Prien – Was braucht es für ein gelungenes und mitreißendes Jazzkonzert? Man nehme einen begnadeten Jazzgitarristen, der wiederum Musikerfreunde einlädt, und einen architektonisch einnehmenden Saal, die evangelische Christuskirche zu Prien, und rühre das Ganze zusammen.
Seit zehn Jahren schon ist „Jazz & More Chiemsee – Philipp Stauber & Friends“ ein Erfolgsrezept, jedes Mal anders gewürzt und immer wieder ein einmaliges Erlebnis. Beim jüngsten Konzert unter dem Titel „All Blues“ musizierte Jazzgitarrist Philipp Stauber mit Matthias Bublath an Klavier und Hammond-Orgel sowie Schlagzeuger Guido May. Und dass gegen Ende des Konzerts noch eine Blues-Sängerin, eine Freundin Staubers, die eigentlich nur zum Zuhören gekommen war, spontan mitwirkte, setzte dem Konzertgenuss das Sahnehäubchen obenauf.
Wie immer gab es zum Auftakt ein Gitarrensolo, mit Elementen aus Jazzklassikern wie „Come Sunday“ und „Ain’t got nothing but the blues“, dann hatte Matthias Bublath solo am Klavier seinen Auftritt. Unvergleichlich, wie der Allrounder – am Bruckner-Konservatorium in Linz, am Bostoner Berklee College of Music und an der Manhattan Music School ausgebildet – mal perlend, mal swingend, mal klassisch, Pedale und alle 88 Tasten ausnutzte. Alles eingängig, harmonisch, leicht wirkend.
Schließlich kam noch das Schlagzeug hinzu, und dann servierte das Trio bluesigen Jazz. Jazz, bei dem man sich mal entspannt zurücklehnen und genießen konnte oder eben auch mal mitwippen durfte. Guido May bediente mal energisch, mal sensibel das Schlagzeug, charmant, wie er „Achtung“ ausrief und mit einem Fingerschnippen auf das Becken dem samt-swingenden „The nearness of you“ den finalen Kick versetzte.
Philipp Stauber an der Gitarre und Matthias Bublath an der Hammond-Orgel spielten einander die Bälle bei den Harmonien und Melodien zu. Da war das träumerische „Blues after dark“ zu hören, da der vorwärts drängende „Roadsong.“ Das nicht minder mitreißende „Full house“ und das meditative „All Blues“ hatte das Trio auch im Gepäck.
Der Konzertabend „All Blues“ würdigte den Jazz der alten Schule: variantenreich, fantasievoll und wunderbar auf Hochglanz poliert. Anleihen bei und inspiriert von den Großen des Jazz wie Duke Ellington, Wes Montgomery, Miles Davis oder Nat King Cole und dem Gospel, aber immer mit eigener Note versehen, und eben auch Eigenkompositionen.
Später trat spontan die Blues- und Soulsängerin G.G. Ryan hinzu. Ihre bewegende Altstimme paarte sich aufs Beste mit dem jazzig aufspielenden Trio. Das Quartett begeisterte mit „This little Light of mine“, „Ain’t got nothing but the blues“ und „Route 66“ das Publikum. Als Zugabe gab es noch „Summertime.“ Eine Einladung zum Träumen, aber auch Werbung für das nächste Konzert. Am 25. Mai gibt es noch einmal Philipp Stauber & Friends. Zusammen mit August Zirner (Flöte, Gesang und Texte) sowie Kontrabassist Sven Faller wird Philipp Stauber mit Kompositionen von George Gershwin, Bach, Herbie Hancock, Duke Ellington sowie eigenen Kompositionen sowohl instrumental als auch lyrisch Zwischenräume „Zwischen Himmel und Erde“ erkunden. Elisabeth Kirchner