Inspiriert von Raubling

von Redaktion

Interview Musiker Michael Fenzl zum Tourauftakt von „Fenzl und Bäänd“ in Bruckmühl

Bruckmühl – Es wird kultig am Samstag, 22. März, in der Kulturmühle: Fenzl und Bäänd rocken das Haus. Unter dem Motto „Sommer. Sound. Liebe“ findet dort der Tourauftakt 2025 statt – samt einer ein Meter Durchmesser messenden Discokugel. Rockmusik im Dialekt lässt die „Bäänd“ auf einmalige und eingängige Art und Weise erklingen. Die Band, das sind: Michael U. Fenzl (Gesang, Kontrabass, Gitarre), Rob Solomon (Posaune, Tuba, Farfisa), Max Spindler (Gitarre, Gesang) und Andy Schechinger (Schlagzeug, Gesang). Liedermacher, Musiker und Bandleader Michael Fenzl erzählt im Interview von der Tour und vor allem, was sein Kontrabass so alles aushalten muss.

Sommer, Sound, Liebe – das klingt so nach Urlaub. Entführt eure Tour – ganz ohne in den Flieger steigen – in einen Urlaub vom Alltag?

Ich bin ein Wärme und Sonne liebender Mensch. Für mich dürfte es immer Sommer sein. Sobald die Sonne scheint, geht es mir gut. Und dieses Gefühl möchten wir gerne bei unseren Konzerten transportieren. Eine gute Zeit haben, gute Gedanken. Es gibt derzeit so viel Hass und schlechte Nachrichten. Bissl Auszeit davon tut uns sicherlich gut.

Der arme Kontrabass hat jetzt schon einiges mitgemacht. Jetzt ist er sogar für „Sommer“ baden gegangen. Was steht ihm noch bevor?

Ich habe und hatte insgesamt drei von demselben Kontrabass-Modell. Ein Standardinstrument, das ich für meine außergewöhnliche Spielweise und für den fetten Sound umgebaut und modifiziert hab. Custommade sozusagen. „FENZL 3000“ ist sein Name. Mein erster Kontrabass wurde durch Nr. 2 ersetzt, weil sich sein Hals über die Jahre verzogen hatte. Seither hab ich vor allem mit Nr. 2 gespielt und bin mit ihm um die halbe Welt, über Italien, Finnland, Slowakei, Russland, Indien bis nach Korea gereist. Einen dritten Bass hab ich mir nur als Ersatz zugelegt, falls an meinem Hauptbass mal etwas kaputt gehen sollte. Für unseren Videodreh zu „Sommer“ musste der Prototyp dann dran glauben. Während der Dreharbeiten in der Mangfall hat sich langsam der Leim aufgelöst und zum Schluss hab ich ihn, wie man im Video sieht, mit einem Wurf gegen das Klavier, das auch im Wasser stand, zerstört. Meine Instrumente machen also so einiges mit! Huift ja ned!

Wie überlebt der Bass denn all die Eskapaden?

Ich benutze meinen Kontrabass live auf der Bühne nicht nur zum Spielen, sondern auch als akrobatischen Tanzpartner. Ich stehe des Öfteren beim Spielen auf dem Bass, dreh ihn im Kreis, oder schleif ihn hinter mir her, wenn ich einen Ausflug ins Publikum mache. Da muss das Material schon so einiges aushalten. Im Tourbus liegen deshalb immer Leim, Schrauben und Schraubzwinge. Das Werkzeug kommt nach Konzerten häufiger zum Einsatz.

Wenn ihr spielt, rockt ihr jede Location. Woran macht ihr diesen besonderen Bühnenspirit fest?

Das ist die Aufgabe! Die Leute zu unterhalten, zu berühren und zum Tanzen und zum Feiern zu animieren. Wenn das nicht gelingt, haben wir was falsch gemacht. Auf der Bühne fühle ich mich wie zuhause. Da bin ich ganz im hier und jetzt bei mir, bei der Band und beim Publikum. Meine Kollegen und ich geben immer alles und danach sind wir auch jedes Mal völlig durchgeschwitzt und ausgepowert. Das gehört für mich zu einem gelungenen Konzertabend dazu.

Mundart ist seit geraumer Zeit in der modernen Musik wieder voll „in“ und spricht die Jugend an. Ist dir der Dialekt wichtig?

