Rosenheim – Marokko ist ein attraktives Reiseland und steht touristisch derzeit hoch im Kurs. Die Königsstädte, Marrakesch mit dem Hohen Atlas, der Atlantik, die Oasen und die Wüstenregionen hinterlassen ihre Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst.
Es ist auch ein Land mit einer uralten Musiktradition. Passend zum angekündigten Saharastaub in der Region gastierte gerade ein Schweizer Trio im „Le Pirate“, welches traditionelle marokkanische Musik gekonnt mit Jazz und anderen Elementen zu einem tollen Gesamtsound verknüpft. „Sandman‘s calling“ bot zudem Gelegenheit, selten gehörte Instrumente zu erleben, zudem in einer spannenden Kombination. Umso unverständlicher war der zaghafte Publikumszuspruch bei diesem tollen Angebot – die anwesenden Gäste hatten ihr Kommen jedoch nicht bereut und spendeten begeisterten Zwischenapplaus für gelungene Soli. An Drums und Percussion wirkte Mathias Künzli kreativ und dynamisch, bediente Handtrommeln unterschiedlicher Größe, Rasseln und Pfeifen. Shanir Ezra Blumenkranz widmete sich den Saiteninstrumenten und entwickelte an der Oud, an der extra in Essaouira angefertigten Guembri und am E-Bass ungeheure rhythmische Power. Gregor Frei wechselte zwischen Sopransaxofon und Bassklarinette und spielte wunderbare lange, tragende Melodiepassagen, die über dem Rhythmusteppich zu schweben schienen.
Vertrackt stieg die Band ein in das vor Klangüberraschungen überbordende Konzert, mit Solopassagen an der Oud und jazzrockiger Steigerung. Wehmütig und anklagend das Sopransax im Folgestück, dann wieder Stakkato und pulsierende Rhythmen, tanzbar. Die quirlige „Caravaneria“ entführte in orientalische Atmosphäre und in „Crossing borders“ baute die Band abermals Brücken zwischen der Musik des Maghreb und aktuellem Jazz, das Publikum wippte mit. Mit einem „Camel Race“ drehte Blumenkranz mit der Guembri mächtig auf, die sonst in der traditionellen Gnawa-Musik eingesetzt wird, hier eben in moderner Spielart.
Eine Reminiszenz an Tom Waits führte auf die Zielgerade, doch ein Knüller-Titel zum Finale war noch „Fata Morgana“: Frei blies sich noch einmal die Seele aus dem Leib, tolles Konzert.