In der Welt von Thomas Bernhard

von Redaktion

Texte von und Musik zu dem österreichischen Schriftsteller in der Theaterinsel Rosenheim

Rosenheim – „Es gibt ja doch noch einige Thomas-Bernhard-Fans“, freute sich Rezitator Peter Wiegand bei seiner Begrüßung in der gut besetzten Theaterinsel. Zusammen mit dem Pianisten Klaus Kammerloher unterhielt Wiegand mit Lesung und Musik rund um den 1989 verstorbenen österreichischen Schriftsteller.

Wiegand las aus dem autobiografischen Buch „Die Ursache“ über Bernhards Hassliebe zu Salzburg, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, in der er Lehr- und Studienjahre verbrachte, aus dem Roman „Alte Meister“ und aus „Meine Preise“. Aus „Ein Kind“ gab er die Episode von Bernhards missglücktem Radausflug nach Salzburg zum Besten. Zudem las er Auszüge aus Interviews mit André Müller und Kurt Hofmann. Dazwischen sang Wiegand zur Klavierbegleitung unter anderem ein Lied von Georg Danzer und ein Wienerlied.

Bernhard ist nicht nur berühmt geworden durch seine humoristische Übertreibungskunst, sondern auch durch die Musikalität seiner Sprache. Seine Themen wiederholt und variiert er gleich einem Leitmotiv in nicht enden wollenden Sätzen. Die scheinbare Monotonie seiner Prosa übt auf den Leser eine große Sogwirkung aus. Seine Werke fesseln nicht zuletzt wegen seiner exakten und geistreichen Beobachtungsgabe.

Texte von Bernhard angemessen zu sprechen, ist eine große Herausforderung. Wiegand gelang das am ehesten in den Auszügen aus „Ein Kind“, in dem er zu zarten Klaviertönen den Bernhard-Text zurückhaltend und einfühlsam zu Gehör brachte. Die Texte aus „Meine Preise“, aber auch die Salzburgbeschimpfung wirkten aber eher blass. Da hätte man sich mehr Erregung und Leidenschaft, aber auch deutlichere Intonation gewünscht. Wiegand hatte seine Gesangseinlagen offensichtlich bewusst musikalisch verfremdet. Bernhard selbst hat ja in Salzburg eine anspruchsvolle Gesangsausbildung erhalten. Hilfreich wäre auch eine kurze Einführung zu den einzelnen Werken gewesen. Dem Unkundigen erschlossen sich etwa aus dem Text von „Ein Kind“ nicht die Gründe für die problematische Beziehung zu seiner Mutter. Für die Darbietung der Bernhard-Welt erhielten Wiegand und Kammerloher vom Publikum freundlichen Applaus.Georg Füchtner

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