„Kinder singen gern!“

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Über das generationenübergreifende Singen in Familien

Es war für viele Kinder meiner Generation der in den 1950er-Jahren Geborenen ganz selbstverständlich, mit dem natürlichen Singen der Erwachsenen aufzuwachsen. Mutter und Vater sangen ihre Lieder, auswendig und zu passenden und weniger passenden Gelegenheiten. Wo Großeltern im Haus waren, kamen die Lieder dieser älteren Generation dazu. Und die Kinder waren immer dabei, ganz selbstverständlich bekamen sie das „traditionelle“ Liedrepertoire mit. Die Erwachsenen haben gesungen und die Kinder erfahren, dass Singen etwas ganz Normales ist, das zum Leben gehört. Das hat sich vielerorts und vielfach geändert: Das gemeinsame und „lockere“, selbstverständliche und unperfekte Singen im Leben, über die Generationen hinweg, hat stark abgenommen. Schon ab den 1980er-Jahren haben wir das in unseren Befragungen zur Volksmusik- und Singforschung festgestellt. Es bleibt aber eines wichtig: Kinder singen gern!

Und deshalb haben wir in der Erkenntnis des Sing-Wandels in unserer Volksmusikarbeit seit den 1980er- Jahren nach Ursachen geforscht – vor allem aber Lösungen und Impulse angeboten, damit wieder mehr mit Kindern gesungen wird. Diese Arbeit haben wir am „Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“ weitergeführt und in der Volksmusikpflege viele Beispiele zum gemeinsamen Singen der Generationen angeboten. Da sind Lieder entstanden mit lustigen und für Kinder interessanten Texten auf regional überlieferte und eingängige Melodien – und haben die vorhandenen deutschen und bayerischen Kinderlieder ergänzt: Seit den 1990er-Jahren haben sich die gesungenen Geschichten vom „Bimperlwirt“ oder vom „Gickerl“, von der „Mühlengeisterpolka“ bis zum fliegenden „Herrn Maier“ in mehreren Fassungen verbreitet. Auch „Wenn der Vater mit der Mutter auf das Volksfest geht“ und vieles andere hat den Weg in die regionale Überlieferung gefunden – und manches findet sich auch in anderen Liederheften oder Büchern für Kindergarten und Grundschule.

Seit 2020 trägt der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ (Pfarrweg 11, 83052 Bruckmühl, Telefon 08062/ 8078307) das Projekt „Kinder singen gern!“. In der Corona-Zeit haben wir viele Singmaterialien über Internet und den Postversand für Familien bereitgestellt. Eva Bruckner und ich sind jetzt in vielen oberbayerischen Regionen unterwegs bei lustigen „Erlebnis-Singen“ für Kinder und Erwachsene. Die Kinder freuen sich, wenn Opa und Oma oder Mama und Papa mit ihnen in der Familie oder auch im Bekanntenkreis singen. Damit die Lieder den Erwachsenen im Gedächtnis bleiben, haben wir kleine kostenlose Liederblätter erstellt. Auch die in unserer Arbeit beim Bezirk Oberbayern erstellten kleinen Hefte der Reihen „Singen – Tanzen – Spielen“ oder die Taschenliederhefte „Für Kinder und Jugendliche“ dürfen wir im Auftrag vom jetzigen Bezirks-Volksmusikpfleger Leonhard Meixner an die Familien weitergeben.

In diesem Jahr bieten wir beispielsweise in den Landkreisen Mühldorf, Altötting, Traunstein, Miesbach, Erding, in der Landeshauptstadt München, in Stadt und Landkreis Rosenheim und im Berchtesgadener Land diese generationenübergreifenden „Erlebnis-Singen“ für Kinder und Erwachsene an. Jeweils eine Stunde wird gemeinsam auswendig gesungen – und nachher erhalten die Teilnehmer die Lieder zum Mitnehmen.

Der „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ lädt zusammen mit der Marktgemeinde Bruckmühl am Freitag, 2. Mai (Kulturmühle, 17 Uhr), dazu ein, der Mühldorfer Kreisheimatpfleger Dr. Baumgartner am 23. Mai in Mühldorf (Familienzentrum Awo, 17 Uhr). ernst schusser

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