Als ich damals 2011 als Gründungsmitglied mit Django 3000 durchgestartet bin, war Mundart wieder voll im Trend. Labrassbanda und wir waren da unter anderem maßgeblich beteiligt. Mittlerweile gibt es eine unglaublich große Zahl an Bands und Künstlern, die in Mundart singen. Schon schön! Die bairische Mundart ist für mich neben der englischen Sprache am sanglichsten. Und nachdem ich bairisch aufgewachsen bin, ist das die ehrlichste Sprache für mich, mit der ich mich auch am besten ausdrücken kann.

Ihr bekennt euch zu eurer Heimat. Letztes Jahr widmete ihr Raubling auch den Tournamen. Was macht Heimat für dich/euch aus?

Ich lebe in Rosenheim und hatte mein Studio zehn Jahre lang in Raubling. Ein Ort, an dem ich unglaublich viel Musik geschrieben habe und der mich auch durch die Landschaft sehr inspiriert hat. Deswegen und auch wegen dem spannend klingenden Ortsnamen war mir klar, dass ich Raubling einen Song, ein Album und eine Tour widmen möchte. Es gibt so viele schöne Plätze auf unserem Planeten. Echt beeindruckend und immer eine Reise wert. Aber auch unser zuhause im Voralpenland ist wahnsinnig schön und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier leben darf. Heimat ist immer da, wo man sich geborgen fühlt und vor allem da, wo seine Liebsten sind.

Wie entstehen eigentlich eure Lieder? Wie muss man sich das vorstellen?

Ich hab nachdem ich Django 3000 im Jahr 2017 verlassen habe mein Projekt „Fenzul“ gegründet. Ich hatte eine Vielzahl an Songs, die ich geschrieben und im Jahr 2018 auf meinem Debüt-Album veröffentlicht habe. Mittlerweile hat sich nach mehreren Besetzungswechseln eine feste fantastische Liveband formiert, mit der ich die Konzerte spiele. Die Songs schreib ich nach wie vor zum größten Teil selbst. Wie ich einen Song schreibe, ist sehr unterschiedlich. Manchmal hab ich eine Textzeile, manchmal eine Melodie, manchmal einen Groove oder einfach ein Bild, oder eine Stimmung im Kopf. Das skizziere ich kurz als Sprachaufnahme, oder auf einem Notizblock und sobald ich im Studio bin, arbeite ich den Song am PC aus. Diese Aufnahmen schick ich dann zu meinen Bandkollegen und lass die skizzierten Drums und Posaunen einspielen. Für die Schlagzeugaufnahmen haben wir uns diesmal im Tonstudio „die:mischbatterie“ bei Stephan Zeh eingemietet. Ein Wahnsinns-Studio mit überragender Technik und einem ebenso guten Tontechniker. Gitarre, Bass, Tasten und Gesang nehm‘ ich selbst auf und den finalen Mix macht dann mein lieber Kollege Max Spindler in seinem Studio nebenan. Und mittlerweile ist schon die vierte Fenzl-Scheibe „Sommer, Sound & Liebe“ im Kasten.

Gibt es auch Songs, die erst nach ein paar Jahren Reife auf die Bühne kommen?

Ja, manchmal ist ein Song binnen Stunden ausgearbeitet, manchmal braucht es Monate oder gar Jahre, bis er für mich fertig ist. Das macht aber im Ergebnis keinen Unterschied. Die Songs können gleichermaßen gut werden. „Sommer“ zum Beispiel hatte ich schon zu Django-Zeiten angefangen zu schreiben, ist aber erst auf meinem zweiten Album erschienen! Auch „Raubling“ lag einige Monate im Schubladen, bis ich ihn fertig geschrieben habe. Wogegen „Oiwai easy island“zum Beispiel einfach so aus mir rausgesprudelt ist. Ein sehr schöner Moment! Man setzt sich einfach hin und spielt und singt und drückt auf Record und schon ist es fertig! In diesem Fall waren das keine zwei Stunden.

Seid ihr zum Tourauftakt in Bruckmühl a bissl nervös oder scharrt ihr schon mit den Hufen und wollt einfach Gas geben?

Der Start eines neuen Programms mit neuen Songs ist für uns immer aufregender, als wenn man schon zehn Abende dasselbe aufgeführt und sich eine gewisse Routine eingespielt hat. Da spielt natürlich eine gewisse Aufregung eine Rolle. Aber die Vorfreude ist so riesig und überwiegt auf jeden Fall! Es kann also losgehen. Und ich bin mir sicher: Es werd a Fetzngaudi werdn!

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