Kostbarkeiten aus dem Archiv zeigen Stadtgeschichte

von Redaktion

Große Ausstellung in der Städtischen Galerie begleitet das Jubiläum „650 Jahre Stadtrechte Traunstein“

Traunstein – Echte Kostbarkeiten aus den Archiven zeigt die aktuelle Ausstellung „Traunstein im Wandel – mit Fug und Recht“, die noch bis 1. Juni in der Städtischen Galerie im Kulturforum Traunstein zu sehen ist. Die gemeinsam von Stadtarchiv, Stadtmuseum und Städtischer Galerie erarbeitete und aufwendig gestaltete Präsentation auf zwei Stockwerken liefert den historischen Hintergrund zu den Jubiläumsfestlichkeiten „650 Jahre Stadtrechte Traunstein“. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Vorträgen und Führungen.

Die Verleihung der erstmals per Urkunde verfassten Stadtrechte an Traunstein im Jahr 1375 durch den Herzog Friedrich bildet den Ausgangs- und Ankerpunkt der Ausstellung. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass die Geschichte der Stadt an der Traun viel weiter zurückreicht. Ein Zeitstrahl setzt den Beginn im Jahr 790, als in Güterverzeichnissen des Erzbistums Salzburg erstmals Besitzungen „ad Trun“ genannt werden. 1245 wird die Siedlung „Trauwenstain“ erstmals erwähnt. Um 1300 ist von einer „Stat“ die Rede. Den Schlusspunkt setzen die Ausstellungsmacher 2022, als Traunstein mit dem Titel „Hochschulstadt“ aufwartet und damit eine neue Epoche der Stadtgeschichte einläutet.

Jahrhunderte einer an Ereignissen und Persönlichkeiten reichen Stadtgeschichte samt Tonnen von Archivmaterial sinnvoll gegliedert, klar strukturiert und nachvollziehbar aufzubereiten, erscheint als echter Kraftakt. Judith Bader (Städtische Galerie), Franz Haselbeck (Stadtarchiv) und Stefan Schuch (Stadtmuseum) ist dieses Kunststück gelungen. Knapp, komprimiert und pointiert arbeiten sie zentrale historische Entwicklungslinien im Wandel bis zur Gegenwart heraus.

Das beginnt mit dem sich verändernden Stadtbild, das um 1600 noch klar die umgrenzten Stadtmauern auf einer Erhebung über dem Traunufer zeigt, um später deutliche Veränderungen durch die hinzukommende Saline oder den Eisenbahnanschluss zu zeigen. Gemälde, Grafiken und Aquarelle machen deutlich, wie auch der Blick unterschiedlicher Künstler über die Jahrhunderte hinweg bis zur Gegenwart, wie sich die subjektive Sicht auf Traunstein immer wieder verändert hat.

Unterschiedliche Themenbereiche beleuchten schlaglichtartig die wichtigen Lebensbereiche der Bürger in Traunstein. Archivstücke geben lebensnahe Einblicke in Krankenpflege, Wirtschaft und Handel, Zentralität, Urbanität, Kultur und Brauchtum, Glaube und Religion. Es geht um neue Visionen der Stadt – etwa als Kurstadt – oder den Umgang mit großen Katastrophen, Kriegen und Krisen. Die Ausstellung zeigt auch, dass das Stadtrecht von 1375 quasi ein Endpunkt der Entwicklung hin zur verfassten Stadt ist, die schon um 1300 greifbar wird.

Spannend ist ein Vergleich, wie sich Rechtsverständnis, Pflichten und Selbstbild des Bürgers über die Jahrhunderte deutlich gewandelt haben. Schandmasken und eine Doppel-Halsgeige erinnern an frühere Prangertechniken, während vergleichende Porträts zweier Brauerfamilien zwischen 1766 und 1822 den Wandel der Statuspräsentation veranschaulichen: von der Zurschaustellung kostbarer Stoffe hin zum fein durchgearbeiteten individuellen Porträt mit psychologischer Note.

Echte Höhepunkte aus dem Archiv sind die zahlreichen Archivmaterialien zur 1926 gefeierten 800-Jahr-Feier Traunsteins, die auf fälschlichen Auslegungen zur Stadtgeschichte beruhen, samt einem digital aufbereiteten Film. Eine Zunfttruhe der Bäcker oder das Zunftzeichen der Schuhmacher, ein an Hieronymus Bosch erinnerndes Gemälde über „Höllenpein“, eine aus Sperrholz ausgesägte Figurengruppe vom Georgiritt von Felicitas Rettig (1930), der nicht verwirklichte Entwurf für eine Prunkparade des Rathauses von 1925 oder der aufwendige Prunkpokal des Quartettvereins sind weitere Schmuckstücke der Ausstellung.

Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 11 bis 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Eine Führung findet am Sonntag, 1. Juni, um 16 Uhr statt. Am Samstag, 31. Mai, um 14 Uhr startet am Lindlbrunnen eine historische Führung mit Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch. Stadtarchivar Franz Haselbeck referiert am Donnerstag, 22. Mai, um 19 Uhr über den Aufstieg von Josef Schierghofer vom Hausknecht zum Hausbesitzer. Axel effner

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