Eine nostalgische Ozeanreise

von Redaktion

Quadro Nuevo und Gäste entführen im Kuko musikalisch in die Epoche der „Titanic“

Rosenheim – In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 kollidierte der britische Passagierdampfer – das luxuriöseste Schiff seiner Zeit – mit einem Eisberg im Nordatlantik. Als die „Titanic“ nach und nach in den eiskalten Fluten versank, sorgten die acht Bordmusiker für tröstende Klänge – sie spielten bis zum bitteren Ende. Alle sieben Streicher und der Bordpianist kamen in jener Nacht ums Leben. Bezüglich ihres letzten Musikstücks kursieren mehrere Versionen, wie die aktuell eröffnete Lokschuppen-Ausstellung „Titanic – ihre Zeit. Ihr Schicksal. Ihr Mythos“ dokumentiert und wo auch ein original erhaltenes Steinway-Piano vom Schwesterschiff Olympic ausgestellt ist.

Musikalische
Gäste eingeladen

Ein paar Tage nach Eröffnung der Ausstellung entführten nun die Weltmusik-Formation „Quadro Nuevo“ und Gäste in einer Zeitreise in die Musik dieser Epoche. In schöner Tradition hatten sich die Quadros zu ihrer Stammbesetzung mit Mulo Francel (Saxofon), Andreas Hinterseher (Akkordeon, Bandoneon, Trompete) und D.D.Lowka (Bass) wieder Gäste eingeladen: Vibrafonist Tim Collins ist sowieso oft mit von der Partie. Maria Well am Cello und ihr Bruder Matthias (Violine), beide mit klassischem Musikstudium, wirkten von Beginn an mit, was dem Gesamtgepräge nostalgischen Charme und eine kammermusikalische Note verlieh. Die Band kredenzte zu Beginn ein Stück von Fritz Kreisler, bevor die Hymne „Nearer, My God, to Thee“ erklang, feierlich und würdevoll – eine Ehrerbietung für die verstorbenen Musiker und die vielen weiteren Opfer der Schiffskatastrophe. Ebenfalls mit dabei und in Rosenheim bestens bekannt: Pianist Bernd Lhotzky – er ist auf Ragtime spezialisiert und wurde kürzlich für ein Album mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. „Saint James Infirmary“ ertönte mit nuanciertem Piano und brummig-knarziger Bassklarinette von Francel, dazu mit feinem Vibrafonspiel.

Als Hommage an den Komponisten Scott Joplin wirbelte Lhotzky temporeich und quasi vierhändig im „Harlem Strut“ über die Tasten, beinah humoristisch der „Heliotrop Boogie“. Als Überraschungsgast steuerte in der Folge Daniel „Sigi“ Siegmund von den „Besen Street Boys“ gekonnte Banjoklänge und ebensolchen Gesang bei, Mulo Francel hatte mit ihm in Jena gejammt. Zu einigen Musikstücken gab es ergänzend Porträts der Komponisten, manchmal Bilder in Schwarzweiß von der „Titanic“, sodass man auch optisch das nostalgische Flair der vergangenen Epoche verspüren konnte.

Nostalgisch ging es denn auch in die zweite Runde: Nach einem Kreisler-Stück bot das Ensemble zwei Tangos in schneller Folge, „El Choclo“ von Angel Villalobo und „Fuga y misterio“ von Astor Piazzolla, bedacht mit stürmischem Applaus des verzückten Publikums. Zeit für Soli: Hinterseher überzeugte einmal mehr mit seinem Bandoneonspiel und D.D. Lowka riss mit Rhythmik am perkussiv geklopften Bass mit.

Nach einem langsamen Ragtime („Linden Tree“) lernte man den sonst eher dezent und gentlemanhaft auftretenden Tim Collins von seiner temperamentvollen Seite her kennen. In einer Mitmachnummer entpuppte er sich als geschickter Chorleiter und animierte die Gäste zum Mitsingen einer Blues-Nummer, was gern vielstimmig angenommen wurde.

Kernige
Bläsersoli abgeliefert

Doch es ging weiter mit den Überraschungen auf der Bühne: Zum Klassiker „Indiana“ bat Mulo Francel zwei Urgesteine der Rosenheimer Jazzszene auf die Bühne: Posaunist Charly Sareiter und Trompeter Richard Prechtl. Sie spielen mit dem Kurator der Titanic-Ausstellung, Dr. Peter Miesbeck, sonst in der unverwüstlichen „Old Stack O’Lee Band“. Beide lieferten kernige Bläsersoli ab und hatten sichtlich ihren Spaß mit dem Auftritt, der jetzt ein wenig Session-Charakter hatte.

So hätte es noch eine Weile weiterhin lustig zugehen können, doch ein Titel war Pflicht und bildete den Abschluss eines wunderbaren, nostalgischen Auftritts mit einigen Überraschungen. „My heart will go on“ als Titanic-Titelsong von Celine Dion weckte noch einmal die Erinnerungen an den Kinohit von Regisseur James Cameron und war ein würdiger Schlusspunkt. Wer will, kann den Hit übrigens in einer Karaoke-Kabine in der Ausstellung mitsingen – viel Vergnügen dabei.

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