„Spiel’s noch einmal, Susi!“

von Redaktion

Rosenheimer Pianistin Susi Weiss feiert ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum

Rosenheim – Als die erste große Zeit im „Le Pirate“ mit den internationalen Musiker-Freunden des Gerhard Francesconi aus dem Münchner Jazzclub Domicil zu Ende ging, musste der Sonntag durch eine besondere Attraktion wieder belebt werden. Mit einer Zeitungsannonce im Oberbayerischen Volksblatt hielt Wirtin Petra Rose daher nach einer Barpianistin Ausschau. Die klassische Musikstudentin Susi Weiss suchte trotz der anders ausgerichteten Studienfachs schon länger nach Möglichkeiten, ihre Leidenschaft des „Easy-Listening-Jazz“ weiter auszubauen, las die Anzeige, nahm sich ein Herz, suchte passende Noten, übte eifrig und bewarb sich. Eine Woche nach dem Vorspiel hatte sie schon ihren ersten Auftritt. Am kommenden Sonntag, 4. Mai, jährt sich dieser Tag zum 40. Mal. Wolfgang Lentner sprach im Vorfeld des Jubiläumskonzerts mit der Pianistin.

Susi, was hat dich damals an der Musik, die wohl die meisten von uns mit „Spiel’s noch mal Sam“ aus Casablanca verbinden, angezogen? Studiert hast du ja eher die ernsthafte Kunst am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg.

Ja, studiert hatte ich Mozart und Beethoven, aber angezogen war ich von Kindheit an von einer Musik, die ich heute als „Easy-Listening-Jazz“ bezeichnen würde. Es war in den 80er-Jahren gar nicht so einfach, diese Musik, nach der ich suchte, überhaupt zu benennen. Fündig geworden bin ich dann durch amerikanische Klaviernotenbücher, in denen genau diese Art von Titeln standen, die ich intuitiv hatte spielen wollen.

Alleine im Hintergrund zu spielen, während sich die anderen Hotelgäste unterhalten: Empfindet man das als professionelle Musikerin nicht eher despektierlich?

Nein, auf keinen Fall empfinde ich es als despektierlich, denn ich weiß, dass die Gäste die Musik ja wahrnehmen und wertschätzen, und in der heutigen Zeit empfinden viele es als noch viel wertvoller, wenn da jemand handgemachte Klaviermusik spielt.

Bald blieb es ja nicht beim Barpiano. Der sogenannte „Zweite Frühling“ im „Le Pirate“ entwickelte sich dann ja um die Musiker der Gruppe „Mind Games“, die bei dir bald einstiegen. Waren es Musikerfreunde von dir, die am Sonntag dazugekommen sind, oder hatten sie davor schon eigene Auftritte im „Le Pirate“?

Es dauerte nicht lange, bis sich herumgesprochen hatte, dass es in Rosenheim wieder regelmäßige Live-Musik gibt. Ich möchte stellvertretend für all die vielen lokalen Mit-Musiker einen Namen nennen, für den das Pirate in den ausgehenden 80er-Jahren ebenfalls die Möglichkeit bot, Sonntag für Sonntag Bühnenerfahrung zu sammeln: Mulo Francel. Das Pirate war nun sonntags brechend voll, die Bühne des Pirate ebenfalls, und so waren das für mich intensive Jahre des Lernens, was man als Jazz-Pianistin in den verschiedenen Formationen so alles zu tun hat.

Aber von der Barmusik am Sonntagabend kann man ja nicht leben, oder? Wie ging denn Deine Karriere weiter?

Anfang der 90er-Jahre schon bekam ich regelmäßige Piano-Engagements auf den Schiffen, die man aus der ZDF-Serie „Das Traumschiff“ kennt, wo ich dann immerhin 22 Jahre lang als Pianistin beschäftigt war. Die Konzerte im Pirate wurden weiter veranstaltet, aber nicht mehr von Mulo oder von mir organisiert. Und auch beim ZDF-Traumschiff allein blieb es ja nicht: Es kamen immer mehr Hotels, Bars, Restaurants dazu, die sich für Live-Pianomusik entschieden haben, und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Gibt es eine Begegnung, die dir im Pirate besonders in prägender Erinnerung geblieben ist?

Eine einzelne Begegnung im Pirate würde ich gar nicht herausstellen wollen, denn in diesen 40 Jahren habe ich dort so viele Freundschaften und Kontakte knüpfen können, Kollegen kennenlernen und mit ihnen musizieren dürfen, und der Tag des ersten Engagements hat meine musikalische Entwicklung extrem beeinflusst. Das war sozusagen weichenstellend.

Du hattest ja auch die Ehre, nach den Corona-Lockdowns das erste Konzert der Open-Air-Festivals am Ölberg zu starten? Wie empfindest du dieses „Coming Out“ des „Le Pirate“? Oder bevorzugst du eher die intime Atmosphäre der kleinen Bar?

Das erste Konzert nach der Corona-Zeit am Ölberg habe ich als äußerst angenehm gefunden. Wir hatten ja auch beste Wetterbedingungen, der Platz am Ölberg ist auf seine Art ja auch intim, und als Jazz-Konzert-Atmosphäre sehr geeignet! Da sind wir immer sehr gerne dabei!

Was erwartet uns denn am kommenden Sonntag im „Le Pirate“?

Am kommenden Sonntag, 4. Mai, habe ich eine Band zusammengestellt aus lauter musikalischen Freunden: Heinz Dauhrer an der Trompete, Katja Ritter singt, Hermann Roth am Schlagzeug, Thomas Laar am Bass, und ich am Piano! Vielleicht kommen ja noch Freunde aus alter Zeit vorbei und steigen mit ein?

Wenn du heute noch mal deinen Beruf wählen könntest, was würdest du tun?

Heute ist mein Berufsbild vielfältig: Ich schreibe Klaviernotenbücher mit genau den Arrangements, wie ich sie in den Bars spiele, und ich habe viel Freude gefunden am Unterrichten, denn der Nachwuchs muss ja auch ausgebildet werden! Aber nach wie vor spiele ich für mein Leben gern Klavier in Hotel-Bars, und freue mich, wenn ich einen musikalischen Wunsch erfüllen kann: Zum Beispiel „As time goes by“ oder wie sagt man? „Spiel’s noch einmal, Susi!“ Interview: Wolfgang Lentner

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