Wasserburg – Fake News, Social Media und die neue Weltordnung standen bei „Altingers Brettl“ auf dem Programm. Mit bittersüßem Humor zeigten Michael Altinger und seine Gäste Tobias Mann, Nektarios Vlachopoulos, Karsten Kaie und Andreas Rother, dass wir uns gerade in einer Zeitenwende befinden, in der die Satire von der Wirklichkeit bei Weitem übertroffen wird.
Michael Altinger
zieht das Mikro
Es sei ein „long long way“ gewesen, hierher zu kommen: Wie der unbekannte Cowboy im langen Mantel und mit dem tief ins Gesicht gezogenen Hut die Bühne betrat, dachte man zunächst an eine schlechte Kopie von Donald Trump. Doch als der Revolverheld statt einem Colt das Mikro aus dem Gürtel zog, wurde schnell klar: Nicht der US-Präsident, sondern Michael Altinger begrüßte die Gäste im ausverkauften Rathaussaal.
Über Trumps Kulturkampf und seinen bizarren Adlatus Elon Musk konnte Altinger dann auch so einiges berichten. Nach dem Maga-Slogan (Make America Great Again) zur Trump-Wahl sei es jetzt an der Zeit für „MBGA – Make Bavaria Great Again“; also machen wir Bayern wieder großartig. Und wie das genau gehen soll, dazu hatten auch die drei weiteren Brettl-Gäste jede Menge grandioser Ideen. Für die passende musikalische Begleitung sorgte Andreas Rother. Der Gitarrist hatte die passenden Melodien dabei, zumal Altinger das Singen für sich entdeckt hat.
Karsten Kaie begeisterte mit einer intelligenten Mischung aus Kabarett und Comedy. Besonders Alltagssituationen haben es ihm angetan, die er mit elegantem Sprachwitz zu kabarettistischen Höhen treibt. Als Zeitreisender aus dem Jahr 2068 schwelgte der erste Gast des Abends in Erinnerungen an die fantastische Zeit der Goldenen 2020er. „Pandemie und Kriege waren gerade vorbei; Ich wurde Buchtitelerfinder und war damals in aller Munde.“ Gerade in der großen Politik sei die Nachfrage enorm gewesen. Armin Laschet und Annalena Baerbock, Altkanzler Gerhard Schröder und „Baldkanzler“ Friedrich Merz zählten, so Kaie, damals zu seiner prominenten Kundschaft. Karsten Kaie verband messerscharf pointierte Sozialkritik mit unterhaltsamen Parodien. Und als besondere Zugabe gab es einen unglaublich witzigen Bildungsbürgertest fürs Publikum. Wie „Dirty Talk“ auf Schwäbisch klingt, dazu klärte Nektarios Vlachopoulos auf. Der Slam-Poet und Comedian mit griechischer Abstammung bewies, dass der schwäbische Dialekt beim Sex nicht gerade die Erotik knistern lässt – selbst dann nicht, wenn der Text aus „Fifty Shades of Grey“ stammt. Überhaupt scheint der studierte Germanist und Anglist Vlachopoulos mit Beziehungen und dem „Daten“ so seine Probleme zu haben. Da helfen weder künstliche Intelligenz (KI) noch sonstige Strategien: „Aus Mett machst du halt kein Marzipan und schon gar nicht, wenn du die große Liebe suchst.“ Aber selbst banale Alltagsgeschichten wie das regelmäßige Telefonat mit seiner nach Griechenland zurückgekehrten Mutter waren an Sprachwitz nicht zu überbieten.
Polit-Kabarett
trifft Wortwitz
Wo die Unterschiede zwischen Fake und Deep-Fake liegen, wusste schließlich Tobias Mann. Der Philosoph unter den vier Protagonisten des Abends bot eine rasante Mischung aus klugem Polit-Kabarett mit Wortwitz und Gesang. In einer Zeit der Fälschung, Täuschung und Manipulation von Fakten sei Deep-Fake besonders gefährlich. Absichtlich falsche Informationen zu verbreiten, sei in, und wenn mit KI erstellt, ohnehin nicht mehr zu erkennen. Dabei könnte doch gerade die künstliche Intelligenz alle Probleme der Menschheit lösen. Was aber ist, wenn KI bemerkt, dass der Mensch das eigentliche Problem ist, daran mag man erst gar nicht denken.