Raubling/Flintsbach – Als im Frühjahr 1958 Franz Singer aus Großholzhausen eine Gesangsgruppe auf die Beine stellte, ahnte er nicht, dass aus den Hobbysängern die überaus beliebte und bekannte Gesangsgruppe die Inntaler Sänger entstehen würde. Anfangs agierte die Gruppe noch als Duo und dann als Trio mit Felix Lamm, Franz Singer und Robert Hurnaus, der später aufhörte. 1992 und 1993 kamen Peter Anderl und der unvergessene „Haschbichler Koni“, Konrad Bauer vom Samerberg, dazu, der erste Viergesang war perfekt. Der spritzig-jugendliche „Burschengesang“ mit Franz Singer, Konrad Bauer, Felix Lamm und Peter Anderl glänzte auf Anhieb und wurde mit Auftritten in Bayern und Tirol schier überhäuft. Bereits 1965 folgten erste Aufnahmen im Bayerischen Rundfunk in München. 1971 verließ Felix Lamm die Gruppe.
Die Lieder
eher zelebriert
Für ihn stieß Sepp Wieland aus Flintsbach dazu. Mit dem Wechsel kam eine wesentliche Umstellung der Klangfarbe und des Vortrags. Ein sonorer, breiter, ruhiger und orgelhaft klingender Gesang entstand. Dazu ein Zitat vom Rundfunksprecher Hubert Kobler aus Osttirol: „Sie singen nicht nur ihre Lieder, sie zelebrieren sie“. Der Einschnitt in der Besetzung sollte für die nächsten 36 Jahre der Letzte sein. Was nun folgte, war wohl in Volksmusikkreisen ein bisher beispielloser Werdegang. Es waren die aktivsten, schönsten und erfolgreichsten Jahre der Inntaler Sänger.
Die Stimmen Bayerns, wie man sie nannte, erfreuten nun jahrzehntelang die Zuhörer mit der herrlichen Klangfarbe ihrer Stimmen und ihrer einzigartigen Vortragsweise bei unzähligen Auftritten in Bayern, Tirol und darüber hinaus. Es wurden über 60 Titel im BR-Studio aufgenommen, fünf CDs produziert, auch bei vielen Rundfunk- und Fernsehsendungen waren sie zu hören.
Der Bayerische Rundfunk schickte sie als Botschafter der echten Volksmusik zu verschiedenen internationalen Festivals, wie beispielsweise zum Donauländertreffen in Novi Sad (heutiges Serbien), zu Bayern Aquitanien in Bordeaux, 300-Jahr-Jubiläum Deutscher Einwanderung in Dallas in den USA oder zum Internationalen Folklore-Fest Domplatte Köln und zum Europäischen Volksmusiktreffen in Bratislava sowie zu vielen Volksmusikveranstaltungen in aller Herren Länder.
„Die Zeit der Krankheit und dem folgenden Tod von Koni Bauer im Jahr 2007 war nicht nur für seine Familie, sondern auch für uns Sängerkollegen äußerst schwierig. Wir konnten zwar die meisten der schon zugesagten Termine einhalten, doch kam die Frage auf, ob wird aufhören, oder zu dritt weitersingen sollten“, so Peter Anderl im Rückblick. Schließlich entschieden sie sich für Letzteres, obwohl Auftritte zu dritt gewöhnungsbedürftig waren.
Sie seien sich einig gewesen, dass Konis hervorragender Bass stimmlich und er menschlich nicht zu ersetzen war. Dank der hervorragenden Zitherbegleitung von Peter Anderl konnte die einzigartige Klangfarbe erhalten werden. „18 Jahre haben wir noch weitergesungen und hat uns trotz unseres hohen Alters (Sepp Wieland ist Jahrgang 1930, Franz Singer Jahrgang 1939 und Peter Anderl Jahrgang 1945) viel Freude bereitet“, so Peter Anderl.
Im Jahr 2018 feierten die Inntaler Sänger das seltene 60. Jubiläum und wurden vom Landkreis Rosenheim mit dem Kulturpreis bedacht.
Eine von unzähligen Auszeichnungen und Ehrungen, wie die Goldene Medaille des Bayerischen Rundfunks, der Kulturpreis der Hanns-Seidel-Stiftung, die goldene Ehrennadel und Porzellanlöwen der Gemeinde Raubling, der Euregio-Inntal-Preis, die goldene Maultrommel der Stadt Bratislava, der erste Preis des internationalen Volksmusikwettbewerbs von 40 europäischen Rundfunkanstalten und so weiter und so fort.
„Sie gehören zu einer der markantesten oberbayerischen Gesangsgruppen der traditionellen Volksmusik, die Inntaler Sänger sind ein hervorragender, einfühlsamer und sachkundiger Interpret des bayerischen alpenländischen Volkslieds. Vorbildlich halten sie in einer Zeit, in der die Interpretation volkstümlicher Musik von großem finanziellem Vorteil wäre, an der echten Singweise des Kiem Pauli fest“, so ein Auszug aus der Laudatio des damaligen
bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair, der 1994 in Vertretung des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker die Inntaler Sänger mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland würdigte und auszeichnete.
Ihre legendären Gesangs- und Musikauftritte sind zu Ende, „Bayerns Stimmen“ werden im öffentlichen Leben fehlen. Der Sängerkreislauf schließt sich und eine unvergleichliche Ära endet. Die Inntaler Sänger, zu Lebzeiten schon Legenden der alpenländischen Volksmusik, geben zu: „Der Abschied foit uns schwar, nach 67 scheene Jahr is aus und gar.“
Peter Anderl betätigt sich seit 2019 auch als Liedbegleiter der Rimstinger Sänger. Durch sein exzellentes Zitherspiel und seine jahrzehntelange Gesangserfahrung können sie nur profitieren. „Solange es die Gesundheit erlaubt, werde ich sie weiterhin unterstützen und bin mir sicher, dass der Liedschatz und die Singweise der Inntaler Sänger weiterleben“, betont er. „Ein herzliches Vergelt’s Gott unseren Familien für die Unterstützung und das Verständnis, ein herzlicher Dank für jahrzehntelange Treue, unseren Freunden, Bekannten, Fans und dem Publikum. Bei unserem Herrgott bedanken wir uns mit unserem Lied: „Dank’n für an jeden Tog, der ins g’sund is g’schenkt“, so Sepp Wieland, Franz Singer und Peter Anderl.
Musikgeschichte
geschrieben
Eine besondere Würdigung erfahren die Inntaler Sänger auch durch den Raublinger Bürgermeister Olaf Kalsperger: „Die Inntaler Sänger haben Musikgeschichte geschrieben. Ihr Engagement und die Qualität ihrer Vorträge waren und sind unvergleichlich und erfreuten über 65 Jahre lang eine große Zuhörerschaft. In unserer Gemeinde haben die Inntaler Sänger seit über 25 Jahren mit ihren einzigartigen Darbietungen das Raublinger Adventssingen immer bereichert und waren ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturveranstaltungen. Ich wünsche Franz, Peter und Sepp einen noch langen, schönen Sängerruhestand.“