Bad Aibling – Traum und Wirklichkeit stoßen in der Gemeinschaftsausstellung von Bildhauerin Sonja Keppler und Malerin (auch Videoinstallationen) Constanze Raach aufeinander. Und doch liegt viel gemeinsames Gedankengut in den Arbeiten.
Beiden Künstlerinnen ist es ein Anliegen, auf das hinzuweisen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Zwar basieren die Figuren von Sonja Keppler auf dem vermeintlichen geistigen Erbe früherer Generationen, aber sie haben auch etwas Neues, Unverbrauchtes. Es geht um das Material, mit dem die Künstlerin ihre „Erbstücke“ fertigt, die so echt ausschauen und so trefflich in unsere Vorstellung von altem Gut passen.
Pseudo-realistische
Gegenstände
Es sind Dinge wie hauchdünner Kupferdraht, Papiermaché, Plastik oder vieles mehr, aus denen Sonja Keppler wie Werkzeuge oder Haustiere anmutende Gegenstände erstehen lässt.
Die Objekte zeigen authentisch wirkende Wesenheiten, man traut ihnen zu, dass sie in früheren Kulturepochen eine Funktion erfüllt haben. Dass sie in Wahrheit aus Materialien gemacht sind, die es früher noch gar nicht gab, ist für den Betrachter nicht zu erkennen.
Mehrere Studiengänge haben sie zu dieser Art Gestaltung befähigt, auch der letzte, nämlich „Design and Future Making“, den sie an der Hochschule Pforzheim mit dem Master of Arts abschloss.
Dieses Netzwerk der von Keppler gestalteten Gegenstände formt unsere geistigen und realen Verhältnisse – unsere Realität. Und so sitzen fremdartige Wesen auf Sockeln und geben Rätsel auf. Besonders ins Auge fällt der „Mann im Widerstand“, eine Kopfbedeckung, die aussieht, als sei sie aus lauter Perlen gestickt.
In Wahrheit handelt es sich um Elektronikbauteile, farbig, glänzend, ästhetisch. Eine begleitende Liste sagt uns etwas über die Titel, aber auch über das Material wie beispielsweise Draht, Papiermaché, Farbe, Tonkügelchen.
Den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen, ist das Anliegen beider Künstlerinnen. Constanze Raach schuf nach einem Studium in Stuttgart ihre ersten Werkgruppen „Tapetenbilder“, „Wolkenbilder“ und „Menschen“ von 1965 bis 1970.
Da gibt es zum Beispiel die Werkgruppe „Lost Paradise“, für die bereits 1970 die ersten Bilder entstanden sind. Raach hat das Thema nach einigen Jahren wieder aufgegriffen, zuletzt durch Collagefragmente eines rotfleischigen Apfels, der Merkmale der Weiblichkeit aufweist. Zu den neun Teilen des zerschnittenen Apfels kommen auf beiden Seiten noch Bildergänzungen, man erkennt zum Beispiel ein Gesicht – Mund und Nase kunstvoll eingearbeitet.
Ein Video und eine Installation runden das Thema ab. Auch das Bildnis der Venus von Botticelli wird mit Farbveränderungen und neu dazugekommenen Abstraktionen ins Erschreckende umgestaltet. Mit weit aufgerissenen Augen schaut die Venus auf die Welt um sich herum.
Zeichnungen als
politische Kunst
Zeichnen geht für Constanze Raach einher mit der Auseinandersetzung mit soziopolitischen Fragen. Nie zeichnet oder malt sie ohne kritische Ambitionen, auch wenn die optimistischen Farben zunächst an Positives denken lassen. Dennoch wohnt allen Bildern eine auffallende, berührende Ästhetik inne. So auch den Bildern vom Pferderennsport.