„Die Musik ist mein Jungbrunnen“

von Redaktion

Sebastian Weyerer über ein bairisches Passionsoratorium vor Heiligem Grab in Aschau

Aschau/Prien – Der Priener Ludwig-Thoma-Chor unter der Leitung von Sebastian Weyerer führt zusammen mit Instrumentalisten am Sonntag, 30. März, um 18 Uhr in der Aschauer Pfarrkirche Kirche Darstellung des Herrn das Passionsoratorium „Oana geht um im Land“ auf. Die Komposition ist ein Gemeinschaftswerk des Salzburger Komponisten Wilhelm Keller (1920 bis 2008) und des früheren BR-Redakteurs Walter Diehl (1920 bis 1994), dessen Text die Leidensgeschichte Christi auf Bairisch schildert. Vor dem aufgebauten Heiligen Grab wird das Oratorium aufgeführt. Weyerer, der an der Hochschule für Musik in München ausgebildet wurde und unter anderem als Musiklehrer am LTG Prien wirkte, arbeitet schon lange nicht mehr als Musiklehrer. Aber noch immer ist er eifrig als Komponist und als Dirigent tätig. Gründe genug, um mit dem Dirigenten über das Werk und seine Arbeit als Musiker zu sprechen.

Herr Weyerer, wie sind Sie auf das Stück aufmerksam geworden? Und was ist das Faszinierende an dem bayerischen Oratorium?

Berti Dirsch aus Rimsting machte mich auf das Stück aufmerksam. Zusammen waren wir vor vielen, vielen Jahren bei einer Aufführung bei München. Seitdem hat mich dieses Werk nicht mehr losgelassen. Das Passionsoratorium ist für mich eine neue Art, abseits der großen Oratorien, das sich in gewisser Weise auch an Carl Orff anlehnt. Ich komme ja aus der Schulmusik, habe Carl Orff noch persönlich kennenlernen dürfen. Und diese Verbindung aus Orffscher Tonsprache und archaischen Klängen, aus Kirchen- und Volksmusik, die ja schon Inspiration für die großen Komponisten wie Mozart, Haydn, Bela Bartok oder Zoltan Kodaly war, findet sich eben auch bei „Oana geht um im Land.“ Wir haben das Werk schon des Öfteren aufgeführt. Dass wir es heuer vor dem Heiligen Grab in der Aschauer Kirche aufführen dürfen, habe ich meinem Bruder Werner Werner Weyerer, Kirchenpfleger in der Aschauer Pfarrkirche, zu verdanken, der mich bat, beim Programm für das Heilige Grab mitzuwirken. Da lag es nahe, „Oana geht um im Land“ neu aufzulegen.

Was darf man sich unter einem bayerischen Oratorium vorstellen?

Es ist die Passion, wie man sie aus dem Neuen Testament kennt, nur dass eben hier Instrumentalensemble sowie Soli und Chor in bairischer Sprache dem Zuhörer die Passion nahebringen. Meditative Chorteile, aber auch Sprechchöre der aufgebrachten Volksmenge, unterstützt durch ein reichbesetztes Schlagwerk, ziehen den Besucher unmittelbar in das Geschehen hinein. Dazwischen treten die Solisten auf, die immer wieder auf das Geschehen einwirken: Da ist der Evangelist, der bildhaft von der Kanzel herab die Szenen Abendmahl, Ölberg, Richthaus und Golgatha besingt. Auch Kaiphas, Judas, die Magd, Petrus und Pilatus werden zu Wort kommen. Im ersten Teil erwarten die Zuhörer Instrumentalmusik und Passionsgesänge, die auf das Oratorium hinführen. Der Ludwig-Thoma-Chor wird beispielsweise das „Popule Meus“ von Ludovico da Vittoria (1548 bis 1611) und das „Und“ aufführen. Der Text stammt von Werner Klinger, die Musik von mir. Alles a cappella, also ohne den schützenden Mantel des Orchesters.

Ein Oratorium braucht viele Kräfte. Wen konnten Sie dafür gewinnen?

Rupert Schäffer wird den Evangelisten geben, das Chiemgauer Saitenensemble unter Leitung von Brigitte Buckl wird mitwirken, ebenso Bläser wie der Trompeter Peter Gasser, Schlagwerker unter Leitung von Harald Schulz und natürlich der Ludwig-Thoma-Chor Prien mit diversen Solisten.

Sie werden heuer 84, und doch wirken Ihre Kraft, Ihre Dirigierfreude unendlich. Haben Sie nicht das Bedürfnis nach echtem Ruhestand?

Nein, ich kann von der Musik nicht lassen. Auch heuer haben wir ein umfangreiches Programm geplant. Am 25. Mai werden wir im unvollendeten Treppenhaus von Schloss Herrenchiemsee ein Konzert zusammen mit den Grassauer Blechbläsern geben. Am 12. Oktober wird im Kloster Schäftlarn eine neue, von mir komponierte Messe zu Ehren der heiligen Monika erklingen. Und Anfang Dezember führt der Ludwig-Thoma-Chor ein reines A-cappella-Konzert in der evangelischen Christuskirche in Prien auf. Da heißt es viel üben. Der Chor gründete sich vor über 20 Jahren, wir proben jeden Samstagvormittag. Derzeit sind es rund 40 Sängerinnen und Sänger. Das Singen im Chor spricht viele Menschen an. Beim Singen entsteht Gemeinschaft. Und auch für mich ist die Probenarbeit beglückend. Sicher, irgendwann werde ich kürzer treten müssen, aber solange ich noch dirigieren, komponieren und musizieren kann, werde ich nicht nachlassen. Die Musik baut mich immer wieder auf. Das ist für mich wie ein Jungbrunnen.

Heiliges Grab

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