„Wirt auf der Ed“: Wirtshaussterben schon seit 1752?

von Redaktion

Nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch in den Klein- und Großstädten ist gelegentlich eine gewisse Verödung zu beobachten, mit der oft ein Wirtshaussterben einhergeht. Vielleicht mag ein Vergleich mit der Situation beispielhaft wirken, die vor mehreren Jahrhunderten in buchstäblich öden Gebieten unserer Region geherrscht hat.

Die zahlreichen Öd-Orte in unserer Gegend weisen zunächst auf ödes, also menschenleeres, unangebautes Land, hin. In der Zeit der Landrodung kam es darauf an, ob die gerodete Öde bewohnt und ausgebaut oder wieder verlassen wurde – oder neuerlich bewohnt wurde, wie es Professor Karl Puchner 1951 in seinem historischen Ortsnamenbuch zum (Alt-)Landkreis Ebersberg formuliert hat: „Die vielen bairischen ON (= Ortsnamen) Öd, entrundet Ed, (…) weisen wohl auf zeitweise abgegangene Siedlungen meist abseits der größeren Dörfer ( …), die dann später wieder besiedelt wurden.“ Wir fügen hinzu: Und bis heute als Einödhöfe überlebt haben. In Karl Puchners Forschungsgebiet kommt der Name „Öd“ gleich sechsmal vor; allerdings ist genau die Hälfte dieser Siedlungen wieder „abgegangen“ (Puchner), also verschwunden.

Eine derartige Entwicklung der Öd-Orte erinnert an die Situation der Öd-Ortsnamen in der Altgemeinde Tattenhausen, die seit der Gebietsreform zwischen 1972 und 1978 Teil der Gemeinde Großkarolinenfeld ist. Weithin bekannt ist hier der Ortsname „Dred“, der aus dem Wortlaut „ a (= in) der Ed“, „a dr Ed“ zu „Dred“ geworden ist. Bekanntlich ist mit „Dred“ das Dorf Jarezöd gemeint. Zur Popularität des Kurznamens trugen maßgeblich die Gaststätte „Wirt von Dred“ und die „Dreder Musi“ bei. Wie könnte man eine „Öde“ besser repräsentieren?

Der Namensbestandteil „Jarez“, der in der Regel nicht ausgesprochen wird, fand seine plausibelste Erklärung durch Pfarrer Peter Bergmeier, der 1965 in seinem Aufsatz „Jarezöd – Edelsitz mit Schloß“ in der Zeitschrift „Der Mangfallgau“ den Ortsnamen als Jared-s-Öd, als Öde eines Mannes namens Jared, deutete. Bergmaier wies dabei auf die Tatsache hin, wonach „besonders bei Adeligen (…) oft merkwürdige Namen aus dem Alten Testament gebraucht“ wurden.

Und Großkarolinenfeld kann noch mit einer zweiten erfolgreichen „Öd“ beziehungsweise Ed aufwarten, nämlich in Gestalt der Höfe „Beim Fürchtn“ und „Beim Gusterer“. Aber jetzt kommt’s: Bei der Durchsicht der Orte in den Hauptmannschaften, wie Kleinstgemeinden damals – hier 1752 – hießen, taucht ein zweites „Öd“ auf, das zur Hauptmannschaft Deutlstätt gehörte. Zum Vergleich: Jarezöd gehörte der Hauptmannschaft Bichl an, das Gusterer-/Fürcht-Öd der Hauptmannschaft Tattenhausen. Das heutzutage verloren gegangene Öd von 1752 bestand aus nur einem Anwesen, das der Kirche Lauterbach gehörte und den folgenden Namen trug: „Wirt auf der Ed“. Wer macht sich mit uns auf die (historisch gemeinte) Suche nach dem zweiten „Wirt vo Dred“, der offenbar schon vor sehr langer Zeit dem Wirtshaussterben zum Opfer gefallen ist? Armin Höfer

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