Kiefersfelden – Als wenn das Wetter die Darbietung im Dynafit Headquarter Kiefersfelden erahnt hätte, schneite es an diesem Abend nach milden Tagen noch einmal überraschend und kräftig. Auf dem Programm im puristisch modernen Konzertsaal stand nämlich die „Winterreise“ von Franz Schubert. Anahita Ahsef (Mezzosopran) und Paul Rivinius (Klavier) verzauberten das Publikum mit dem berühmten, wehmütig dramatischen Liederzyklus, der ein Jahr vor Schuberts Tod entstanden ist.
Schubert hat mit den Nöten des einsamen Wanderers die existenziellen Schmerzen des Menschen dargestellt. Ohne Ziel und Hoffnung zieht der unglücklich verliebte Wanderer aus eigener Entscheidung hinaus in die kalte Winternacht. Den Liederzyklus kennzeichnen starke Stimmungsgegensätze von überschwänglicher Freude bis hin zu hoffnungsloser Verzweiflung. Anahita Ahsef und Paul Rivinius gelang es meisterhaft, den Gefühlskosmos des Wanderers in Töne zu setzen.
Symbolhafte Traurigkeit verströmte bereits das erste Lied „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.“ Anahita Ahsef beherrschte von Anbeginn den passenden Ausdruck in Stimme und Gestik. Ihr Mezzosopran war in den „Gefrorenen Tränen“ wehmütig-verhalten, im Lied „Frühlingstraum“ anmutig und zart, im „Lindenbaum“ voll erschütternder Melancholie. Paul Rivinius am Klavier begleitete die Sängerin mit großer Sensibilität, spielte mal betörend sanft, wie in dem Lied „Einsamkeit“, dann wieder ausgelassen kraftvoll wie in „Die Post“, als das Herz des Wanderers vor freudiger Erwartung hoch aufspringt.
Ahsef und Rivinius bildeten den ganzen Zyklus über eine harmonische klangliche Einheit. Beide waren unglaublich präsent, besaßen große Souveränität und strahlten konzentrierte Ruhe aus.
Zu Tränen rührte das Lied „Die Krähe“, in dem hohe Sechzehnteltriolen den Flug des Vogels versinnbildlichen, aber auch das Lied „Im Dorfe“, als der Wanderer zu Ende ist mit allen Träumen und keine Hoffnung mehr hat.
Nach dem zwölften Lied, also genau nach der Hälfte des Zyklus, gab es bewusst eine kurze Pause zum Innehalten. Je nach Stimmung der Lieder wechselte die Beleuchtung. Die nüchterne, unfertig wirkende Betonwand des Saales im Hintergrund wurde mal wohltuend in zartes Rot, mal in dunkel leuchtendes Blau getaucht. Etwas störend zwischen den Liedern war das leise, aber deutlich zu hörende Rauschen vermutlich einer Lüftungsanlage.
Für ihre überragende Darbietung erhielten Anahita Ahsef und Paul Rivinius vom Publikum lang anhaltenden und begeisterten Applaus. Georg Füchtner