Rosenheim – Die Wiener Austro-Pop-Legende Rainhard Fendrich feierte im seit Langem restlos ausverkauften Kultur- und Kongresszentrum ein umjubeltes Premieren-Konzert seiner aktuellen Tour „45 Jahre live – Nur ein Wimpernschlag“.
Begeisterter
Empfang
Begeistert empfangen, stimmte Fendrich zunächst solo das ironisch-ikonische Stück „Zweierbeziehung“ über das tragische Ende der toxischen Beziehung eines jungen Mannes zu seinem geliebten, hochmotorisierten, vom Vater finanzierten fahrbaren Untersatz an. Nach zwei weiteren rockigen, aber nachdenklichen Titeln zum Thema gescheiterte Beziehungen begrüßte Fendrich das Rosenheimer Publikum mit dem Paradoxon seines Ende Januar veröffentlichten Studio-Albums „Wimpernschlag“: Nach 45 Jahren auf der Bühne sei er mittlerweile vom Geburtstagskind – im Februar hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert – zum Jubilar avanciert. Aber das schönste Geburtstagsgeschenk sei es nach wie vor, vor vollem Haus auftreten zu dürfen.
Das Programm ließ die musikalisch prall gefüllten Jahre von den frühen 1980ern bis heute Revue passieren – wie ein Wimpernschlag. Unbeschwerte Titel mit karibischem Urlaubs-Feeling wie „Vü schöner is des G’fühl“ wechseln sich ab mit kritisch-nachdenklichen Songs wie „Auf und davon“ oder „Der Wind“, bei dem schwarz-weiße, stilisierte Rosen an der Decke des Saals tanzten. Fendrich, zeitlos-elegant in schwarzem Hemd und schwarzer Hose, die silbergrauen Haare zur Andeutung einer Elvis-Tolle gestylt, ging selbstironisch mit seinem Schaffen ins Gericht: Manchmal könne er heute nicht mehr nachvollziehen, warum er bestimmte Titel geschrieben habe – und auch hier gelte die Maxime, früher sei nicht alles besser gewesen.
Für den optimalen Hör-Genuss seiner bewegenden Songs könnten die Musiker im weiteren Tour-Verlauf noch etwas an der Abstimmung arbeiten, da bei manchen Titeln die Band, besonders das Schlagzeug, Fendrichs Stimme überlagerte und die hörenswerten Texte übertönte. Ansonsten zeigte sich der Wiener Altmeister topfit und voller Energie. Muss er auch sein für die unglaubliche Zahl von 33 Titeln aus seinem schier unerschöpflichen Repertoire, die er laut Setlist bei seinen Tour-Auftritten präsentiert.
Wichtiger Fixpunkt im Leben Fendrichs: seine Heimatstadt Wien, die ihm alle Möglichkeiten bot. Hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, erzählt er, wäre seine Mutter nicht aus dem Sudetenland vertrieben worden und er nicht dort geboren worden – für seine Mutter das größte Unglück ihres Lebens, für Fendrich jedoch das höchste Glück. Und mit seinem großen Hit „Haben Sie Wien schon bei Nacht geseh’n“ lud er diejenigen im Publikum, die noch nie dort waren, überzeugend ein, doch einmal „seine“ Stadt zu besuchen.
Trotz dieser Heimatverbundenheit spiegelt sich Fendrichs Reiselust und Liebe zum sonnigen Süden in einem seiner größten Hits, „Strada del sole“ von 1981, aber auch in der nostalgisch angehauchten und kabarettistisch untermalten Hommage an den klassischen Teutonengrill „Nachtzug nach Jesolo“ aus dem aktuellen Album wider, die nacheinander präsentiert wurden.
Das Publikum stimmte textsicher in Fendrichs große Hits wie „Tango Korrupti“, „Schickeria“ oder natürlich „Malibu“ ein, genoss aber auch die Stücke aus dem aktuellen Album, wie „Warteschleife“ oder „Nie wieder jung sein“. Vor der Pause setzte Fendrich einen Akzent mit „I am from Austria“, der inoffiziellen Hymne Österreichs, die er lange Zeit nicht mehr singen mochte, da sie von Gruppen instrumentalisiert wurde, „mit denen man nichts zu tun haben möchte – jedoch kann man seine Heimat auch lieben, ohne andere zu hassen“. Und passend zum Titel leuchtete der Bühnenhintergrund in den österreichischen Nationalfarben.
Bei dem melancholischen Stück „Tränen trocknen schnell“ sorgte Fendrich mit der „Chromatischen“ für Gänsehaut-Feeling à la Bob Dylan. Auf die Liebes-Nöte eines 15-jährigen Jungen in „Frieda“ folgte die abgeklärte Erkenntnis „Nie wieder jung sein“ aus dem aktuellen Album.
Publikum stürmt
die Bühne
Ab dem Hit „Blond“ kannte das Publikum kein Halten mehr, stürmte zur Bühne und feierte den Wiener König des Austro-Pop und seine Mega-Hits wie „Macho Macho“, „Es lebe der Sport“ oder „Oben Ohne“. Zweimal forderte das begeisterte Publikum vehement eine Zugabe, zweimal kehrte die großartige Band um Fendrich mit Martin Roth an der Gitarre, Christian Seiner am Bass, Christian Einheller am Schlagzeug und Oliver Hahn am Keyboard zurück und schlug schließlich leisere Töne an, etwa mit der zeitlosen Liebeserklärung „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“. Mit der dritten und letzten Zugabe setzte Fendrich solo einen eindringlichen Schlusspunkt und forderte musikalisch „Nie mehr Krieg“ – das Publikum trug seinen Appell mit tosendem Applaus mit.
Am 18. Mai kehren Fendrich und Band im Rahmen ihrer großen Jubiläumstour, die sie neben Deutschland und Österreich auch in die Schweiz führen wird, für ein ebenfalls bereits ausverkauftes Zusatzkonzert ins Rosenheimer Kuko zurück.