Rosenheim – Vor 100 Jahren erschien Josef Hofmillers Version der berühmten Bayernkönig-Sommer-Reise 1858. Als eine „leuchtende Episode in dem allzu kurzen Leben“ des Königs – es währte von 1811 bis 1864 – erachtete der Rosenheimer promovierte Oberstudienrat Josef Hofmiller den einzigartigen „Reiseritt König Maximilians II. durch seine angestammten Lande vom Bodensee bis zum Watzmann“.
Der Neuphilologe und Essayist Hofmiller nahm sich die Aufzeichnungen eines der vom König selbst „erkorenen“ Begleiter, des „Nordlichts“ Friedrich von Bodenstedt, vor, um sie als Band 7 der in Altötting erschienenen Verlagsreihe „Bücher der Heimat“ herauszubringen. Das war 1925. Titel: „Der König reist durch sein Bayernland“. Auf dem eindrucksvoll gestalteten Cover stand versehentlich „Bayerland“, ein Fehler, der dem fleißig publizierenden Hofmiller offensichtlich entgangen war. Kann sein, dass er mit der Arbeit für die Buchreihe zu sehr beschäftigt und es nicht mehr zu einem Korrekturgang gekommen war. Das Jahr zuvor war er mit der Herausgabe des ersten Teils von Karl von Leoprechtings Werk „Aus dem Lechrain“ ausgelastet. Bald darauf folgten eine Auswahl „Altbayerischer Sagen“ (Band 4) und 1926 als Band 9 unter dem Titel „Boarisch“ ausgewählte Gedichte Franz von Kobells. Dieser Mann, ein geadelter Ritter, war Professor der Mineralogie an der Münchner Alma Mater und, wie ihn „Bosls Bayerische Biographie“ (1983) einschätzt, „Gelegenheitslyrikerin mundartlicher Sprache“. Immerhin handelt es sich bei Kobell um den Erfinder der „G’schicht von Brandner-Kasper“ (1871). Auch er gehörte zu der erlauchten Reisegruppe um König Max II.
Diese bestand des Weiteren aus dem Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl, dem General von der Tann, den Grafen Pappenheim und Ricciarelli sowie Baron Leonrod. Aus dem Kreis der vom König 1854 berufenen „Nordlichter“ (zu ihnen sind der Dichter Paul Heyse und der Hygieniker Max von Pettenkofer zu rechnen) ragt Friedrich Martin von Bodenstedt, Schriftsteller und Übersetzer, 1819 in Peine geboren, 1892 in Wiesbaden gestorben, insofern hervor, als er die Königsreise von A bis Z in sein Tagebuch notierte. So akribisch wie amüsant.
Es wurde ein stattlicher Bericht aus den sehr persönlich gehaltenen tagtäglichen Aufzeichnungen. 42 Pferde, so erfahren wir, begleiteten die Reisenden, „darunter 14 kleine Norweger, welche sehr dazu geeignet wären, uns auch das Ersteigen hoher Berge einigermaßen zu erleichtern“. So wurde stets, wie Bodenstedt anmerkte, „bis zum Fuß eines Berges“ geritten. Auf der Reise, die am 20. Juni 1858 in Lindau startete und am 27. Juli in Berchtesgaden endete, huldigte das meist in Scharen zusammengelaufene Volk, namentlich immer wieder Kinder mit ihren Lehrpersonen und Gläubige mit ihren Geistlichen, dem viel geliebten Landesherrn mit Tschingderassabum und „Vivat König Max! Hoch! Hurrah!“
Die außergewöhnliche Reise war eine gern genutzte Chance für alle Südbayern in Stadt und Land, ihrem König persönlich begegnen zu können. Ihm und seiner rein männlichen Begleitung fehlte es an nichts, weder an Humor noch an landschaftlichen Entdeckungen, weder an Unterhaltung noch an ausgiebigen Diners oder Ausflügen – bei diversen kleinen unvorhergesehenen, aber gefahrlosen Zwischenfällen. „Nachdem wir in kurzer Zeit alles erschöpft hatten, was Kreuth uns bei schlechtem Wetter bieten konnte, und sogar die Ziegenmolke mit Kenner-Miene geprüft und vortrefflich befunden hatten, wünschte uns Seine Majestät gute Nacht, mit der freundlichen Weisung, uns am nächsten Morgen bereitzuhalten, die Reise zu Pferde fortzusetzen.“ Diese kurze Textprobe allein mag für einen launig-sensiblen „Journalisten“ namens Friedrich von Bodenstedt sprechen.
Was seinen späteren „Redakteur“ Josef Hofmiller dazu bewegt haben mag, den gelungenen Originaltext für seine Buchreihe zu bearbeiten, wäre interessant. Wer dieser Hofmiller war und was er schrieb – darüber gibt ein Titel der „Bücher vom Bodensee“ Auskunft: „Einkehr bei Josef Hofmiller“, Jan Thorbecke Verlag Lindau 1948.
Der am 26. April 1872 im Allgäuer Kranzegg geborene Hofmiller wirkte, nach München und Freising, lange Jahre in Rosenheim als Gymnasiallehrer. Nebenher war er Kulturkritiker und angesehener, vielfach publizierender Literat. „Als er mitten aus intensivem Schaffen heraus abgerufen wurde“ – das war am 11. Oktober 1933 – „lag sein literarisches Werk nur in wenigen schmalen Bänden gesammelt vor“, bedauert Thorbecke. Hofmillers Witwe Hulda ist es zu danken, dass es zu einer Gesamtausgabe kam. Sie war es auch, die Thorbecke das von Peter Trumm gezeichnete, auf Seite 9 eingeklebte Porträt zur Verfügung stellte.
hans gärtner