Am 6. Januar 2025 ist der weit über die Region hinaus bekannte Fotograf Josef Reiter aus Aschau im Chiemgau gestorben. Er erlag mit 54 Jahren einem schweren Krebsleiden. Der leidenschaftliche Fotograf hat – neben seinem Brotberuf – über Jahrzehnte hinweg die Schönheiten des Chiemgaus unentwegt mit der Kamera festgehalten und in zahlreichen Kalendern und mehreren Büchern veröffentlicht.
Das Chiemgauer Verlagshaus hat nun seinen Bildband „Naturparadies Chiemgau und Chiemgauer Alpen“ in einer komplett überarbeiteten Auflage neu herausgegeben und damit Josef Reiter auf 112 Seiten ein fotografisches Denkmal gesetzt.
„Es war ein sehr großer Wunsch von Josef Reiter, dass das Buch noch einmal neu erscheint“, erzählt Verleger Max Scheibmaier. Die Erstauflage des Buches, erschienen im Jahr 2008, war für beide Seiten, den Verlag wie auch den Fotografen, jeweils eine Premiere, wie Scheibmair berichtet: „Wir hatten bis dahin noch kein Buch veröffentlicht.“ Mit Josef Reiter hatte der Verlag bei der Veröffentlichungen von Kalendern zusammengearbeitet. „Mein größter Traum, des waar a Biachl“, habe Josef Reiter ihm damals erzählt. „Da habe ich gesagt: Dann manchen wir es“, so Scheibmair.
Das Ergebnis war „Naturparadies Chiemgau und Chiemgauer Alpen“. Der Band wurde zu einem „echten Erfolg“, sagt Scheibmair: „Die erste Auflage hat sich sehr schnell verkauft.“ Auch Jahre später habe es immer wieder Nachfragen nach dem Buch gegeben.
In dem Wissen, dass er von seiner Krankheit nicht mehr genesen wird, hat sich Josef Reiter an die Arbeit für die Neuauflage gemacht. Viele Fotos wurden eigens neu gemacht, andere aus den seit der Erstauflage entstandenem Material neu zusammengesucht und aufbereitet. Andere fanden unverändert ihren Weg in die Neuausgabe, weil sie als historische Zeugnisse nicht mehr neu gemacht werden konnten.
In dem Band dürfen natürlich die großformatigen Ansichten des Chiemsees – zu allen Tages- und Jahreszeiten, bei unterschiedlichsten Wetterverhältnissen, nicht fehlen. Die Bilder sind mit einer bemerkenswerten technischer Brillanz umgesetzt. Doch neben den schon fast ikonografisch anmutenden Fotomotiven des Sees, seiner Ufer und der Inseln hatte sich Josef Reiter auch seinen Blick für die kleinen Schönheiten bewahrt. Und so gelang es ihm immer wieder, selbst an so bekannten Orten wie der Frauen- oder der Herreninsel neue, überraschende Blickwinkel und Motive zu entdecken. Daneben findet die Tier- und Pflanzenwelt des Chiemgaus breiten Platz. Fotografische Ausflüge führen auf die Kampenwand, den Geigelstein und den Hochgern und ins Priental. Die Bilder geben die Natur im Jahreslauf wieder, zeigen Brauchtum, aber Segler, Surfer und Gleitschirmflieger.
Die Texte aus der Feder von Michael Lohmann halten sich angenehm zurück und stellen sich ganz in den Dienst der Fotografien. Sie sind in Deutsch, Englisch und Französisch abgedruckt, ganz zugeschnitten auf das Zielpublikum Tourismus. Die Dreisprachigkeit macht den Band aber auch als „internationales“ Mitbringsel bestens geeignet.
Klaus Kuhn