Rosenheim – Die Eröffnung des musikalischen Reigens aus sechs Werken im Stile einer Toccata sorgte bereits zu Beginn des „Meisterkonzerts“ im Kultur- und Kongress-Zentrum für frühlingshafte Anmutungen. Das Streichorchester Sinfonietta Cracovia intonierte Satz eins, zwei und vier aus der Klaviersonate a-Moll S.740 von Benedetto Marcello, für Streicher umarrangiert von Ettore Bonelli.
Ein schwungvoller Beginn
Der Venezianer Marcello war im Hauptberuf Jurist, hinterließ jedoch ein erstaunlich umfangreiches musikalisches Oevre. Ein schwungvoller Beginn also, mit einigen Kontrasten im Tempo und mit expressivem Charakter, gekonnt dargeboten vom Orchester der königlichen Hauptstadt Krakau und dirigiert von Markus Korselt, Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters.
Dann betrat die Star-Solistin Alena Baeva die Bühne. Die Violinistin gilt als Musikerin von Weltrang, sie hat mit vielen hochrenommierten Klangkörpern konzertiert wie dem London Philharmonic Orchestra und dem Royal Philharmonic Orchestra.
Die gebürtige Kirgisin spielt auf einer fast 300 Jahre alten Geige von Guarneri del Gesù. Eine ihrer „Spezialitäten“ ist die Aufführung seltener oder verloren geglaubter Werke der Musikgeschichte. Im Meisterkonzert war dies von Johann Sebastian Bach das Violinkonzert d-Moll BWV 1052. Dessen Urfassung ist zwar verschollen, doch hat sich wohl ein Zwischenstadium erhalten, eine mutmaßlich zweite Version, als Rekonstruktion aufbereitet von Jan Tamura.
Im Meisterkonzert ergänzte ein Cembalo die Aufführung, die passagenweise ruhig dahinfloss, dann wieder dynamischer – stets war trotz der vielgestaltigen Streicherumgebung der Klang von Baevas Violine herauszuhören.
Das Programm des Abends war musikgeschichtlich chronologisch aufgebaut, und so folgte aus der Feder des damals 16-jährigen Mozarts dessen Divertimento F-Dur KV 138. Tänzerisch und quirlig-unterhaltsam ging es in die Pause. Mit einem weiteren „Wunderkind“ begann Hälfte zwei des Meisterkonzerts: Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte 1822 als gerade mal 13-Jähriger das hochkomplexe Orchesterwerk Violinkonzert d-Moll mit den drei Sätzen Allegro molto, Il Andante und attacca: Ill Allegro.
Von der Uraufführung ist zwar nichts bekannt, im Rosenheimer Meisterkonzert jedoch hinterließ die Interpretation des Krakauer Orchesters mit Solistin Alena Baeva nachhaltig Eindruck. Kraftvolle Unisono-Passagen zu Beginn und Ende des Kopfsatzes, grandioser Verve in der ganzen wellenhaften Dynamik des Stücks mit einer effektvollen Steigerung. In Satz zwei verfolgte das Publikum im leider nur zu drei Viertel gefüllten Saal gespannt das filigrane Wechselspiel von Baevas Solielementen und dem Widerhall des Orchesters. Hierfür gab es großen Extra-Applaus und die strahlende Violinistin wurde mit einem Blumenstrauß leider schon verabschiedet.
Moderne
polnische Musik
Statt eines ursprünglich angekündigten Werkes von Paderewski kam das Konzert für Streicher der polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz (1909 bis 1969) zur Aufführung. Die Komponistin gilt als eine der Hauptvertreterinnen moderner polnischer Musik. Mit viel Energie agierte das Krakauer Streichorchester, facettenreich brachte es süßliche, aber auch dramatische Nuancen zum Ausdruck.
Den Abschluss bildete die Serenade in e-Moll op.20 von Edward Elgar, die harmonisch und weich etwas an Filmmusik erinnerte. Zum Abschluss des Abends mit sechs Werken aus älterer und neuerer Musikgeschichte kredenzte das vom kräftigen, anhaltenden Applaus belohnte Orchester noch eine kurze und frühlingshaft-fröhliche Zugabe.