim Konzert in der Kirche wurde er wahr: Vier Freunde, vier großartige Musiker, die an einem Strang zogen und Wohlfühl-Jazz vom Feinsten boten.
Am 30. März steht „Rhapsody“ auf dem Programm: Zusammen mit Sven Faller (Bass), Michael Keul (Schlagzeug) und Klarinettist und Saxofonist Norbert Nagel lädt Philipp Stauber sein Publikum zu einer musikalischen Reise in die Welt von Jazz, Blues und konzertanter Sinfonik ein. Elisabeth Kirchner