Ein Meisterkurs und zwei Konzerte

von Redaktion

Jazz nach Noten für Piano-Trios in der Villa Sawallisch

Grassau – Eingeweihte Kenner des Konzertprogramms wissen, dass schon Wolfgang Sawallisch in jungen Jahren gerne am Piano Jazz improvisiert hat. Dass seine Stiftung einmal Meisterkurse in diese Richtung anbieten würde, hätte ihn vielleicht überrascht, sicher aber auch als mutige Intention gefreut. Andreas Baumgartner hat diesen Mut, als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender ist er ein rühriger Programm-Macher, der seinen Blick über die bewährten, aber doch auch vorgeprägten Muster eines Klassikprogramms hinaus gehen lässt. Zum Beispiel mit der Reihe „Lesungen mit Musik“, aber eben besonders auch mit Themen und Interpreten des Jazz.

Amüsante
Anekdoten

Einen Meisterkurs gab es jedoch bisher noch nicht, und dann gleich einen so speziellen wie für das Jazz-Trio von Piano, Bass und Schlagzeug. Baumgartners gute Vernetzung brachten drei Hochschul-Dozenten von Rang und internationale Jazz-Größen auf die Grassauer Bühne: Tizian Jost, Pianist und Dozent an der Musikhochschule München, wo auch Michael Keul Dozent für Schlagzeug ist und als Dritten im Bunde Rudi Engel, Professor am Jazz-Bass an den Musikhochschulen in Würzburg und Nürnberg. Diese drei Vollblut-Jazzer gaben ihr Einstandskonzert in der Villa Sawallisch, von dem die Dabeigewesenen später noch gerne erzählen werden. Es stand ganz im Zeichen der bekannten, aber auch der versteckten Jazz-Klassiker, unterhaltsam moderiert von Michael Keul, den die Grassauer auch als Lehrer an ihrer großen Musikschule kennen. Stücke von Thelonius Monk, Art Blakey oder Duke Ellington, aber auch von Steve Swallow oder seinem Schweizer Kollegen am Bass, Isla Eckinger, waren zu hören. Zu allen Namen, Stücken und Hintergründen hatte Michael Keul amüsante Jazz-Anekdoten parat, die aber auch immer informativ und lehrreich waren.

Das Programm war an diesem Vorfrühlingsabend die reine Entspannung: Viele bekannte Titel, mal Balladen, mal Blues und auch mal Bossa-Nova – Lateinamerika ist Tizian Josts Spezialität – oder auch mal Bebop, und alles mit einer lässigen Sicherheit dargeboten, dass es eine Freude war. Zwischendurch als musikalisches Ratespiel fürs Publikum ein Stück aus Josts Album „Feindsender“ mit verjazzten Stücken aus einer Zeit, als in Deutschland der Jazz verboten war. Nach ein paar Takten war klar: Das kennen wir doch von der Zahra Leander, oder? Die letzte der zwei Zugaben war der Evergreen „On The Sunny Side of the Street“ und so fühlten sich die meisten nach diesem Konzert: endlich mal raus aus dem Schatten. Am Sonntag folgte dann, wie bei jedem Meisterkurs der Sawallisch-Musikakademie, das Abschlusskonzert mit den Schülern des Kurses. Diesmal waren es nur zwei, was Andreas Baumgartner so kommentierte, dass „sich das Angebot in der Jazz-Szene sicher noch rumsprechen wird“. Der Pianist Johannes Freyberger aus Prien und der Bassist Dieter Krause aus dem hessischen Steinau waren auch keine Schüler im herkömmlichen Sinn. Erfahrene Musiker wie sie, die ihr Fach ernst nehmen, sind ja immer auf der Suche nach Vervollkommnung. Und so spielten die Beiden zusammen mit Michael Keul am Schlagzeug am Sonntag ein Matinee-Konzert von acht Stücken, bei dem sich die angenehm überraschten Zuhörer fragten: „Was haben die gelernt, was die nicht ohnehin schon konnten?“

Michael Keul moderierte das so, dass bei einem Lehrer je Schüler eine „Turbo-Intensiv-Behandlung“ das Ergebnis ist und der Meisterkurs in dem Fall die „volle Packung“ bedeutet hat.

Noten als
Gedächtnisstütze

Wie auch immer, dafür dass die drei nur wenig üben konnten für einen gemeinsamen Auftritt, war das ein Spitzenkonzert. Zwei Eigenkompositionen von Johannes Freyberger waren zu hören, Dieter Krause hatte einen Calypso von Charly Parker mitgebracht und zwischendurch erklärte Michael Keul, wie sich das mit den für Jazz ungewohnten Noten verhält, die jeder vor sich hatte. Je Stück oft nur ein A4-Blatt, „mit den Noten des Themas als Gedächtnisstütze. Wichtiger sind die Bleistift-Notizen am Rand, nach denen wir uns beim Spielen verständigen.“ Das klappte an diesem Sonntag perfekt mit diesen kleinen Gesten, wie sie es mögen, die Jazzfreunde, die ganz nebenbei noch etwas dazu gelernt haben.

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