Salzburg/Übersee/Obing – Drei Konzerte unter dem Motto „Bach mal anders“ fanden mit der Collegia Musica Chiemgau unter der Leitung von Elke Burkert anlässlich des 340. Geburtstags von Johann Sebastian Bach statt – in Obing, in Übersee und im Salzburger Dom. Dreimal ein tosender Applaus. „Ein Jugendtraum ist in Erfüllung gegangen mit der Möglichkeit, hier ein Konzert zu spielen“, gestand die Dirigentin Elke Burkert im Anschluss überwältigt.
Die Transkription von Bachs Fantasia und Fuge BWV 537 für große sinfonische Besetzung von Edward Elgar zu Beginn fand ihre Entsprechung in der Bearbeitung der Passacaglia und Fuge BWV 582 durch Ottorino Respighi am Schluss. Beide zeigten Bach in einer neuen Klanggestalt, mit orchestralem Farbenreichtum und in der Musiksprache der Spätromantik. Zwei Originalwerke von Bach, das Konzert für zwei Violinen in d-Moll, hervorragend interpretiert von Lavinia und Marius Mährlein, die die drei Sätze mit Delikatesse und klangschön gestalteten, und das Brandenburgische Konzert Nr. 5. Julia Burkert-Milone (Violine), Laura Amerstorfer (Flöte) und Judith Trifellner mit spektakulärer Kadenz am Cembalo stellten dabei ihre solistische, barocke Strahlkraft der sinfonischen Dimension des Orchesters gegenüber.
Eingerahmt von diesen Werken in Originalbesetzung und genau in der Mitte als Höhepunkt platziert, kam eine „Welturaufführung“, die „Hommage à J.S. Bach“ für Pauken und Orchester von Wolfgang Kram (*1966) zu Gehör, die der Komponist der Collegia Musica Chiemgau und ihrer Dirigentin sowie dem Schlagwerker Manuel Grund gewidmet hat. Darin zitiert Wolfgang Kram unter anderem Bachs Toccata in d-Moll, die Badinerie aus der h-Moll-Suite, das Air, das Motiv „b-a-c-h“ und Passagen aus der Passacaglia und verarbeitet sie auf individuelle Weise.
Der Solist an den Pauken, Manuel Grund, imitierte und bestätigte rhythmisch prägnant die Aussagen der Streicher und lieferte auf seinen Pauken ein beeindruckendes Solo. In diesem Werk kamen verdichtet Teile aus den Werken vor, die im gesamten Konzert erklangen – eine musikwissenschaftliche Lehrstunde.
Aber auch die lyrische Seite der Spätromantik kam mit Edward Elgars „Sospiri“ für Harfe und Streicher zu Wort, glissandi-reich gespielt von Marina Plereiter. Ebenso ließ die Romanze für Klarinette und Orchester von Richard Strauss – ausdrucksstark dargeboten von Franziska Wallner – mit ihrer romantischen Klangsprache einen spannungsreichen Bogen zur barocken Architektur entstehen.
Mit der Zugabe „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ mit der Melodie in den Bläsern und Begleitung in den Streichern bedankte sich das Orchester für den großen Applaus. Brigitte Janoschka