„Der Zauber der Gemeinschaftlichkeit“

von Redaktion

Andreas von Studnitz spielt am Freitag und Samstag Ein-Personen-Stück von John Clancy

Rosenheim – Andreas von Studnitz (71), Schauspieler, Regisseur und ehemaliger Theaterintendant in Ulm, wohnt in Rimsting und spielt nun dort in der „Werkstatt“ ein Ein-Personen-Stück von John Clancy mit dem Titel „Event“. Im Interview erzählt er vom Theater als „Zauber der Gemeinschaftlichkeit“ und vom Spaß, alleine auf der Bühne zu stehen.

Herr von Studnitz, erzählen Sie uns doch etwas über dieses Stück.

Ich bin vor zehn Jahren in Ulm zufällig auf dieses Stück gestoßen. Ich las den Text und dachte: „Das muss ich machen.“ Es gab einen Schauspieler, von dem ich den Text hören wollte – dann dachte ich mir aber: Bevor ich den dahin trage, mach ich es selber. Erstens sind da so tolle Textstellen über Kritiker drin – und ich hatte ja mein Hühnchen zu rupfen mit der dortigen Presse – , dann sag ich das selber. Und zweitens kann ich testen, ob ich die Leute über 60 bis 70 Minuten langweile oder nicht.

Können Sie einen Satz über die Kritiker daraus zitieren?

„Diese Begutachter dürfen Plattköpfe sein, inkompetente, unqualifizierte, gescheiterte, verbitterte, seelenlose Schreiberlinge. Die Fremden außerhalb des Saales werden nichtsdestotrotz ihre Worte lesen und ihnen vertrauen.“ – Ich finde den ganzen Text wunderbar in seiner Raffiniertheit, wie er den Moment, in dem er sich ereignet, immer wieder in- frage stellt und dann direkt zu wesentlichen Fragen kommt – er stellt ja nur Fragen, Fragen, Fragen und stellt letztlich die Frage nach Gott. Da herrscht eine große Ratlosigkeit.

Das heißt: Er verkündet keine Gewissheiten, sondern stellt nur Fragen.

Die einzige Gewissheit, die er verkündet: „Es gibt Momente, die sich vielleicht nur dem Zauber der Gemeinschaftlichkeit verdanken.“ Damit meint er das Theater, diese kollektive Halluzination.

Theater als „Zauber der Gemeinschaftlichkeit“?

Natürlich: Einige Leute wohnen einer vollkommenen Fiktion bei und folgen ihr. Wenn man dies politisch oder religiös deutet, sind wir in ganz anderen, auch missbrauchbaren Dimensionen. John Clancy sagt auch: „Dieser Moment, wo es zwischen Menschen, die sich nicht kennen, nichts Trennendes mehr gibt, ist schon ein Wunder.“ Das Wunder ist ja, dass diese Menschen die gleichen Gedanken und Gefühle haben, wenn sie eine Aufführung ansehen. Ein Fußballspiel kann auch so stattfinden, da spielt man halt Fußball.

Aber hat der Fußball heute nicht auch theatralische Dimensionen?

Ja – aber da gibt es ja keine Texte (schmunzelt).

Sie sind bei diesem Stück Ihr eigener Regisseur?

Mittlerweile ja. Früher hat natürlich jemand draufgeguckt. In Ulm habe ich das Stück von hinten bis vorne „schlecht gelaunt“ gespielt. Ich habe dann später umgeschaltet, sodass es subversiv-freundlich, ein bisschen englisch wird.

Ist so ein Solo-Stück anstrengender als mit mehreren Personen zu spielen?

Das Entscheidende ist: Du bist da! Du musst deine Anwesenheit interessant machen. Diese Aufgabe, sich als Schauspieler nicht vom Text treiben zu lassen, sondern zu warten, bis er kommt – das macht schon sehr viel Spaß. Und das kann mir auch niemand versauen! (schmunzelt). Meine Partner sind die Leute im Publikum, obwohl die nicht mitspielen.

Der Autor ist Amerikaner. Ist das Stück aber nicht doch geprägt von britischem Humor?

Mich erinnert das Stück schon ein bisschen an Monty Python. Es wurde witzigerweise in Schottland uraufgeführt. Dieser Autor ist kein typischer Theaterautor. Sein Text ist mit den vielen kleinen Seitenhieben hochpolitisch.

Also ist es für die Zuschauer wie auch für Sie ein Spaß?

Natürlich!
Interview: RAINER W. JANKA

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