Ein Meisterkonzert im Künstlerhof

von Redaktion

Thomas Schuch begeistert mit Schumann in der Matinee

Rosenheim – Unverhofft kommt zwar nicht oft. Doch wenn sich eine Geigerin die Hand verletzt, dann ist das ganze Streichquartett aus dem Rennen. Ein Albtraum für Veranstalter!

Dabei hätten die vier Damen termingerecht zum Welttag der Frau Werke von Komponistinnen im Angebot gehabt. Diese Absage war die schlechte Nachricht.

Ersatz
mobilisiert

Die Gute: In Windeseile gelang es Alice Guinet, der Vorsitzenden des Tonkünstlerverbands, Ersatz zu mobilisieren. Der Rosenheimer Pianist Thomas Schuch, mehrfacher Preisträger, sprang in die Bresche und hatte zwei Schwergewichte im Gepäck, nämlich die „Davidsbündlertänze“ op.6 und „Carnaval“ op.9, zwei Jugendwerke Robert Schumanns. Man darf sie aber gut und gerne schon zu den frühen Höhepunkten seines Schaffens zählen.

Die beiden Klavierzyklen sind „Schwergewichte“ nur in Hinsicht auf ihre Bedeutung. Überschäumend in jugendlichem Überschwang und übermütig im wirbelnden Wechsel der Charaktere tänzeln die einzelnen Stücke schwerelos wie Schmetterlinge (die damals dem jungen Schumann sicher im Bauch flatterten) und entfalten eine pianistische Brillanz, die dem Interpreten eine gehörige Portion an Virtuosität abverlangt und zugleich sein Feingefühl für die extrem komplexe poetische Textur fordert. Thomas Schuch besitzt beide Tugenden, und so wurde diese zweite Matinee der Saison fast unversehens zu einem großartigen und zum Schluss heftig bejubelten Meisterkonzert. Ein Kraftakt und eine Tour de Force, die Thomas Schuch souverän meisterte. Er kam, spielte (auswendig und nicht einmal mit Spickzettel) – und siegte! Nach den heftigen Fortissimo-Akkorden am Ende des „Carnaval“ hatte Schuch noch die Reserven, um das Finale vom „Faschingsschwank aus Wien“ als Zugabe nachzuschieben.

In den Notentext hat Schumann viel Persönliches verwoben. Man muss das zum Musikverständnis vielleicht nicht unbedingt wissen, aber es erleichtert doch den Durchblick und das Amüsement. Das gedruckte Programm gab dezente Hilfestellung und Schuch selbst gab kurze, lockere Einführungen. Natürlich, die Clara tauchte musikalisch auf, ebenso wie die frühe, kurzzeitig verlobte Ernestine von Fricken, und Chopin wie Paganini wurde gehuldigt. Doch Schumann vermied jegliche Sentimentalität oder triefende Ohrwürmer. Freilich tauchten, oft durch die Stimmen geisternd, markante Motive auf, die vom Interpreten aus der Vollgriffigkeit klar „herausgefiltert“ wurden. Schuch nimmt auch die Spielanweisungen wie „mit Humor“, „wild und lustig“ oder „frisch“, „zart und singend“ mit spielerischer Direktheit, ohne weitere Bedeutungsebenen hineinzuinterpretieren. Regisseure mache so was ja gern.

Die „Davidsbündlertänze“ und „Carnaval“ sind lichtdurchflutete Romantik. Schumanns Affront gegen das „Althergebrachte“ (gegen „Philister“ oder Spießer!) gibt sich unverkrampft als fröhlicher Optimismus… So hat Thomas Schuch diese Werke gespielt zum großen Entzücken des Publikums. Die vielen Zuhörer waren eine Stunde lang mucksmäuschenstill, wie gebannt, übrigens auch einige Kleinkinder, Respekt! Walther Prokop

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